Exit Music
Collapse Under the Empire – The Sirens Sound
Collapse Under the Empire – The Sirens Sound

Collapse Under the Empire – The Sirens Sound

9.0

Genre:
Label: Sister Jack

Erstellt am: 07.08.2010
Autor:
Erstellt am: 07.08.2010   Autor:

Neuerscheinungen

Monotonie und Abwechslung

Zwei Hamburger, die ganz genau wissen, worauf es bei gutem Postrock ankommt. Mein liebster Reisebegleiter.

Ich war soeben in Armenien. Ein touristisch unerschlossenes, bergiges, karges, stark verschmutztes, armes und eigensinniges Land voller herzlicher, gastfreundlicher und betrunkener Menschen. Und was macht man da so? Man quält sich während 10 Tagen über verschiedene Berge und von Disteln überwucherte Wiesen, zerstört die eigenen Füsse, trinkt mit Bauern übermässig viel Wodka und versucht, aggressive, streunende Hunde zu verprügeln. Manche nennen es Trekking, andere sprechen von Selbstquälerei. Jedenfalls wars ein wunderbarer Trip.

Als treuen Begleiter stellte sich das Album „The Sirens Sound“ von Collapse Under the Empire heraus. Das einmalige Gefühl, nach mehrstündigem Marsch einen weiteren 3000er erklommen zu haben und den Blick dann über die endlos scheinenden, sanften, grün bewachsenen Berge schweifen zu lassen ohne auch nur das geringste Anzeichen menschlichen Schaffens zu erkennen wird durch die epische Musik der beiden Hamburger Matthew Jason und Chris Burda wunderbar verstärkt. Auch während heftigen Gewittern nachts im Zelt lieferte die Platte den passenden Soundtrack. Der Zürcher Jazzpianist Stefan Rusconi (hab ich kürzlich per Zufall im Rahmen der Serie ’Berg und Geist’ auf 3sat erwischt, ach geliebter Fernseher, schön, dich wieder zu sehen…) erklärte in jenem Interview, dass Musik für Ihn dann spannend wird, wenn sie monoton und abwechslungsreich ist. Genau dies trifft meiner Ansicht nach auf The Sirens Sound bzw. guten Postrock zu. Die fünf Stücke sind herrlich konstruiert, häufig elektronisch verfeinert, man hört ein Piano, viel Hall und (wie so oft) mal sanft gespielte, mal wunderbar heftige Gitarren. Postrock auf höchstem Niveau. Düster und gleichermassen hoffnungsvoll, beruhigend und aufputschend, verängstigend und schmeichelnd, dezent und brachial, laut und leise, sprachlos und vielsagend, monoton und abwechslungsreich.

Wer in nächster Zeit nicht zwingend vor hat, nach Armenien zu fahren und den optischen Bergwelt-Kick mit ’“The Sirens Sound“ akustisch zu unterstützen, darf die Platte natürlich gerne auf einem anderen Berg oder schlicht im trauten Heim mittels qualitativ vernünftigen Lautsprechern geniessen. So oder so ein wunderbarer Trip.

Seit  21. Juli 2010 im Handel.

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label

Anspieltipps:
> ganzes Album

Diskographie:
> Paintball (EP 2008)
> Systembreakdown (2009)
> Find A Place to Be Safe (2009)
> The Sirens Sound (2010)

Ähnliche Künstler:
> Mogwai
> God Is An Astronaut
> Mono
> Long Distance Calling
> Eno