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Caspian – Dust and Disquiet
Caspian – Dust and Disquiet

Caspian – Dust and Disquiet

7.0

Genre:
Label: Big Scary Monsters

Erstellt am: 05.10.2015
Autor:
Erstellt am: 05.10.2015   Autor:

Rezensionen

Für Einsteiger

Das vierte Album von Caspian wirbelt Staub auf und stiftet Unruhe. Es ist wunderbar, wenn ein Albumtitel so treffend zur Musik passt.

Wie geht man eine Rezension an, wenn man über das gefühlt 67. Postrockalbum schreiben möchte? Kopfkino, Laut-Leise-Wechsel, Gitarrenwände, etc. Keine oder kaum Texte, die inhaltliche Rückschlüsse zulassen und Songtitel, die daher oft eher in die Irre führen. Nun, dann tun wir doch mal so, als ist dies das erste Postrockalbum, dass man zu hören bekommt. Man ist überwältigt von den ersten elf Minuten, in denen kurz eine Trompete zu hören ist („Separation No. 2“) und „Ríoseco“ alles richtig macht. Ein reiner Instrumentalsong, der so viel Dynamik in sich trägt, dass man aus dem Staunen nicht mehr heraus kommt. Kein Gesang, dafür ein Hinarbeiten auf eine finale Gitarrenmelodie, die über die ganzen beinahe acht Minuten triumphiert. Auf diese Idee musste tatsächlich mal einer kommen. Keiner der grossartigen Parts gleicht sich, keiner verweilt zu lange. „Arcs of Command“ wiegt danach viel schwerer, gibt die Richtung für die nächste knappe Viertelstunde vor. Sind das Metal-Riffs? Weil man ja trotzdem weiss, dass Caspian Postrock machen, wird man nun auch den Begriff Postmetal verstehen.

Plötzlich erklingt Gesang im Hintergrund („Echo and Abyss“). Ein Vorbote auf „Run Dry“, mit dem sich Caspian eine Art Post-Singer/Songwriter-Song trauen. Einer, der im Kontext eines Albums wie „Dust and Disquiet“ natürlich eine ganz andere Wirkung entfaltet. Der 2013 verstorbene Bassist Chris Friedrich ist deutlich spürbar, hinterlässt vor allem in diesem Song seine emotionalen Spuren. „Run Dry“ bricht mit der bisherigen Rastlosigkeit, lässt einen die Staubkörner im spärlichen Licht beobachten. Bis mit „Equal Night“ endgültig die Dunkelheit einkehrt. Spätestens jetzt wird einem klar, was dieses Genre alles kann und „Dust and Disquiet“ deckt es ab. Man ist sprachlos über die Vielfalt und Regelosigkeit eines solchen Ansatzes. Alles scheint möglich, nichts vorgegeben.

Die Schwere weicht danach einer etwas beschwingteren Melancholie. „Sad Heart of Mine“ baut sich sein eigenes Luftschloss und flutet es auch gleich mit warmen Sonnenstrahlen. Die Unruhe kehrt nur kurz zurück („Darkfield“) und lenkt ein zum grossen Finale, welches mit „Aeternum Vale“ noch geheimnisvoll verspielt beginnt, sich im Titeltrack dann aber umso grösser und stimmungsvoller entwickelt. Caspian benutzen jeden Dynamiktrick, den man sich ausdenken kann. Kein Triumph – sondern „Dust and Disquiet“. Man ist angefixt von diesem Genre und schwärmt von Innovation sowie derer beinahe perfekten Umsetzung. Man vergibt mehr als 7/10 Punkte, weil man noch nicht weiss, dass diese scheinbare Regelosigkeit ein Irrtum ist. Eines aber bleibt trotzdem bestehen: „Dust and Disquiet“ ist im Kontext seines Genres ein sehr gutes Album.

Ab 25.09.2015 im Handel erhältlich.