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Calc – Dance Of The Nerve
Calc – Dance Of The Nerve

Calc – Dance Of The Nerve

9.0

Genre: ,
Label: Vicious Circle

Erstellt am: 21.09.2007
Autor:
Erstellt am: 21.09.2007   Autor:

Neuerscheinungen

Julien Pras und seine Melodien

Indie tönt so blöd, tönt so lustig, denn eigentlich spielen Calc eine ganz eigene, folkig angehauchte, traurige und trotzdem poppige Musik fürs Herz.

Als vor etwa zwei Jahren ein gewisser A.S. auf unserer schönen Plattform das 05er Album „Twelve Steps To Whatever“ von Calc mit einer sich entwickelnden, zarten Blume, die bedeckt von meterhohem Mist aus Pop und Rock, gefunden, ausgegraben und zur vollen Blüte gebracht werden müsste, verglich, hat er ja den Vogel so ziemlich genau abgeschossen. Ich bin noch heute jedes Mal entzückt vor Trauer wenn die zwölf Schritte nach wasauchimmer durch meine Anlage schleichen. Leider nahm sich kaum einer die Mühe, Calc, dieses französische Schattenpflänzchen genauer zu betrachten, man hört, spricht oder sieht kaum etwas von dieser Band, obwohl sie garantiert in jedem Schnösel, der bei den Gassenhauern von Snow Patrol oder Coldplay zu heulen beginnt, wunderschöne Depressionen auslösen könnte.

Nun erscheint bereits das fünfte Album der Kapelle um Songwriter Julien Pras. Glücklicherweise hat sich seit „Twelve Steps…“ nicht viel verändert. Die sanft vorgetragenen, schleier-, wenn nicht gar geisterhaften Melodien sind etwa so fassbar wie nasse Seife. Trotz relativ geordnetem, folkig poppigem Spiel hebt die vielseitige, ruhige und gleichermassen eingängige Stimme sowie die unkonventionellen Melodien des Julien Pras die Musik auf ein anderes, abgehoben fremdes Level. Ruhe, Wärme, Freiheit und grosse Gefühle als Schlagwörter. Vielleicht liegt es auch schlicht daran, dass die Franzosen (trotz englisch vorgetragenen Texten) einen eigenartig anderen Zugang zu grossen Melodien und verträumten Strukturen haben als ihre europäischen Nachbarn, entsprechend fremd und ungewohnt erscheint uns diese Spielweise. Nicht dass Calc in die von mir so geliebte Schlaftabletten-Sparte gedrückt werden, musikalisch bewegen sie sich verspielt gitarrensicher, rhythmisch teilweise überraschend und mit massvoll eingesetzten Effekten am Abgrund des Poprock, das nervt und fordert gleichermassen wenig, bildet jedoch den idealen Nährboden, um Julien Pras Stimme sowie seine Melodien glänzen bzw. blühen zu lassen.
Und wer es nun noch immer nicht realisiert hat bzw. wer sich noch immer weigert, sich das Ganze anzuhören, vergibt die Chance, in Calc einen ganz klugen, treuen und nie langweiligen Kumpel mit herzerweichendem Dackelblick zu finden (und wer will schon solch einen Kumpel missen?), soll doch bitte Musikfernsehen konsumieren.
Ab 28. September 2007 im Handel.