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Chvrches – Every Open Eye
Chvrches – Every Open Eye

Chvrches – Every Open Eye

6.0

Genre: ,
Label: UMD/Vertigo Berlin

Erstellt am: 27.09.2015
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Erstellt am: 27.09.2015   Autor:

Rezensionen

Die zweite Halbzeit

Wohin nur mit dem Zauber? Er ist nicht dahin – wirkt aber einfach nicht mehr so stark, hält nicht mehr so lange an und droht zum Fluch zu werden.

Der Überraschungseffekt ist weg. Das Debüt von Chvrches war frisch, aufregend und schlichtweg sehr gut gemacht. Letzteres trifft immer noch zu, doch fehlt „Every Open Eye“ der Mut, etwas grundlegend anders zu machen. Und das Debüt hatte die grösseren Hits. Eigentlich eine Bankrotterklärung für ein Elektropop-Album, wären Chvrches eine gewöhnliche Elektropop-Band. Aber das sind sie nicht. Das Trio aus Glasgow rettet ihren Zweitling mit den Dingen, die am Radio nicht sofort zünden. Dass das eher harmlose „Leave a Trace“ geradezu funken schlägt, kann man so auch nicht behaupten, aber es reicht aus. „Keep You on My Side“ beschreitet da unwegsamere Pfade. Drängender, fordernder und dadurch auch zwingender. Die erste Albumhälfte hat aber nicht das Zeug, die 80er-Disco aufzumischen. Was das Ganze zudem nicht gerade besser macht, ist das Video zu „Leave a Trace„. Es widerspricht der Grundhaltung der Band, als solche wahrgenommen werden zu wollen und nicht einfach nur Lauren Mayberry als hübsches Aushängeschild an die Front zu stellen.

Denn diese Haltung ist die richtige. Das von Martin Doherty – auffallend exzellent – gesungene „High Enough to Carry You Over“ bringt den Bruch mit der Vorhersehbarkeit. Das ist stark. „Empty Threat“ braucht zwei Minuten, bis einer der besten Momente des Albums die etwas wehmütige Frage aufwirft, warum es nicht mehr davon gibt. „Down Side of Me“ macht dann auch musikalisch den Unterschied: Ein wundervoller Popsong, der einen ganz anders daran erinnert, warum man „The Bones of What You Believe“ einfach nicht aus der Heavy Rotation gekriegt hat. „Playing Dead“ knüpft dann wieder zarte Bande zwischen den beiden Alben, dies auf entsprechend bewährte und überzeugende Art. Die zweite Albumhälfte muss also diejenigen zufrieden stellen, die bei der ersten unterfordert wurden. Aufgedrängt haben sich Chvrches mit ihrem Debüt. Die Gefahr, dass sie aufdringlich werden, besteht nun sicher nicht – dazu ist „Every Open Eye“ zu brav. Es könnte dann also auch bald vorbei sein mit dem hübschen Zauber, wenn die Schmetterlinge einmal ausgeflogen sind.

Ab 25.09.2015 im Handel erhältlich.