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Biffy Clyro – Opposites
Biffy Clyro – Opposites

Biffy Clyro – Opposites

8.5

Genre: ,
Label: Warner

Erstellt am: 24.01.2013
Autor:
Erstellt am: 24.01.2013   Autor:

Neuerscheinungen

Vom Sand im Getriebe

Gegeneinander. Miteinander. Biffy Clyro tragen ihre inneren Kämpfe in der Arena aus – mit nackten Oberkörpern, die Herzen auf den Schildern. Und am Ende gehen die Daumen allesamt nach oben.

Dass die überaus produktiven Schotten ein Doppelalbum veröffentlichen, überrascht uns eigentlich nicht. „Only Revolutions“ war das bestmögliche Ergebnis ihres Wandels. Wie will man das noch steigern? Mit doppelter Kraft? Besonders dann, wenn man auf Bewährtes setzt. Auf Produzent Garth Richardson und Cover-Art-Gestalter Storm Thorgerson. Auf die stilistischen Mittel von „Only Revolutions“. Zumal, und wir erinnern uns an „Puzzle“, im Vorfeld dieses Doppelalbums einige Details über bandinterne und private Vorkommnisse bekannt wurden. So berichtete Schlagzeuger Ben Johnston von seinen Alkoholproblemen und Simon Neil von den drei Fehlgeburten seiner Frau. In der Band scheint es Spannungen gegeben zu haben. Offenbar musste man sich neu sortieren und klären, wie man zueinander steht. Und davon erzählt uns nun „Opposites“. Vom Sand im Getriebe und dem weiten Weg, der trotzdem noch vor den Füssen liegt.

Der erste Teil mit Namen „The Sand at the Core of Our Bones“ beginnt grandios. Vom Opener bis hin zu „A Girl and His Cat“ hauen Biffy Clyro alles raus, was sie besser nicht können. In einer Manier, dass man schon nach den ersten Superlativen im eigenen Wortschatz kramt. Dieser Teil alleine beweist, dass man es hier mit einer der besten Rockbands des neuen Jahrtausends zu tun hat. Danach schleichen sich zunehmend die Dinge ein, die sich heutzutage halt einfach mit Verlauf eines Albums einschleichen. Es sind nicht zwingend die schlechteren Songs, aber halt die etwas anderen. Gerade mit „The Fog“ gelingt Biffy Clyro eine kleine Neuerung, die auch Frightened Rabbit gut stehen würde. Von der Dramaturgie her, auch wenn das doof klingt, sehr geschickt platziert, unterstreicht es den Eindruck, dass der erste Teil düsterer ist – was die eigenen Aussagen der Band bestätigt. Der zweite Teil beginnt dann auch mit „Stingin’ Belle“ wesentlich optimistischer, strotzt von der Energie, die besonders live super hinhaut. Und dann ein Dudelsack im instrumentalen Ende – selten hat ein Klischee weniger gestört. „Modern Magic Formula“ heizt genauso an und beinahe glaubt man daran, dass es ewig so weitergehen könnte. Nicht ganz. „Spanish Radio“ und „Pocket“ leiden an Durchschlagskraft, entgleiten ein bisschen gar ins Gewöhnliche. Was man von „Victory Over the Sun“ oder „Trumpet or Tap“ nicht behaupten kann. Biffy Clyro bauen im zweiten Teil alles ein bisschen grösser auf und Hymnen brauchen seine Zeit. Die etwas zuversichtlichere Note macht die Songs poppiger. Ähnlich wie „The Fog“ funktioniert „Skylight“ hier als kleiner Bruch vor dem Finale. Dennoch: ganz so meisterlich wie der erste Teil ist „The Land at the End of Our Toes“ nicht. Er muss sich mit etwas messen lassen, das beinahe perfekt ist. Das ist eine verdammt hohe Hürde.

Mit „Opposites“ reizen Biffy Clyro ihren Stadionrock endgültig aus. Kürzt man es auf seine vielen Höhepunkte herunter, landet man locker auf dem Niveau des Vorgängers. Dass man das nicht von allen 20 Songs behaupten kann, davon durfte man fast ein bisschen ausgehen. Kritik muss man insgesamt denn auch suchen gehen. Man kann aber durchaus sagen, dass sich die Band zum ersten Mal in gewissen Punkten wiederholt. Und sie haben sich hiermit eine deftige Herausforderung auferlegt: Noch grösser geht nicht.

Seit  25. Januar 2013 im Handel.

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Anspieltipps:

> Different People
> Black Chandelier
> Opposites
> The Joke’s On Us
> Modern Magic Formula
> Victory Over the Sun

Diskographie:
> Blackened Sky (2002)
> The Vertigo of Bliss (2003)
> Infinity Land (2004)
> Puzzle (2007)
> Only Revolutions (2009)
> Opposites (2013)

Rückblick auf die Diskographie

Ähnliche Künstler:
> Foo Fighters
> Oceansize
> Jimmy Eat World