Exit Music
Atoms For Peace – Amok
Atoms For Peace – Amok

Atoms For Peace – Amok

7.0

Genre:
Label: XL Recordings

Erstellt am: 25.02.2013
Autor:
Erstellt am: 25.02.2013   Autor:

Neuerscheinungen

Plus/Minus

Bei dieser Musik kribbelt es, wie wenn leicht Strom durch einen fliesst. Wie wenn man mit der Zunge prüft, ob da noch Spannung ist. Was „Amok“ angeht, kann man sagen: Es ist.

Das ist nun wieder ein Album, von dem alle reden und alle eine Meinung haben. Die musikalische Weiterführung von „The Eraser“ zusammen mit den Livemusikern Nigel Godrich, Flea und den beiden Drummern Joey Waronker sowie Mauro Refosco. Das kann man dann wieder so wunderbar aufblasen zu einem Wunderwerk der elektronischen Musik, zu einer Supergroup. Also von aussen. Thom Yorke selber macht das natürlich nicht. Und es nimmt vielen leider die Entscheidung ab, ob man „Amok“ nun gut finden soll, weil es super sein muss. Ausser man zählt sich zu den Stehengebliebenen, die Radiohead seit „Kid A“ hassen und die meiste Zeit damit vergeuden, den 90ern nachzutrauern. Eine Meinung haben also alle, ob es aber die eigene ist, sei dahingestellt.

„Amok“ beginnt wirklich grossartig. Wenig Überraschendes, wenn man die elektronischen Songs von Radiohead (besonders auch die eine der andere B-Seite) und „The Eraser“ kennt. Wie von einem anderen Stern – könnte man mit Floskeln Fenster einwerfen. Aber das ist gelogen, weil heute Elektronik nicht mehr so fremdelt wie bei der Jahrtausendwende. „Amok“ ist von diesem Stern und unheimlich detailverliebt. Das ist eine der ganz grossen Stärken dieses Albums: Entdeckeraugen leuchten und am meisten tun sie es bei „Ingenue“. Die Rhythmen tropfen den Takt und die Synthesizer breiten eine Melancholie aus, die ein metallisches Gefühl auf der musikalischen Geschmackszunge hinterlässt. Im Netz hat einer geschrieben, Yorke sei eine Heulsuse. Nun, viel Spass beim nächsten Nickelback-Konzert. Thom Yorke bleibt ein Pionier.

Metallisch weiter geht es auch in „Dropped“ und dann beginnt sich das Album zu setzen und zu öffnen. Mit dem Verlauf glätten sich die Ausschläge etwas. Heisst: Die Dynamik weicht mehr der Atmosphäre, was sich „Amok“ sicher leisten kann – aber auch ein Kritikpunkt sein darf. Gleichzeitig ertappt man sich immer mehr dabei, wie man die nervösen Rhythmen mittrommelt. Es steckt ziemlich an. „Stuck Together Pieces“ lebt dermassen von Beat, Bass, Gitarre und Gesang, dass man beinahe vergisst, wie sehr eigentlich sonst die Elektronik überhand nimmt. „It’s a mixture of live and machine, I guess“, sagt Yorke und während wir uns alle die Finger wund schreiben, für möglichst treffende Bilder zu dieser Musik zu finden, reicht eigentlich auch einfach dieser Satz.

Seit  22. Februar 2013 im Handel.

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > Label > CH-Vertrieb

Anspieltipps:
> Before Your Very Eyes
> Default
> Ingenue

Diskographie:

> Amok (2013)

Ähnliche Künstler:
> Thom Yorke
> Radiohead