Exit Music
Cass McCombs – Wit’s End
Cass McCombs – Wit’s End

Cass McCombs – Wit’s End

8.0

Genre:
Label: Domino

Erstellt am: 03.05.2011
Autor:
Erstellt am: 03.05.2011   Autor:

Neuerscheinungen

Wieder ins Loch gefallen

Cass McCombs ist am Ende, er weiss nicht mehr weiter. Dies behaupten jedenfalls Titel und Musik. Doch der Gute fällt so langsam und bedächtig, dass das Zusehen und Zuhören furchbar interessant wird.

„Wit’s End“ funktioniert bei mir dort, wo viele andere Alben scheitern. Ich kann die Musik im Hintergrund laufen lassen und bin ohne Probleme wieder mittendrin und begeistert. Die Taktik ist simpel: Es sind acht langatimige und brutal schwere Songs von einer prächtig traurigen Stimme getragen, die anfangs immer einen leichten Energieschub erfahren und dann langsam in sich zusammen fallen.

Man versteht das Glücksgefühl vom Vorgänger „Catacombs“ erst, wenn man die unendliche Trauer von „Wit’s End“ gehört hat – das ändert die Tatsache jedoch nicht, dass ich „Catacombs“ gnadenlos unterschätzt habe. Ein weiterer irritierender Unterschied besteht darin, dass „Wit’s End“ deutlich komplexer instrumentiert ist. „Catacombs“ hatte viel Folk, helle Gitarren und ein harmonische Drums, „Wit’s End“ ist ein einziges Trauertal.

Der Opener „County Line“ erhält dank dem Falsettgesang und  kleinen Spielereien vor allem Gefühl und sogar ein bisschen Witz.  Deutlich erdrückender ist der Trott von „The Lonely Doll“, das ganz stark an den näselnden Schwermut von Leonard Cohen erinnert. Die berührende Stimme in der schweren Einheitsmelodie macht es aber noch eine Spur trauriger. Das folgende „Buried Alive“ traut sich dann zu fast nichts mehr und bleibt oft im stimmungslosen Refrain stecken. „Saturday Song“ ist noch schlimmer. Gute Nacht.

Erst das wundervolle „Memory’s Stain“ erhebt die Stimme wieder und ist ein regelrechtes Wechselbad der düsteren Stimmungen.  Die grosse Trauer zum Abschluss des Songs und die verzweifelten effektvollen Übergänge ziwschen den realitätsgwandten Strophen: McCombs spielt, werkelt, künstelt geniesst und lotet aus, was man mit dem Genre Pop alles treiben kann. „Hermit’s Cave“ geht dann für den schöngeistigen Hörer doch zu weit und das wuchtige Schlagen über dem verzweifelten Säuseln erinnert an Scott Walkers Tortur und das Schweinebauchschlagen auf „The Drift“. Gerade rechtzeitig springt er wieder in die Melodie.

Zum Schluss folgt mit „A Knock Upon the Door“ der ausufernde Abschluss. Und – oh Wunder! – der Folk von „Catacombs“. Zwar kein Seelenbalsam und auch keine Hoffnung, nur die Gewissheit, dass man am Boden angekommen ist. Cass McCombs mag graphische und sprachliche Spielchen mit seinem Namen und verwirrende Konzeptalben, auch ein bisschen gekünstelt kommt seine Musik daher. Es lohnt sich aber, darin einzutauchen – solange man noch aus dem Loch rauskriechen kann.

Seit 8. April 2010 im Handel.

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Anspieltipps:

> County Line
> Memory’s Stain
> A Knock Upon the Door

Diskographie:
> A (2004)
> Prefection (2005)
> Dropping the Writ (2007)
> Catacombs (2009)
> Wit’s End (2011)

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