Exit Music
Bloc Party – Intimacy

Bloc Party – Intimacy

5.0

Genre: ,
Label: Wichita

Erstellt am: 11.09.2008
Autor:
Erstellt am: 11.09.2008   Autor:

Neuerscheinungen

Den Widerspruch in sich

Bloc Party versuchen, mit “Intimacy“ die Widersprüche aufzuspalten, welche nach “A Weekend In The City“ entstanden sind. Es bleibt beim Versuch.

Kele Okereke klagte erst an, danach wurde ihm vorgeworfen. Er, der die Uniformität der Gesellschaft an den Pranger stellte, soll selber ein trendiger Partylöwe sein. Schaut man sich einige seiner bisherigen Texte an, scheint es nicht undenkbar. Und heute? Zum einen findet man auf „Intimacy“ Songs für die Postpunk-Party, andererseits orientiert sich der Rest mehr Richtung Szeneclubs mit vorwiegenden Dance-, Elektro- und Dubpräferenzen. Das kann gefallen, muss aber nicht. Die furchtbare Single „Mercury“ findet möglicherweise neue Freunde – es besteht aber die Gefahr, dass es gerade diejenigen sein werden, welche sich Okereke bisher eigentlich nicht gewünscht haben kann. Die Widersprüche bleiben bestehen.

Das zwitterhafte an „Intimacy“ verunmöglicht es auch, diese zehn Songs als ein Ganzes zu empfinden. Der mit überdrehten Gitarren ironischerweise an die Klaxons erinnernde Opener „Ares“ kann so zum Glück auch keine Richtung vorgeben. Ein musikgewordener Aussetzer. Erst mit dem gewohnt energiegeladenen «Halo» werden die Synapsen wach, vielleicht dank des Wiedererkennungseffektes. Und genau das ist seltsam bei einem Album, das ohrenscheinlich versucht, innovativ zu sein. Zwiespältig sind folglich auch die Eindrücke, die «Intimacy» hinterlässt. In den guten Momenten, wie dem Höhepunkt „Signs“, vereinen Bloc Party die Elemente so gekonnt, dass man ihnen den komplett verpatzten Beginn fast verzeiht. Je länger das Album dauert, umso mehr offenbart sich das wahre Potenzial, das unter der überladenen Beat- und Elektrofracht schlummert. Viele tolle Ansätze brechen aber unter der Last zusammen. Ein wenig wirkt es, als hätte man Lücken mit Elektronik aufgefüllt. Dass man daran nicht scheitern muss, sondern auch wachsen kann, haben andere längst bewiesen. Mit Innovation hat das demnach nicht mehr viel zu tun. Das gleiche gilt für die Veröffentlichungspolitik. Die Querverweise sind offensichtlich, deren Niveau erreicht «Intimacy» aber leider nicht.

Seit 21. August als Download auf blocparty.com und ab 24. Oktober 2008 im Handel.

Anspieltipps:
> Signs
> Halo

Diskographie:
> Silent Alarm (2005)
> A Weekend In The City (2007)
> Intimacy (2008)

similar artists:
> Maxïmo Park
> Hard-Fi
> Klaxons