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Coldplay – Ghost Stories
Coldplay – Ghost Stories

Coldplay – Ghost Stories

5.0

Genre: , ,
Label: Parlophone

Erstellt am: 04.06.2014
Autor:
Erstellt am: 04.06.2014   Autor:

Rezensionen

Sättigungspunkt

Es wäre falsch, Coldplay einen konstanten Weg nach unten anzudichten, eigentlich sind ihre ersten vier Alben allesamt großartig und eine Tendenz zum Ausverkauf nicht zu erkennen. Wer erwartet hat, dass nach dem nicht nur vom Titel her unaussprechlichen Nonsens „Mylo Xyloto“ ein weiterer Tiefpunkt kommt, irrt sich. Zumindest größtenteils.

„Ghost Stories“ zeigt über weite Strecken, dass Coldplay gar keine Argumente mehr brauchen, um beim Mainstream auf Anklang zu stoßen. Als Radiopop-Album versagt es nämlich auf ganzer Linie, und das ist ja erstmal ganz gut so. Wäre da nicht diese eine Ausnahme.

„A Sky Full Of Stars“ ist Coldplays bisher schlechtester Song, er beginnt mit schrecklich nach Plastik klingenden Piano-Akkorden und mündet zu allem Überfluss in einen Eurodance-Refrain, den Avicii mit einem Beat zerfräst, der selbst für seine Verhältnisse noch schwachbrüstig daherholpert. Billiger geht es nicht mehr.

Und sonst? „Ghost Stories“ ist überraschend ruhig geworden, man merkt Chris Martin seine kürzliche Trennung von Gwyneth Paltrow merklich an. Doch leider knüpft die neuste Platte der Londoner nicht an so manchen großartigen Moment perfekter Stille an, der noch „A Rush Of Blood…“ so großartig gemacht hat. Auf Songs wie „Midnight“ und „Oceans“ regiert, so schön der Sound ist, gähnende Langeweile. Das ist immer noch besser, als „Mylo Xyloto“ aber nicht gerade das, was man von einer Rockband erwarten würde.

Immerhin ist Coldplay mit „Anothers Arms“ dann doch noch ein guter Song gelungen, auch „Always In My Head“ und die Single „Magic“ sind nette Electropopsongs, wenn auch ohne Ecken und Kanten. Unter dem Strich könnte man sagen: Ein genießbares Album.

Doch da ist noch eine große Schwachstelle, über die wir noch nicht gesprochen haben. Die Texte. „All I know/Is that I love you so/So much that it hurts“. Solche und noch schlechtere Zeilen finden sich immer wieder auf ausnahmslos allen Songs des Albums. Das schlimmste ist, das Chris Martin sogar stolz auf seine Dichtkunst zu sein scheint, schließlich wirbt Coldplays Website mit einem „free lyrics booklet“ und es wurden Textblätter in Bibliotheken auf der ganzen Welt versteckt. Von Ghost Stories ist hier übrigens keine Spur, gruselig ist das aber trotzdem.

„Ghost Stories“ zeigt eine Band am Sättigungspunkt, die nichts zu sagen hat, wird von einer relativ guten Produktion aber einigermaßen gerettet. Und hey, es ist besser als sein Vorgänger.

Im Handel seit dem 16. Mai 2014

Anspieltipps:

>Magic
>Always In My Head