Exit Music
Bodi Bill – What?
Bodi Bill – What?

Bodi Bill – What?

8.5

Genre: ,
Label: Sinnbus

Erstellt am: 11.10.2011
Autor:
Erstellt am: 11.10.2011   Autor:

Neuerscheinungen

Elektronischer Klangfluss

Ein Labyrinth aus Stimmen, aus Worten. Reimen. Fragen, dessen Antworten nur gestreift werden. Absurd klingende Strophen („We could live on chewing gum / Why not move to the woods?“ – Paper) auf hypnotisierenden elektronischen Klängen.

„What?“ beginnt mit schnellem Rhythmus, mehreren Stimmen die sich überlagern. Das Album verströmt eine sphärische Atmosphäre. Trommeln mischen sich zum elektronischen Blubbern im Untergrund und bringen dem Teppich einen erdigeren Klang. Auch eine Klaviernote taucht hie und da plötzlich auf, aus dem Nichts. Bodi Bill scheint Musik aus dem Nichts zu machen: Das Trio benutzt kaum Instrumente – Stimme und Computer überwiegen. Ihre Musik ist manchmal auch etwas abgehackt, aber nicht zerfetzt. Trotz Verstückeltheit besteht ein Fluss aus Klängen. „Sea Foam“ präsentiert multiple Stimmen, die sich gegen Ende quasi zu Meeresrauschen verwandeln. Schicht um Schicht, sich langsam aufbauend, im Kreise drehend. Und hört man dem Album lange genug zu, kriegt man die traditionelle Belohnung des versteckten Tracks, diesmal ohne Stimmen.

Bodi Bill entstand 2005 in Berlin. Ob Electro-Folk oder Indietronic ist irgendwie immer noch nicht ganz klar. Aber „What?“ ist ganz klar nicht ein Album zum Dasitzen. Die zum Teil kantigen Rhythmen laden des Öfteren zum Tanzen ein („Hotel“ oder „Friends“). Das Trio veröffentlichte zwei Alben vor „What?“ und sind in Berlin und der Umgebung längst für durchtanzte Nächte berüchtigt. Begleitet wird das Elektronische von oftmals narrativer Poesie auf Englisch. So wird manchmal eine dunkle Romantik enthüllt: „Garden Dress“ erzählt von einem lange zuvor angeschossenem Liebhaber, der an einem Markt Blumen stiehlt. „The Net“ zeigt dank kurzen Pianoeinwürfen beinahe jazzartigen, spontan klingenden Minimalismus. Dabei wird Mutters Lieblingspredigt repetiert, endlich mal aufzustehen und zu handeln, anstatt ständig vor dem Bildschirm zu sitzen („Wasting all your time / Waiting for something never happens / Now it’s time to leave this place / And everything will happen“). Klischeehafte aber doch weise Worte knapp verpackt in zuckenden elektronischen Klängen.

Seit  18. März 2011 im Handel.

Anspieltipps:
> Paper
> Friends

Diskographie:
> No More Wars (2007)
> Next Time (2008)

> What? (2011)
> What EP (2011)

Ähnliche Künstler:
> James Blake
> FM Belfast
> Ter Haar
> Hundreds