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Cold War Kids – Robbers & Cowards
Cold War Kids – Robbers & Cowards

Cold War Kids – Robbers & Cowards

9.0

Genre:
Label: V2 Records

Erstellt am: 12.02.2007
Autor:
Erstellt am: 12.02.2007   Autor:

Neuerscheinungen

Heute keine Objektivität

Laszive Langsamkeit, sexy Riffs, knackige Rhythmen – und das alles trotz schrottiger 15-Watt-Böxli. Die Rezensentin ist begeistert.

Sieben Jahre hatte mir meine Stereoanlage treu gedient, bis sie an einer CD erstickte. Futsch, das Teil. Der Markt sieht düster aus: Entweder sind die Designs scheisse oder aber die Speaker. Deshalb vegetiere ich seit Wochen mit zwei an meinen Compi angeschlossenen 15-Watt-Böxli vor mich hin.Kaum etwas hört sich gut an, wenn es diese Mini-Speaker verlässt. Es rauscht, knirscht und flimmert. Mit einer Ausnahme: Cold War Kids, diese arschgeilen Amis, schaffen die Hürde problemlos. Nichts, aber auch gar nichts kann diesen Wahnsinns-Opener trüben, die verkifft-trockenen Drums in „Robbers“ vertragen sich perfekt mit dem Knarren der rechten Box und kein Summen setzt sich gegen die schleppende Coolness von „Hang Me Up To Dry“ durch. Kann es sein, dass diese Musik für abgefuckte Speaker in Studentenbuden gemacht wurde?

Eine einmalig laszive Dreiviertelstunde lang betören Cold War Kids mit ihrem zwischen den Highlights der Musikgeschichte hin- und herpendelnden Sound. Princes Eunuchen-Vocals und an Funk angelehnte Licks, werden ebenso integriert wie Sprechgesang und perfekt verzerrte Gitarren, das Ganze abgeschmeckt mit einem durchdrehenden Piano, irren Hintergrundgeräuschen und charismatischen Vocals. Nicht zu vergessen auch die Lyrics: Fein ausgearbeitete Charaktere und Geschichten und schon im ersten Song werden Dylans „tax-deductible charity organizations“ zitiert. Besonders markant ist das Schlagzeug. Deutlich wie selten höre ich die Trommeln heraus, die ein ganz eigenes Spiel treiben, gleichsam abgekoppelt vom Rest der Band – was prima funktioniert. Tight ist das, und lecker.

Yeah, dieses Album, das ist wie guter Sex. Der Wahnsinn, berauschend, die Sinne vernebelnd und manchmal so unbegreiflich geil, dass man beinahe den Kopf schütteln möchte. (Tut man natürlich nicht, sondern geniesst weiter.) Wäre nicht erst Februar, wer weiss, zu welchen Superlativen ich mich hinreissen lassen würde. gibt’s aber auf jeden Fall.

Seit 2. Februar 2007 im Handel.

Anspieltipps: alle
Trackliste: 1) We Used To Vacation; 2) Hang Me Up To Dry; 3) Tell Me In The Morning; 4) Hair Down; 5) Passing The Hat; 6) Saint John; 7) Robbers; 8) Hospital Beds; 9) Pregnant; 10) Red Wine, Success!; 11) God, Make Up Your Mind; 12) Rubidoux
similar artists: The Walkmen, Tapes ’n Tapes, Clap Your Hands Say Yeah, British Sea Power

Bio:
Cold War Kids, das ist mehr als nur eine Band. Das ist auch fantastisches Artwork, das ist ein Tagebuch (kein Blog!) auf der Website, das sind extrem ästhetische Bandfotos, das ist die EP „Acoustic At The District“, die – ebenfalls mit tollem Cover versehen – auf der Website heruntergeladen werden kann. Alles saucool und superstylish und ein Genuss für Auge und Ohr.
Die vier Musiker aus dem kalifornischen Fullerton taten sich 2004 zusammen – die ersten musikalischen Schritte waren allerdings eher durch Chaos und abwegige Instrumente (wie zum Beispiel Heizungsrohre) gekennzeichnet. Bald aber fand die Band ihren Weg und ihren Sound. Nach der Veröffentlichung diverser EPs (von Musikkritikern mit Jubel quittiert), schaffte es das Kollektiv Ende 2006 endlich, ein Album von voller Länge herauszubringen: „Robbers & Cowards“. Ausgedehnte Touren und intensive Konzerte gehören ebenfalls zu den Charakteristika des Quartetts. Bleibt also zu hoffen, dass Cold War Kids bald auch in der Schweiz gastieren werden.