Exit Music
Dälek –  Abandoned Language
Dälek –  Abandoned Language

Dälek – Abandoned Language

9.0

Genre: ,
Label: Ipecac

Erstellt am: 02.04.2007
Autor:
Erstellt am: 02.04.2007   Autor:

Neuerscheinungen

Heimtückisch

Ein umwerfend produziertes Album wo Soundfragmente Melodie suggerieren, das Chaos Oberhand gewinnt und sich immer wieder eine schwer fassbare, beklemmende Stimmung ausbreitet.

Bereits mit dem ersten Track „Abandoned Language“ des gleichnamigen Albums liefern Dälek einen zähen Brocken ab – während zehn Minuten schichten die Klangtüftler beharrlich Samples, Synthesizer- und Streicherklänge aufeinander. Der einfache, monotone Drumbeat und die Stimme von MC Dälek lullen den Hörer mehr und mehr ein, bis die Vocals in ein unverständliches Gemurmel verfallen und von dem ausufernden Klangteppich verschluckt werden: „Abandoned Language“, fürwahr. Schluss ist damit allerdings noch nicht; nachdem Dälek gnädigerweise das Soundchaos nochmals lichter werden lassen, kann sich der Hörer noch drei Minuten dem relaxten, gesangslosen Ausklang des Songs widmen.

Vom Prinzip her funktionieren Dälek immer ähnlich. Die Kraft der Musik kommt aus den erlesenen Soundfragmenten, die mit einem im wahrsten Sinne des Wortes unheimlichen Gespür kombiniert werden. Vieles das im ersten Moment harmonisch wirkt, kippt langsam ins Dissonante, wird immer dichter und erzeugt eine Art akustische Klaustrophobie die einen fesselt, aber meistens doch wieder frei lässt.
Am ausgeprägtesten kommt dies beim Instrumental „Lynch“ zur Geltung – meine Soundtrack Empfehlung für den Moment im Film, wo der Aufzug im 57. Stock stecken bleibt…DAS nenne ich Fahrstuhlmusik!

Den beeindruckendsten Höreindruck vermittelt mir „Isolated Stare“. Nach den ersten leisen Tönen haut einen der Einsatz mit den hallenden Beats und Bässen sowie den seekrank machenden Streicher-Samples echt von den Socken. Mit zunehmender Spieldauer beginnt das Ohr den Basslauf zu begreifen, die Streicherteppiche schwellen ab und eine Orgel taucht auf – plötzlich kriegt man den Eindruck, beim Kern des Songs angelangt zu sein. Dieser Eindruck verflüchtigt sich aber genau so unscheinbar wie er gekommen ist und in diese Stille erhebt plötzlich MC Dälek seine Stimme: „I felt that isolated stare from a million pares of eyes“… Fantastisch!
Der Schlusstrack „(Subversive Script)“ empfiehlt sich zum Reinhören, da er relativ leicht zugänglich und weniger chaotisch ist. Am Anfang wird einem vier Minuten lang eine heile Hip Hop Welt vorgegaukelt, mit prägnanten Raps, flockigem Beat, eingängigen Loops und nachvollziehbaren Melodien. Dann plötzlich kippt wieder alles: Infernalische Synthesizeklänge untermalt von einem pumpenden Basslauf in der Art von Massive Attack’s Klassiker „Safe From Harm“ lassen einen bis zu Schluss um Atem ringen…Damit ist wohl das Ziel erreicht, Zitat MC Dälek: „We want to embrace you with the sound and then suffocate you“. Für so einen spektakulären Abgang lasse ich doch glatt 4.5 Punkte springen.

Seit 2. März 2007 im Handel.

Anspieltipps: Paragraphs Relentless; Isolated Stare; (Subversive Script)
Trackliste: 1)Abandoned Language; 2) Bricks Crumble; 3) Paragraphs Relentless; 4) Content To Plain Villain; 5) Lynch; 6) Stagnant Water; 7) Starved For Truth; 8) Isolated Stare; 9) Corrupt (Knockle Up); 10) Tarnished; 11) (Subversive Script)
similar artists: El-P, Antipop Consortium, cLOUDDEAD, Prefuse 73, Massive Attack, Public Enemy, Neurosis, Velma
> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb

Bio:
Die Geschichte von Dälek beginnt an der William Patterson University in Newark, New Jersey. Will Brooks (aka MC Dälek) und Alap Momin (The Oktopus, Producer) gründen ein experimentelles und noisiges Hip Hop Projekt, bei welchem Raps und Beats selten im Vordergrund stehen und welches musikalisch genauso dem experimentellen, noisigen Rock-Genre nahe steht.

Mit dem ersten Album „Negro, Nekro, Nekros“ (1998) findet die Crew nur im Underground Beachtung. Auf einer der zahlreichen Tourneen trafen Dälek an einer Show auf DJ Still, der darauf in die Band einstieg. Dälek arbeiteten und spielten mit einer Unmenge unterschiedlichster Bands zusammen, darunter finden sich illustre Namen wie De La Soul, Pharcyde, DJ Spooky, The Melvins, The Roots, Isis, The Dillinger Escape Plan und Mike Patton’s Tomahawk.
Auf dessen Label Ipecac erschien dann 2002 der zweite Longplayer „From Filthy Tongue of Gods And Griots“.
Die Freundschaft zu den Krautrockern Faust führte 2004 zur gemeinsamen Veröffentlichung „Derbe Respekt Alder“. Im selben Jahr erschien auf Ipecac Records das Album „Absence“. Damit konnten Dälek auf breiterer Ebene Anerkennung finden für ihren abgründig düsteren Experimental Hip Hop.

DJ Still verliess die Crew 2005 und Dälek beschlossen zukünftig wieder mit wechselnden Gastmusikern und DJ’s zu arbeiten. Einer davon ist Rob Swift, zu hören auf der neuesten Veröffentlichung „Abandoned Language“ welche im Frühjahr 2007 erschienen ist. Auf dieser Platte findet man mehr harmonsiche Ambient-Elemente, was die Platte etwas einfacher zugänglich macht als die Vorgänger.

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Diskographie:
> Negro, Nekro, Nekros (1998)
> Megaton – Dälek vs. Techno Animal, Split (2000)
> From Filthy Tongue Of Gods and Griots (2002)
> Ruin It – Dälek vs. Kid606, Split (2002)
> Dälek vs. Velma – Split (2003)
> Derbe Respekt Alder – Dälek vs. Faust, Split (2004)
> Absence (2005)
> Streets All Amped – Limited (2006)
> Abandoned Language (2007)