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Alvin Zealot – Tears of St. Lawrence

Alvin Zealot – Tears of St. Lawrence

7.5

Genre: ,
Label: Goldon Records

Erstellt am: 28.05.2010
Autor:
Erstellt am: 28.05.2010   Autor:

Neuerscheinungen

Sturm und Drang

Das hier ist das Debüt? Bemerkenswert. Die hier stammen aus Luzern? Weniger bemerkenswert. Man erkennt halt langsam ein Muster. Und das ist erfreulich.

Ein wenig überrascht ist man zwar schon, was diese Jungspunde hier raushauen. Erwachsen klingt das bei weitem nicht, aber gerade deshalb ist es so einnehmend. Alvin Zealot haben zusammen mit Tobi Gmür ganze Arbeit geleistet. Das zeigt sich bereits bei „Bricks Over Bricks“, das dem Nullachtfünfzehn-Rocksong rotzfrech den Stinkefinger zeigt und immer wieder mit laufender Nase durch alles reitet, was diese Band kann. Und sie kann viel. „Straight Ahead Johnnie!“ brettert gleich weiter mit vollem Tempo aus der Garage und will ums Verrecken nicht mit Mando Diao verglichen werden. Dann lassen wir das auch. Das schwärmerische „Timeline & Glasses“ schwebt irgendwie neben den Tönen, sei es wegen der jugendlichen Stimme von Sänger Benjamin oder in dem Teil, wo normalerweise der Refrain kommt. Das ist nicht niedlich, das lebt. Vielleicht schwächelt „Tears of St. Lawrence“ in der Folge manchmal noch bei der allerletzten Konsequenz, sich auf eine Richtung festzulegen. Man wollte sehr viel. Es geht aber auch sehr viel auf, auf dem bisher besten Schweizer Album des Jahres. Nur gerade rund um „It Is All Mine“ gönnt sich das Feuerwerk kurz mal eine Rauchpause.

Die Tatsache, dass noch Entwicklungspotential vorhanden ist, macht diesen Erstling aber umso erstaunlicher und lässt darauf hoffen, es hier eben nicht mit einem zarten Pflänzchen zu tun zu haben, sondern mit gestandenem Jungholz. Trotz allen Anspielungen muss man schon von einer gewissen Reife sprechen, die sich vordergründig in der versierten Spielfreude zeigt. Denn selbst wenn Alvin Zealot wieder zurück auf den Teppich kommen, wie in „When Flood Crosses Light“ oder dem sinnlichen „He Swerves“, überzeugen sie mit jeder Faser ihrer spürbaren Leidenschaft. „De Jalouse“ tanzt bereits wieder feuchtfröhlich auf mindestens zwei Hochzeiten und streut Krümel, damit man den Weg ans Ende der Platte auch ohne weiteres findet. Und gerade der New Wave von „Friend or Foe“ stellt sich einem nochmals mit beachtlicher Grösse in den Weg, so dass man für eine Weile stecken bleibt. Immer wieder glaubt man, einen anderen Song zum Liebling erklären zu wollen, immer wieder krebst man zurück – und am Ende haben die Anspieltipps gewonnen. Das hier überzeugt hoffentlich nicht nur die heimischen Radiostationen. Es wäre dieser musikgewordenen Unbeschwertheit zu gönnen.

Seit  21. Mai 2010 im Handel.

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Anspieltipps:
> Bricks Over Bricks
> Straight Ahead Johnnie!
> Friend or Foe

Diskographie:
> Tears of St. Lawrence (2010)

Ähnliche Künstler: 
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> Slut
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