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Blueneck – Epilogue
Blueneck – Epilogue

Blueneck – Epilogue

7.5

Genre: ,
Label: Blueneck

Erstellt am: 23.11.2012
Autor:
Erstellt am: 23.11.2012   Autor:

Neuerscheinungen

Leiser Schlussakkord

Wenn es um Blueneck geht, wird es unausweichlich persönlich. Weil man mit Songs wie „Lilitu“ und „Pneumothrax“ einzigartige Erinnerungen verbindet – Erfahrungen, die man manchmal lieber nicht gemacht hätte, doch gerade diese formen schließlich den Charakter eines Menschen. Das gilt für diese Musik in gleicher Weise.

Was Blueneck selbst als ihr Album 3½ bezeichnen, ist eine instrumentale Schönheit, die sich noch viel näher an der Neoklassik wohl fühlt, als ihr letzter Geniestreich „Repetitions“. Ein Stück weit strukturelle Postrock-Blaupause, viel sanfter Kummer, und in einer seltsamen Parallelwelt möglicherweise sogar Tanzbarkeit – den ganz gemeinen Schmerz haben Blueneck diesmal genau so in der Kiste gelassen, wie die richtig stürmischen Crescendi. So kommt die ganze Platte noch stärker aus einem Guss daher, und man wird nicht so verstört und bedrückt zurückgelassen, wie beispielsweise nach dem Genuss von „The Fallen Host“, ein Album mit Songs deren Wirkung im Shuffle-Modus auf dem MP3-Player auch heute noch verheerend ist. Viele Stücke auf „Epilogue“ bauen auf einer sehr einfachen, sich konsequent wiederholenden Struktur auf, wie den Klaviertönen „Apogee“, für dessen erste Minute der Mann an den Tasten nur einen Finger braucht. Auch lange atmosphärische Flächen mit schwebenden Orgeltönen, die man von den letzten Alben kennt, sind weiterhin beliebt.
Vom eisig-romantischen Vorgänger lösen sich die acht hier dargebotenen Songs eindeutig, was nicht zuletzt am Fehlen von Duncan Attwoods fast geflüstertem Klagegesang liegt, der ansonsten das wundervollste Markenzeichen der britischen Schwarzseher ist. „Epilogue“ liefert sodann den Beweis, dass Blueneck ohne Attwoods Gesang nicht in Vollendung existieren können, oder zumindest nicht in der gewohnten Form. Indem sie keine endlose Spannung und Intensität aufbauen, haben die vier jungen Männer aus Bristol vielleicht aber auch ein Ziel erreicht, dem sie wohl schon länger nacheilen, dem Schaffen von untermalender Filmmusik. In diesem Falle müsste man wohl auf ein stimmungsvolles, wenig ironisches Drama spekulieren.

Mit „Epilogue“ wollen Blueneck ihre Soundtrackarbeit besonders einfließen lassen, und eine fabelhafte Schaffensperiode abschließen. Das ist fast so gut, wie die drei vollwertigen LPs, aber dennoch ein kleineres, unscheinbares Zwischenspiel und lohnt sich damit im besonderen Maße nur für Fans der Band. Also für Menschen mit gutem Geschmack, das muss man ja auch mal sagen dürfen. Jedem sei außerdem das letzte Konzert für 2012 in Paris am 9. Dezember ans Herz gelegt, bei dem Blueneck gemeinsam mit den mindestens genauso großartigen Japanern Mono auftreten werden, eine famose Kombination. Im nächsten Jahr wird man neues hören, vielleicht auch eine Band, die ganz neue Wege entdeckt.

Seit  19. Oktober 2012 im Handel.

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Anspieltipps:

> Apogee
> Carina

Diskographie:
> Scars of the Midwest (2006)
> The Fallen Host (2009)
> Repetitions (2011)
> Epilogue (2012)

Ähnliche Künstler:

> Her Name Is Calla
> Sigur Rós
> Our Ceasing Voice
> Mono
> Godspeed You! Black Emperor
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