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Dead Bunny – The Truth Is a Fucking Liar

Dead Bunny – The Truth Is a Fucking Liar

3.5

Genre: ,
Label: CHOP Records

Erstellt am: 17.09.2012
Autor:
Erstellt am: 17.09.2012   Autor:

Neuerscheinungen

Leblos – da liegt der Hase im Pfeffer.

Über „The Truth Is a Fucking Liar“ wurde bereits alles gesagt – nur eines nicht: dass das Album leider nicht so brillant ist, wie alle sagen. Punkten tun Dead Bunny mit Sympathie.

Die vergangenen zwei Jahre haben sich die drei Herren von Dead Bunny in ihrem Studio verkrochen. Ihr erstes musikalisches Lebenszeichen war 2011 das Mini-Album „Dead Bunny“. Den Hasenbau verliessen die Berner für den Auftritt am Gurtenfestival 2011 – sie wurden per Voting auf die Waldbühne gewählt – und um sich die Preise „Demo of the Year 2011“ und „SUISA Foundation Award“ beim M4Music-Festival abzuholen. Bevor die Jungs am 14. September 2012 nun ihre Platte „The Truth is a Fucking Liar“ in den heiligen Hallen des Dachstocks getauft haben, wurde das Debut mit Pauken und Trompeten und Trommelwirbel angekündigt – nicht etwa von der Band selber, sondern von der Musikkritiker-Szene.

Ehrlich und roh sei Dead Bunny. Und ironisch und nachdenklich. Falls sich diese Adjektive auf die Liedtexte beziehen, so kann an dieser Stelle keine Aussage gemacht werden. Der Gesang ist, vor allem auf dem ersten Titel „Fernando“, schwer verständlich. Die Texte ausgefranst, in die Länge gezogen, die Tonleiter auf und ab geschleift – wie es Rockstars halt so machen. Leider wird diese Attitüde bei Dead Bunny überstrapaziert. Ein paar Verse in einer klaren Richtung würden den Worten Direktheit verleihen und dem willigen Textversteher Abhilfe schaffen.

„Kompromisslos“ seien Dead Bunny. Das stimmt. Die Band scheint sich in Sachen Musikgestaltung einen Kodex auferlegt zu haben. Und daran halten sie sich. Konsequent. Zwar ist der Song-Einstieg eigentlich fast ausnahmslos, und vor allem bei „Shadow“, ganz gut – aber leider werden die Tracks dann so voraussehbar wie ein morgendlicher Kater nach einer durchzechten Nacht. Die Wiederaufnahme der immer gleichen instrumentalen Sequenzen (besonders ausgeprägt in „A Rich Man‘s Sorrow“) klingt irgendwie nach Wiederverwertung einer einmaligen Aufnahme. Zwar sauber gefertigt, aber das macht den toten Hasen auch nicht lebendig.

Aufgrund dessen, dass die Platte in Sachen Varietät eher abfällt, sind die hervorstechenden Momente näheres Hinhören wert. Das Arrangement von dezidiertem Bass, Gitarre und Schlagzeug im Song „Cold Blow“ zeugt von Können. Sowieso ist das Bassspiel der Silberstreifen der Platte. Eine Überraschung, wird doch dem Bassisten – mit Ausnahmen er heisst Sid Vicious und ist das Enfant terrible einer britischen Punkband – oft kaum Aufmerksamkeit zuteil. Ebenfalls erwähnenswert ist der letzte Teil des Songs „You Got Something“. Der gefällt. Und insgesamt spürt man: Dead Bunny musizieren, weil es ihnen Spass macht!

Wer kein eingefleischter Rockfan ist, der ein Herz beziehungsweise Ohr hat, für alles, was gitarrig und garagig klingt, der braucht bei „The Truth IS a Fucking Liar“ viel Durchhaltewille und eine grosse Aufmerksamkeitsspanne. Wer das nicht besitzt, bei dem heisst’s wohl: Aus den Ohren, aus dem Sinn  – was halt so passiert, wenn das süsse Häschen das Zeitliche segnet. Da passt‘s gut, dass die Band es sowieso schöner findet „wenn weniger Leute kommen, die uns substantiell gut finden, als riesige Massen, die uns bloss dem Namen nach kennen“. Klingt authentisch. Und sympathisch. Deshalb sei den Jungs das Rampenlicht gegönnt.

Seit  24. August 2012 im Handel.

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > Label > CH-Vertrieb
Anspieltipps:
> Cold Blow
> You Got Something

Diskographie:
> Dead Bunny EP (2011)
> The Truth Is a Fucking Liar (2012)

Ähnliche Künstler:
> Inspiriert von ACDC (in „As he said) und z.T. Foo Fighters