Exit Music
Chvrches – The Bones of What You Believe
Chvrches – The Bones of What You Believe

Chvrches – The Bones of What You Believe

7.5

Genre: ,
Label: Vertigo Berlin

Erstellt am: 03.10.2013
Autor:
Erstellt am: 03.10.2013   Autor:

Rezensionen

Hübscher Deckel, bunter Topf

Wenn es schon Elektropop sein muss, dann wenigstens Chvrches. Das Genre ist vielen Musikliebhabern in etwa so nahe wie ein gestandener Handwerker dem Bürojob – vielleicht aber hilft ein Blick auf die Herkunft des Trios.

Eines der ersten Lebenszeichen war der Song „Lies“. Bald einmal folgte „The Mother We Share“ und es ging nicht lange, waren die Schotten in beinahe jeder Liste enthalten, in denen schlaue Propheten die nächsten grossen Dinger ankündigten. Tatsächlich entstand ein Hype um das Trio aus Glasgow, der besonders durch „The Mother We Share“ gezündet und mit „Gun“ sowie „Recover“ weiter angeheizt wurde. Das Ganze also sollte, laut Orakel, in einem der besten Alben des Jahres 2013 gipfeln und nun ist „The Bones of What You Believe“ endlich da. Das Problem ist nur: Wer die Entwicklung der Band in den letzten Monaten aufmerksam mitverfolgt hat, kennt fünf der zwölf Songs bereits. Chvrches haben den Durchbruch geschafft, ihr Album dagegen ist sicher keine Überraschung.

Vielmehr wurden die Erstversionen von „Lies“ und „The Mother We Share“ noch ein bisschen klanglich veredelt, die endgültige Produktion und das Abmischen durch Rich Costey waren am Anfang halt noch nicht gemacht. Vor allem „Lies“ verliert dadurch seine geniale Aggressivität und passt sich dem Gesamtkontext an, was die Frage aufwirft, ob „The Bones of What You Believe“ überproduziert wurde. Aber stopp jetzt: Wir sprechen hier von Elektropop, 80er-Synthesizern und zuckersüssen Melodien. Wir jammern entsprechend auf hohem Niveau. Und wer Chvrches mit diesem Album erst kennenlernt, der wird sich wie viele vor ihm fragen, ob das tatsächlich zu gut ist, um es zu ignorieren.

Weil „The Bones of What You Believe“ über weite Strecken alles richtig macht, was ein Elektropop-Album richtig machen kann – und mit „Night Sky“ wurde einer der besten Songs noch gar nicht ausgekoppelt. Eine Erklärung dafür liefert die musikalische Vergangenheit von Iain Cook (Aereogramme, The Unwinding Hours) und Martin Doherty (The Twilight Sad), die an der Seite der Journalistin und Musikerin Lauren Mayberry für Beats, Melodien und Effekte zuständig sind. Die beiden wissen, wie man einen vernünftigen Song schustert und jagen beileibe nicht einfach nur sterile und seelenlose Partykracher durch die Computerboxen. Das beweisen unter anderem die kantigeren Elektrosongs wie „Science/Visions“ und „You Caught the Light“. Mayberrys Stimme setzt dem ganzen aber erst die Krone auf. Jenseits der zuckrigen Referenzen, welche dieses Album wohl in den allermeisten Rezensionen auslösen wird, steht ihr Gesang in einem wunderbaren Dialog mit dem Sound und es scheint, als ob hier ein hübscher Deckel auf einen bunten Topf passt. „The Bones of What You Believe“ ist nicht das Album des Jahres – vielleicht aber das bestmögliche Elektropopalbum für Leute, die mit Elektropop nichts am Hut haben.

Seit 20. September 2013 im Handel.