Exit Music
Bloc Party – A Weekend In The City
Bloc Party – A Weekend In The City

Bloc Party – A Weekend In The City

9.0

Genre: , ,
Label: Wichita

Erstellt am: 07.02.2007
Autor:
Erstellt am: 07.02.2007   Autor:

Neuerscheinungen

Wahre Grösse

Diese Platte könnte einige Leute enttäuschen oder verwirren, ich wurde von ihr verzaubert.

Ja, Bloc Party bringen ihr sehnlichst erwartetes zweites Album raus und überzeugen zumindest mich auf ganzer Linie. Kele Okereke hatte nach zwei Jahren Tour-, Hitparaden-, Interview- und Partystress die Schnauze ziemlich voll. Der Sänger und kreative Kopf der Band erlag kurz, aber heftig dem Kokain, der Ekstase und der Freiheit, sammelte auf seinem ’Erholungstrip’ jedoch massenhaft Ideen, welche nun auf ’A Weekend in The City’ der Allgemeinheit vorgestellt werden. Selten ist mir eine musikalische (Weiter-)Entwicklung innerhalb so kurzer Zeit deftiger ins Ohr gefahren als bei dieser Band. Die Stücke klingen quer durchs Album reifer, präziser, noch komplexer und vor allem nachdenklicher als auf dem Vorgänger. Gut, ein paar Unverbesserliche werden maulend jammern: ’Das ist ja gar nicht mehr so Party wie früher, ich will tanzen, nicht denken’. Ach wie schade. Wir sind hier nicht beim Fernsehen, meine Lieben, hier wird Musikgeschichte geschrieben. Denn Bloc Party schaffen es souverän, dem grassierenden New-Wave-England-Rock-Ding zu entfliehen und durch äusserst anspruchsvolle Rhythmik, abartig kreative Gitarrenparts und Okerekes unübertroffen feinfühligem Gesangsorgan einen ganz eigenen, unverwechselbaren Stil zu entwickeln. Gut, entwickelt haben sie den Stil ja schon mit ’Silent Alarm’, dies hier ist wie gesagt die Weiterentwicklung. Meister Okereke fasst das Album wohl am passendsten zusammen: ’Es ging nun mal darum, dieses Wochenend-Gefühl unverfälscht und brutal zu treffen. Zwischen Samstagabend und Montagmorgen liegt das ganze Leben. Die extremen emotionalen Höhe- und Tiefpunkte findet man nirgends so kumuliert’. Doch nicht nur Wochenend- und Drogenprobleme werden besungen. Von Rassismus über den Tod bis hin zur Paranoia und der Polarisierung der Gesellschaft seit 9/11 bzw. 7/7 werden äusserst ernsthafte Probleme in zum Teil sehr tanzbaren Liedern dargeboten. Und genau dies zeichnet die Arbeit von Bloc Party aus. Beinahe grotesk erscheint die Tatsache, dass Okereke in ’Hunting For Witches’ Zeilen wie ’I’m sitting on the roof of the house with a shotgun…’ oder ’There are enemies amongst us, we are told, and we must all be vigilant(ies)…’ singt, während Schlagzeug und Gitarre deftig vorantreiben und zum ausufernden Tanz beinahe verpflichten. Aber weit nicht alles auf ’A Weekend In The City’ tönt nach Bloc Party, wie sie der Durchschnittshörer gerne hört. ’Waiting For The 7.18’ ist süsses Glockenspiel gepaart mit abstraktem D’n’B, ’The Prayer’ ist ein Bastard aus donnerndem Beat, tiefem Gebrumme und hypnotisch-schwebend-eingängigem Refrain, ’Kreuzberg’ erinnert dann gar an U2. Bloc Party wurden elektronischer, anspruchsvoller, musikalisch (noch) ausgefeilter, dramatischer und vor allem noch besser. Perfekte Musik für Grossstädte, für U-Bahnfahrten (gut, im Bus tönts auch super, die noch stinkigere Atmosphäre in einer U-Bahn passt wahrscheinlich noch besser), um aus dem Fenster zu starren und sich Gedanken über allen möglichen Mist zu machen, um zu trauern und zu feiern.

Seit 2. Februar 2007 im Handel.

Anspieltipps: Song for Clay (Disappear Here), Hunting For Witches, The Prayer, Uniform, On, Where Is Home? …und alle anderen
Trackliste: 1) Song For Clay (Disappear Here); 2) Hunting For Witches; 3) Waiting For The 7.18; 4) The Prayer; 5) Uniform; 6) On; 7) Where Is Home?; 8) Kreuzberg; 9) I Still Remember; 10) Sunday; 11) Srxt
similar artists: Muse, Placebo, The Cure, Editors, The Automatic, Kaiser Chiefs, Maximo Park, The Futureheads, Hot Club de Paris, The Bravery

Bio:
1998 gründen Russell Lissack (Gitarre) und Kele Okereke (Gitarre, Gesang) Bloc Party. Matt Tong (Schlagzeug) und Gordon Moakes (Bass) stossen kurz darauf zur Band und tragen zur Entwicklung eines Sounds, der zwischen New Wave, Punk Pop und Disco umherzappelt, ihren Teil bei. Wichita Records sagen sofort zu, denn Bloc Party passen bestens ins aufstrebende Dance-Punk- Angebot à la The Rapture oder Radio 4. Nach Franz Ferdinand und den Killers wurden Bloc Party 2004/2005 zu den nächsten grossen Rettern der Rockmusik ernannt. Charts, Tanzflächen und NME-Covers wurden dank dem genialen Debut ’Silent Alarm’ blitzkriegartig erobert. Der NME kürte das Album gar zum Album des Jahres 2005. Nach endlos erscheinendem Tourstress verzieht sich die Band schon 2006 wieder ins Studio. Zusammen mit Produzent Garret Lee (U2, Snow Patrol) entsteht das neue Album ’A Weekend In The City’. Die Zukunft sieht entgegen den teils düsteren Texten für Bloc Party doch äusserst blumig aus.

Diskographie:
> Silent Alarm (2005)
> A Weekend In The City (2007)