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Angélique Kidjo – Õÿö

Angélique Kidjo – Õÿö

8.0

Genre: ,
Label: Naïve

Erstellt am: 04.02.2010
Autor:
Erstellt am: 04.02.2010   Autor:

Neuerscheinungen

In Erinnerung bleiben

Angélique Kidjo singt die Lieder ihrer Kindheit. Ihre Erinnerungen hält die Grande Dame des Afro-Pop in einem erstaunlich stimmungsvollen Album fest.

Die ersten Sekunden und Minuten von “Õÿö“ gehören ganz dem kraftvollen Gesang dieser Stimme, die schon seit Jahrzehnten verzaubert. Das zweiminütige “Zelie“ ist der Auftakt zum mittlerweile elften Album der berühmtesten lebenden Sängerin Afrikas.

Umgarnt von stimmungsvollen Streichern und Roy Hargroves federleichtem Tromptenspiel ist es auch ihre Stimme, die den zu Tode gespielten Santana-Klassiker “Samba Pa Ti“ wieder ins Leben ruft. Zusammen mit Neo-Soul-Sänger John Legend wagt sie sich daraufhin gleich an den nächsten Klassiker: Auch “Move on Up“ aus der Feder von Soul-Genie Curtis Mayfield verpasst sie ihren eigenen Anstrich, unterstreicht mit schwerer Percussion das Afro in Afro-Amerika – spannend, aber dennoch meilenweit vom Original entfernt. Die dritte Kollaboration ist die beste: Mit Jazz-Dame Dianne Reeves verleiht Kidjo dem eigentlichen Blues “Baby I Love You“ erstaunlichen Schwung.

Die Sängerin aus dem westafrikanischen Staat Benin tritt auch hier einen Gang zwischen moderner Popmusik und deren Ursprüngen an, den musikalischen Traditionen ihres eigenen Kontinents. So gibt es den schwungvollen Afro-Beat mit süsslichen Melodien (“Kelele“, “Mbube“) oder in Bollywood-Festlaune (“Dil Main Chuppa Ke Pyar Ka“) oder zur Gänze überzeugend der Afro-Jazz in “Lakutsni Langa“, der die Winterkälte mit herrlichem Saitenspiel und Chorgesang verdrängt. Gospel-Stimmen tragen in Otis Reddings “I Got Dreams to Remember“ eine wundervolle Melodie in die Höh und schenken dem Album einen wirklichen Hit.

Zwei Stücke, die durch ihren dunklen aber sehr stilvollen Charakter überraschen, gehören besonders erwähnt: Der melancholische Chanson-Jazz in Sidney Bechets “Petite Fleur“ hat echten Charakter, sei es der brillante Gesang, oder die dezent verwendeten Afro-Latin/Brasil-Elemente, die auch den edlen Trip-Pop-Klängen in “Afia“ gut stehen. Meist aber ist die Stimmung auf “Õÿö“ fröhlich und unbeschwert, wie es Tage einer glücklichen Kindheit sind.

Angélique Kidjo ist eine Künstlerin deren Biografie Zeugnis eines offenen Geistes ist, sie scheute in den vergangenen Jahrzehnten weder Reggae noch Jazz noch europäische Clubmusik … der Reichtum von “Õÿö“ ist daher nicht sonderlich überraschend. Überraschend ist allein die Natürlichkeit des Gebotenen.

Seit 15. Januar 2010 im Handel.

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb

Anspieltipps:
> Lakutshona Llanga
> I Got Dreams to Remember
> Petite Fleur

Diskographie:
> Parakou (1990)
> Logozo (1991)
> Ayé (1994)
> Fifa (1996)
> Oremi (1998)
> Black Ivory Soul (2002)
> Oyaya! (2004)
> Djin Djin (2007)
> Õÿö (2010)

Ähnliche Künstler:
> Youssou N’Dour
> Salif Keita
> Miriam Makeba
> Zap Mama