Exit Music
Baroness – Yellow & Green
Baroness – Yellow & Green

Baroness – Yellow & Green

7.5

Genre: , ,
Label: Relapse

Erstellt am: 03.08.2012
Autor:
Erstellt am: 03.08.2012   Autor:

Neuerscheinungen

Zwei Schritte nach vorne und keiner zurück

„Yellow & Green“ ist weniger ein Doppelalbum. Es sind zwei Alben für sich. Das muss man wissen, wenn man die neue Baroness zum ersten Mal in den Händen hält und sich fragt, welches Doppelalbum bisher wirklich funktioniert hat.

Den Smashing Pumpkins ist es gelungen. Oder beispielsweise den Eels. Es gibt sie, die guten Doppelalben. Diese Monster. Oft auch Konzeptmonster – wie etwa das berühmteste: „The Wall“. Baroness’ „Yellow & Green“ist grundsätzlich gesehen ein Doppelalbum, die Betonung liegt aber mehr auf Doppel als auf Album. Sie haben sich für nur eine Veröffentlichung mit 18 Songs entschieden: Tendenziell wohl die falsche Wahl.

„Yellow“: 8.0/10. Es ist klar. Wenn man überall liest, das hier sei kein Metal mehr, dann geht man auch gleich mit dieser Einstellung hinein.
„Take My Bones Away“ war der erste Song, den man im Vorfeld hören durfte und einige beschwerten sich bereits, Baroness seien konventioneller bzw. poppiger geworden. Die Entwicklung ist der von Mastodon nicht unähnlich: Nach dem grossen Meisterwerk sucht man ein Nebengleis zum Metal und damit neue Wege. „Yellow“ grenzt sich ab von „Blue Record“. Das muss einen heute nicht mehr wundern. „March to the Sea“ ist der Hit auf dem ersten Album. Der erste Überraschungsmoment liefert „Little Things“. Und eine Anlehnung an ältere Rockmusik ist in „Cocainium“ auszumachen, das vor allem zu Beginn ein klein wenig an Pink Floyd erinnert. Es ist richtig, dass „Yellow“ weniger Metal ist. Aber es ist auch nicht so, als würden Baroness auf ihrem Nebengleis in neue musikalische Gebiete vordringen. Für sie als Band sicher, für uns als Hörer gibt es jedoch progressivere, innovativere Bands. Trotz alledem, oder vielleicht auch gerade deswegen, ist „Yellow“ ein hervorragendes Album geworden. Weil Baroness das, was sie anders machen, verdammt gut hinkriegen. Besonders die beiden letzten Stücke „Sea Lungs“ und „Eula“ zeigen Baroness als neue Rockband auf allerhöchstem Niveau.

„Green“: 6.5/10. Das zweite Album macht zu Beginn nicht grundsätzlich etwas anders als das erste. „Board Up the House“ ist ein weiterer Beweis dafür, warum Liebhaber der 90er auch ohne Metal-Hintergrund Baroness mögen. Wiederum ist der dritte Song ein Hit: „Mtns. (The Crown & Anchor)“ muss gerade für diese 90er-Generation einer der besten Songs über beide Alben hinweg sein. Immer wieder schüchterne Retroanleihen. Baroness verlieren auf „Green“ leider zunehmend den Fokus, schweifen ein bisschen gar ab („Foolsong“, „Collapse“) und experimentieren auch mehr („Psalms Alive“). Spätestens beim schönen „Stretchmarker“ ist jedemklar: „Green“ ist ruhiger. Das ist alles nicht schlimm, wirft dann aber trotzdem die Frage auf, ob nicht zwei individuellere Veröffentlichungen „Green“ besser getan hätten – oder man doch hätte kürzen sollen.

Ein Mittelwert muss also her, um „Yellow & Green“ in seiner Gesamtheit gerecht zu werden. Man darf problemlos aufrunden, aber es ist kein Meisterwerk, auch wenn ambitiös und aufwändig. „Green“ kann nicht mit „Yellow“ Schritt halten. Baroness ist es nicht gelungen, das ultimative Doppelalbum zu schreiben. Aber nur wer sich hohe Zielesteckt, erreicht immer noch viel, wenn man diese knapp verpasst.

Seit 13. Juli 2012 im Handel.