Exit Music
Daan – The Player
Daan – The Player

Daan – The Player

9.0

Genre: ,
Label: PIAS

Erstellt am: 22.12.2006
Autor:
Erstellt am: 22.12.2006   Autor:

Neuerscheinungen

Verspielt

Darf man das? Daan pflückt behutsam im Garten der Musikgeschichte reifes Gemüse und übles Unkraut, schmeisst alles in einen Topf, rührt das Ganze ordentlich durch und will es uns als Delikatesse verkaufen…

…und ich Idiot falle natürlich drauf rein. Der Versuch einer Entschuldigung:
Es gibt kaum einen Song ohne Überraschung – die meisten davon sind witzig und einige sogar richtig gut anhörbar. Besonders gerne überrascht Daan die Ohren mit dem Schluss der Songs: Mal wird einfach sec abgebrochen (Type Ex), mal kommt am Ende, notabene im Anschluss an den Pop Disco-Feger „Mirror“, ein theatralisch und in falschem deutsch gesungener Ausklang, der aufgrund seiner Sprachwirkung an Rammstein erinnert. „Deserter“ endet mit gemütlichem Dixie-Jazz- Outro – man bringe mir den Schaukelstuhl! „Promis Q“ will scheinbar kein Ende nehmen und wechselt von einem triefenden Mélange aus französischem Chanson mit Turnerabendambiente zum rein elektronisch daherwabernden Geblubber. „Type Ex“ erinnert mich dagegen von der schmierigen Atmosphäre und den mit tiefer Stimme gesprochenen Vocals an den Kultfilm „Sin City“. Auf dem Album wird französisch, englisch, deutsch und französisch mit englischem Akzent gesungen. Gerne auch gemischt in ein und demselben Song. So singt Daan (in „Promis Q“): „Stereo gestern war fiel zu cold, ganz Dolby Western, für young and old“…Sinnlos? Gut möglich. Wenn man sich die Mühe macht, die Texte zur Musik zu lesen, kriegt man aber doch einen tieferen Einblick in die Daan’sche Welt, und vieles was im ersten Moment nur skurril anmutet, kriegt eine Bedeutung. Ob man das überhaupt herausfinden will, kann man vielleicht am einfachsten testen, wenn man sich als Einstieg das Video zu „The Player“ auf seiner Website anguckt – auch für das Auge ein echter Genuss. Die Songs gegen Ende des Albums sind weniger discolastig, bauen mehr auf Pathos, Atmosphäre und Harmonien. Für meinen Geschmack fehlt da bisweilen der Pepp und mit „1969“ spielt mir Daan gar ziemlich am Allerwertesten vorbei.
Wie soll ich so etwas bewerten? – Objektivität kann ich nicht bieten. Ich gebe 5 Sternchen, für ein edel verpacktes Album, das mich beim Anhören immer wieder zum Kopfschütteln und Schmunzeln bringt.

Seit 6. November 2006 im Handel.

 
Anspieltipps: Mirror; The Player; Type Ex, OK
Trackliste: 1) Mirror; 2) The Player; 3) Adrenaline; 4) Deserter; 5) Type Ex 6) Promis Q; 7) OK; 8) Le Vaurien; 9) 1969; 10) Mountains Of Time; 11) Drama
similar artists: Vive la fête, Madonna, Rammstein, Beck, Helge Schneider, Niemand

Bio:
Ende der Achtziger Jahre war Daan Stuyven in verschiedenen Bands aktiv. Mit Running Cow veröffentlichte er einige Singles und mit Volt im Jahre 1993 das Album „Modern Times“. Vom Musikbusiness hatte er dann erstmal die Nase voll, arbeitete in den folgenden Jahren als Grafiker und beschränkte sein musikalisches Schaffen auf das Aufnehmen neuer Ideen bei sich zuhause. 1996 veröffentlichte Daan unter dem Namen „Supermarx“ im Zuge einer Fabrikschliessung von Renault in Belgien die kontroverse Single „Geen Franse Wagens Meer“ – sie wurde nach zwei Wochen vom Markt genommen. Eine weitere folgte 1998, „De Koning Van Vlaanderen“. In derselben Periode traf Daan auf einer Hochzeitsparty Rudy Trouvé, ehemaliges Mitglied von dEUS und unzähligen weiteren Bands und Projekten. Mit ihm schrieb Daan Songs für „Dead Man Ray“. Was erst bloss als Projekt gedacht war, wurde bald zur richtigen Band, die vier Alben veröffentlichte.
Im Jahre 1999 veröffentlichte Daan unter seinem eigenen Namen sein Debutalbum „Profools“, welches er komplett und weitgehend alleine zuhause komponierte und aufnahm. Beachtung in der Öffentlichkeit, insbesondere ausserhalb der Benelux-Staaten, fand Daan mit seinem musikalischen Schaffen anfangs nur marginal. Kritiker haben jedoch nie mit Lob für den eigenwilligen Künstler, der seine produktive Kreativität nie auf die Musik und Texte beschränkt hat, gespart. Bei Daan gehört immer alles dazu, wie die bei jedem Album neu gestaltete Website, Filmsoundtracks und Videoclips. 2002 erscheint mit „Bridge Burner“das zweite Album von Daan, zur Single „Swedish Designer Drugs“ produziert er einen originellen Low Budget Videoclip. Auf dem 2004 veröffentlichten Album „Victory“ folgt Daan weiter dem bereits auf „Bridge Burner“ eingeschlagenen Weg: Weg vom Lo-Fi Indie-Geschrammel hin zu mehr Kitsch und elektronischem Pop. Die Platte kriegt in Belgien Gold und wird an den Zamu Awards zum Album des Jahres gekürt. Im Jahre 2005 folgt mit dem sinnigerweise „Cinema“ betitelten Album die Sammlung der Soundtracks zu den Filmen „Verboden Te Zuchten“ (2001), „Meisje“ (2002), „Un hônnete commerçant“ (2002) und „Suspect“ (2005) – ein interessanter Querschnitt durch Daans musikalisches Schaffen. Die erste DVD „Camera“ wurde Anfangs 2006 veröffentlicht –und noch im selben Jahr nun sein viertes Album „The Player“.