Exit Music
David Karsten Daniels – Sharp Teeth
David Karsten Daniels – Sharp Teeth

David Karsten Daniels – Sharp Teeth

8.0

Genre: , ,
Label: Fat Cat

Erstellt am: 28.02.2007
Autor:
Erstellt am: 28.02.2007   Autor:

Neuerscheinungen

Jenseits von Gut oder Böse

Das vierte Album des zwar erfahrenen, aber wenig bekannten Songwriters besticht mit vereinten Gegensätzen. Es ist minimalistisch und ausschweifend, ambitioniert und bescheiden zugleich.

Für die Aufnahmen seines vierten Albums hat sich David Karsten Daniels für zwei Jahre in ein altes Farmhaus zurückgezogen. Einsam kann er sich in dieser Zeit aber kaum vorgekommen sein. Am Aufnahmeprozess beteiligten sich nämlich knapp 20 Musiker. „Sharp Teeth“ ist trotzdem ein bescheidenes Album geblieben. Es ist ein Werk, dessen Grösse auf einem soliden Fundament aus akustischer Gitarre und Stimme aufbaut. Diese Absicherung macht es möglich, mit grossmütigen Arrangements in die Höhe zu schiessen, ohne dabei Gefahr zu laufen, die Konsistenz zu verlieren. Jene orchestralen Seiten machen „Sharp Teeth“ besonders hörenswert. Die von Daniel Hart (The Polyphonic Spree) wunderschön arrangierten Streicher oder die raumfüllenden Chöre sind nur Auszüge aus einem grossen Detailreichtum. Beeindruckend sind auch die mächtigen Bläser bei „We Go Right On“, welche die wunderbaren Neutral Milk Hotel in mein Gedächtnis zurückrufen.Obwohl Daniels eigentlich in der Tradition klassischer, amerikanischer Folkmusik steht, macht er nicht konsequenterweise gutbürgerliche Musik. Die Welt ist auch im Süden der USA – hier kann man ihn zumindest musikalisch ansiedeln – nicht (nur) schön und heil. Die Grenzen zwischen Gut und Böse sind fliessend und nicht immer offensichtlich: „I felt Jesus and the Devil, could not tell `em apart / I heard a knockin’ on the door „Let me into your heart“ / But it mighta been the Devil, he is awfully smart“. Auch musikalisch hat er nicht die Absicht, stets den korrekten Ton zu treffen. Über die Crescendos von „Beast“ oder „We Go Right On“ legt er kreischende Gitarren und das angeheiterte „American Pastime“ ist eigentlich nicht weit vom Indierock und Pavement entfernt.

Die Daseinsberechtigung der kurzen Piano-Instrumentals „Sharp Teeth I“ und „Sharp Teeth II“ darf zwar durchaus in Frage gestellt werden, doch leitet zumindest Ersteres gut zum grandios inszenierten „Minnows“ über. Der bedrohliche Lautstärkenanstieg, begleitet von aufschreckenden Paukenschlägen, kündigt aufkommendes Unheil an. Dieses verflüchtigt sich aber bald darauf in euphorischen Chören und später in einem ziemlich wilden, aber immer noch berauschenden Durcheinander von Bläsern, Orgeln und kratzenden Gitarren.
Es ist eben vieles nicht, wie es vorerst scheint.
Seit 22. Januar 2007 im Handel.

Anspieltipps: American Pastime; Minnows; We Go Right On
Trackliste: 1) The Dream Before The Ring That Woke Me; 2) Scripts; 3) American Pastime; 4) Jesus And The Devil; 5) Sharp Teeth I; 6) Minnows; 7) Universe Of No Parts; 8) Beast; 9) Sharp Teeth II; 10) We Go Right On
similar artists: Will Oldham, Okkervil River, Songs: Ohia, Neutral Milk Hotel, Neil Young