Exit Music
Baroness – Purple
Baroness – Purple

Baroness – Purple

8.5

Genre: ,
Label: Vertigo

Erstellt am: 18.12.2015
Autor:
Erstellt am: 18.12.2015   Autor:

Rezensionen

Lila Weihnachten

„Shock me/ I needed a surprise“, singt John Baizley in dieser fantastisch guten Hymne, dem perfekten Schmelztiegel aus Sludge-Metal und Rock. Was sollte ihn denn auch noch schockieren?

Nach einem beinahe verheerenden Busunfall, den die Band bei strömendem Regen wie durch ein Wunder überlebt hat, ist Baizley in erster Linie froh, überhaupt noch da zu sein. Trotz Schmerzen in seinem Arm. Trotz einem Schock fürs Leben. Wachrütteln muss man Baroness sicher nicht mehr, aber Schlagzeuger Allen Blickle und Bassist Matt Maggioni haben die Band verlassen. Sei es wegen dem Unfall, sei es wegen anderen Zielen. Songwriter Baizley und Gitarrist Pete Adams sorgen mit „Purple“ für klare Verhältnisse. „Yellow & Green“ war der Beweis, dass sie auch anders können. Das neue Album ist nichts anderes als der Bogen über alles, was bisher bei Baroness war. Nur weil das bisherige Schaffen schon sehr beeindruckte, ist „Purple“ angreifbar. Puristen werden das wie schon bei „Yellow & Green“ ausnutzen und verkennen dabei den Anspruch, den die Band hat. Sie setzt sich einerseits mit einem schweren Rucksack zwischen die Stühle und springt andererseits mit einer gewissen Leichtigkeit zwischen ihnen hin und her. Baroness und Mastodon sind damit die Schirmherren eines neuen Metal, die längst vor dem Jahre 2015 begriffen haben, dass Scheuklappen kaum etwas mit Prog zu tun haben.

Das beginnt bei Baroness schon mit den Albumcovern, die Baizley selber entwirft. Und es führt zu einem mitreissenden Song wie „Chlorine & Wine“, der Schaltzentrale von „Purple“. Wohin man hört, man entdeckt stets einen anderen Einfluss: Metal, Prog, Sludge, Classic oder Alternative Rock. Das alles auf einen gemeinsamen, funktionierenden Nenner zu bringen, ist eine Leistung, die man letztlich nur schafft, wenn man einen offenen Geist mitbringt – und vielleicht auch gewisse Dinge erlebt hat, die aufzeigen, was im Leben zählt. Der gemeinsame Nenner kommt schliesslich stets auf den Punkt. Diese Geradlinigkeit unterscheidet das neue Album vom Debüt „Red“ sowie zu Teilen von „Blue“ und wer deshalb der Band auf diesem Bogen nicht mehr folgen möchte, dem entgeht sie buchstäblich. „Purple“ ist kein Höllenritt, kein Wehklagen und kein Hurra aufs Leben – es ist genau die Mischung aus dem, was bisher war. Das macht es echt, absolut hörenswert und zum Referenzwerk für Rockmusik, die sich mit sich selber auseinandersetzt.

Ab 18.12.2015 im Handel erhältlich.