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Booka Shade – DJ Kicks

Booka Shade – DJ Kicks

7.0

Genre:
Label: !K7 Records

Erstellt am: 14.11.2007
Autor:
Erstellt am: 14.11.2007   Autor:

Neuerscheinungen

Besonders sein

Die Trackwahl bemerkenswert vielfältig und ausgefallen, die Inszenierung ein grosses Vergnügen – Booka Shade überzeugen mit einer angenehm zurückhaltenden Mix-Premiere.

Den eigenen Beitrag in der renommierten DJ Kicks-Reihe herausragen zu lassen, ist ein eher diffiziles Unterfangen – allerdings, dies sei angemerkt, etwas einfacher in den letzten Jahren, haben doch nur noch wenige Ausgaben das Niveau der frühen Klassiker erreichen können (Henrik Schwarz‘ Letztjährige etwa). Booka Shade nun, zu den wichtigsten Köpfen der europäischen Elektro-Szene gehörend, gehen die Sache, vielleicht mit dem eingangs erwähnten Gedanken im Hinterkopf, gleich völlig anders an. Dass die beiden Deutschen sowieso keine DJs sind, sondern der produzierenden Zunft angehören, fällt erst aber nicht besonders auf: Das schöne “A Different Kind Of Blue“ des Brian Eno/U2-Projekts Passengers hat eine einleitende Funktion inne und wird von dem wunderbar atmosphärischen “Slum Girl“ von Nôze abgelöst. Soweit so grossartig, soweit so gewöhnlich – vielleicht etwa das, was man von einer DJ Kicks aus dem Get Physical-Umfeld hätte erwarten können.

Doch schon beim nächsten Stück treffen Disco-Drummer Cerrone und Neo-Soul-Newcomer Ben Westbeech zusammen und Booka Shade verleihen der ganzen Sache mit zusätzlich programmierten Beats noch etwas mehr Pepp. Letztere erklingen dann auch immer wieder, so auch beim folgenden “The Bank Robbery“ (ja, von Horror-Regie-Legende und Filmmusik-Komponist John Carpenter) und halten den ganzen Mix hervorragend zusammen.

Nicht gemeinsam in einem Mix hätte man auch schnellere Tunes wie den Beitrag von Lopazz, die dubbigen Stücke von Quarion, den Techno/Broken-Beat-Classic “Landcruising“ von Carl Craig, das komplexe “Alberto Balsam“ von Aphex Twin oder “It’s Too Late“ von The Streets erwartet – die neue DJ Kicks ist so aufgebaut, dass sich auch Gegensätzliches nebeneinander und die Hörerschaft dazu sehr wohl fühlt.

Dasselbe gilt bemerkenswerterweise auch für die Ausflüge in vergangene Jahrzehnte, die Booka Shade wiederholt antreten: Dabei stehen Yazoo oder Heaven 17 etwa für tanzbaren, süsslich-melodischen Synth Pop der 80er-Jahre. Noch etwas weiter zurück geht es, wenn der Mix zu seinem Höhepunkt aufläuft und Brigitte Bardot ihr “Contact“ zum Besten gibt – gerade in der Kombination mit den programmierten Beats wirkt das unwiderstehlich. Diese eingestreuten und nie deplatziert wirkenden Ausbrecher unterstreichen die Besonderheit der neuen DJ Kicks nochmal deutlich. Booka Shade gelingt es hier, gekonnt und auf ganz eigene Weise, mit ihrem Beitrag aufzufallen.

Nicht nur für Booka Shade-Bewunderer interessant (die ob der zwei neuen und sehr gelungenen Booka Shade-Tracks ohnehin zugreifen müssen).

Seit 22. Oktober 2007 im Handel.