Exit Music
Depedro – Depedro
Depedro – Depedro

Depedro – Depedro

7.0

Genre: ,
Label: PIAS

Erstellt am: 04.03.2009
Autor:
Erstellt am: 04.03.2009   Autor:

Neuerscheinungen

Calexispania

Mit der besten Backing Band der Welt im Rücken (ja, aber Booker T. & the MG’s sind nicht mehr aktiv) kann nichts schief gehen. Depedro beweist auf seinem Debüt-Album aber auch, dass er zurecht für einmal im Vordergrund steht.

Normalerweise verschwinden Acts im Vorprogramm nach einer halben Stunde ja wieder von der Bühne. Anders Jairo Zavala, wie Depedro eigentlich heisst. Der Kollege verbringt bei der diesjährigen Tour mit den grossen Calexico mehr Zeit auf der Bühne als die Hauptband selbst. Der Spanier ist fester Teil der Band, die ihm so viel Aufmerksamkeit zukommen lässt. Ganz zurecht, wie sein Debütalbum zeigt. Calexico ist dabei als Backing Band. So steht auch “Depedro“ für meisterliche Instrumentalkönnen, einen inspirierenden wie vielfältigen Mix von Stilen wie Folk, Blues, Country, Latin und Jazz. Jairo Zavala ist hier aber federführend, erweitert das Sound-Universum gar noch um einige Facetten und seine heisere Stimme erklingt nun in jedem Song.

Stärker als bei Calexico fällt hier ein Vorgang musikalischer Thermodynamik auf –  Unnahbare Kühle und lähmende Hitze werden vereint. Die Vermischung dubbiger Hall-Effekte, zurückhaltender Elektronik und cool-jazziger Vibes mit Country-Rhythmen und feurigen Latin-Melodien zaubert eine ganz eigene, irgendwie surreale Welt herbei. In “Don’t Leave Me Now“ erklingen gedämpft und leicht obskur Bläser in der Ferne, während im beschwingten Pop-Stück “La Memoria“ Joey Burns an der Marimba vor der Euphorie im Refrain warnt. In “Two Parts One“, dem einzigen rein englischsprachigen Titel, trägt eine lang nachhallende Slide-Guitar eine verloren klingende Trompete weit weit weg.

Fast alle Titel sind von innerlicher Erschöpfung und Abgekämpftheit, aber sturem Willen gezeichnet. Einzige Ausnahme: “Comanche“, eine schmissige Interpretation des Jorge Ben-Meisterstreichs. “Llorona“ ist die zweite Coverversion auf dem Album. Bei diesem wundervollen Song über eine Frau, die von ihrem Schmerz und der Reue über eine schreckliche Tat über ihren Tod hinaus verfolgt wird, muss sich Depedro mit der Jahrhundertsängerin Chavela Vargas messen. Deren Interpretation kann aber ohnehin niemand mehr toppen, und Depedro ist sich dessen auch bewusst. Im Versuch, dem Song trotzdem einen eigenen Stempel aufzudrücken, greift er gar auf Synthies zurück, was erstaunlicherweise nicht schief geht. Unverständlich ist allerdings die Verwendung des kitschigen Schlager-Keyboards in “Equivocado“ – der einzige Fehlgriff, den sich Depedro und Calexico hier erlauben.

Seit  27. Februar 2009 im Handel.

Anspieltipps:

> City Lights
> Pass Away
> Slow River

Diskographie:
> Depedro (2008/2009)

Ähnliche Künstler:
> Calexico
> Vacazul