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Beehoover – Heavy Zooo

Beehoover – Heavy Zooo

8.0

Genre: ,
Label: Exile on Mainstream

Erstellt am: 05.06.2008
Autor:
Erstellt am: 05.06.2008   Autor:

Neuerscheinungen

Drum’n’Bass

Brachiale Riffgewitter, abwechslungsreiches Drumming, verspielte Songstrukturen, relativ wenig, aber eigenwilligen Gesang machen „Heavy Zooo“ zu einem Tipp für alle, die es gerne verschroben und schwer groovend mögen.

Coverinterpretation: Um Beehoovers Zweitling zu mögen, braucht es ein eigenwilliges Sensorium für akustische Signale.

Konkret: Es braucht ein Faible für schwere Riffs und verschachtelte Breaks. Denn bereits der Opener macht klar, dass die Marschroute nicht entlang ausgelatschter Pfade und auch nicht entlang der Wanderwegmarkierungen geht. Kein Steinmännchen weit und breit!. Doch Beehoover beweisen einen erstaunlich guten Orientierungssinn oder nennen wir es ein Gespür, um ausgelassen und vorbehaltlos drauflos zu spielen, ohne sich zu verlaufen. Das Album beginnt bezeichnend: Ton suchen, husten, Schlagzeug zählt ein und ab die Post.

An Ideen mangelt es den beiden Teutonen wahrlich nicht, es gibt zahllose gelungene Parts und der Basssound ist so was von röhrend ungehobelt, dass man unweigerlich Lust hat, die beiden auf der Bühne zu erleben.

Das kommt nicht von ungefähr, denn die Live-Situation ist für Beehoover massgebend, d. h. auf Studio-Gimmicks wie Ausschmückungen, Spurverdoppelungen, zusätzliche Perkussionsinstrumente und dergleichen wird weitgehend verzichtet, so sind beispielsweise im zehnminütigen „Stanislav Petrov“ zwar dezent Keyboards zu vernehmen, diese sind aber so dezent eingesetzt, dass für eine adäquate Live-Umsetzung keine Gastmusiker angeheuert werden müssen.

Die Stärke der Platte liegt eindeutig im rhythmischen Bereich. Trotz teilweise halsbrecherischem Weg über Stock und Stein, schaffen es Beehoover einen tighten, mitreissenden Groove aufrecht zu halten. Der Bass als Hauptinstrument wird eher wie eine Gitarre bedient, der Sound ist aber ungleich knackiger als eine bis zum geht-nicht-mehr herunter gestimmte Gitarre. Als Beispiele möchte ich die perkussiven Anschläge im Mittelteil von „Esophagus Overdrive“, die sec angeschlagene angezerrte Begleitung in „Spirit & Crown“, oder das lang gezogene Ende von „Dance Like A Volcano“, mit Slides, kurzem Feedback-Intermezzo und einer zünftigen abschliessenden Rifforgie nennen.
Zeit zum Verschnaufen lassen einem Beehoover nur vereinzelt, denn alle Songs werden mit teilweise sehr fein und stimmungsvoll ausgearbeiteten Instrumentalparts verbunden, welche nicht erzwungen sondern kohärent und dem Fluss des Albums zuträglich wirken.

Das einzige Problem von „Heavy Zooo“ ist, dass das ganze Album mit seinen eher langen und riffbetonten Songs ein ziemlicher Brocken ist. Der Gesang ist eine Zusatzaufgabe, kommt eindeutig nach der Musik, die Texte werden auf die Songs zugeschrieben und auch eine Melodieführung, wie man das im herkömmlichen Sinne kennt, lässt sich selten ausmachen, am ehesten noch beim eingängigen und mitreissenden Track „Pain Power“. Das bedeutet nichts weiter, als das sicher nicht jedermanns Sache ist und dass man sich etwas länger mit den Tracks beschäftigen muss, damit diese wachsen. Ich vergebe 4 Punkte und hoffe die Band bald mal live zu sehen.

Seit 16. Mai 2008 im Handel.

Anspieltipps: Pain Power; Esophagus Overdrive
Trackliste: 1)Solitude In Blossom; 2) Heavy Zooo; 3) Pain Power; 4) Iron Horse; 5) Esophagus Overdrive; 6) Spirit & Crown; 7) My Funeral Procession; 8) I Desert; 9) Dance Like A Vulcano; 10) Stanislav Petrov
similar artists: Big Business, Melvins, 5ive, Ungdomskulen

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Bio:
Beehoover aus Esslingen (D) sind eine Zwei-Mann Band, was allerdings ganz anders gedacht war. Ingmar Petersen (Bass, Gesang) und Claus Harmisch (Schlagzeug, Gesang) trafen sich zwecks Rehearsal für ein Bandprojekt von Ingmar. Zwischen den beiden funkte es und Gespräche über die eigenen musikalischen Vorstellungen passten auch, also machte man sich daran, einen Gitarristen und einen Sänger zu finden. Dies erwies sich als schwieriger als erwartet, vielleicht auch weil der Gitarre nicht die übliche Rolle zuteil kommen sollte. Die Grundidee war immer, dass der Bass das Hauptinstrument sein sollte und die Gitarre nur Facetten beisteuert, vielleicht wie eine Primus-Version mit schweren Riffs. Nach etlichen fruchtlosen Versuchen beschloss man, auf die Gitarre zu verzichten und nahm ein erstes Demo mit einem Gastsänger auf.

Die Zusammenarbeit mit diesem wollte aber auch nicht richtig in die Gänge kommen und so freundeten sich Beehoover mit der Idee an, als Duo weiterzumachen. Sie produzierten drei Songs für die „A Mirror Is A Window’s End“ und begannen Konzerte zu geben. Bereits 2006 wurde die Band vom Exile On Mainstream Label entdeckt und 2007 erschien das Debut „The Sun Behind The Dustbin“.  Beehoover legen viel Wert auf ihre Live-Performance um ihren rohen, druckvollen Sound ans Publikum zu tragen – das soll der Massstab sein und in dessen Dienst stellen die beiden Weirdos auch das Songwriting.
Auf dem aktuellen Album „Heavy Zooo“ befindet sich erneut eine gelungene Ansammlung an brachialen Riffs, interessanten Breaks und eine gute Prise Verrücktheit.

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Diskographie:
> A Mirror Is A Window’s Dustbin, EP (2006)
> The Sun Behind The Dustbin (2007)
> Worshipping The Riff, Label Sampler (2007)
> Heavy Zooo (2008)

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