Exit Music
Alvin Zealot – Flux
Alvin Zealot – Flux

Alvin Zealot – Flux

8.0

Genre: ,
Label: Goldon Records

Erstellt am: 18.09.2012
Autor:
Erstellt am: 18.09.2012   Autor:

Neuerscheinungen

Verfluxt

„Flux“ ist wie Pegeltrinken. Aber diese Jugend kennt die Toleranzgrenzen ihrer eigenen Kreativität und sie kennt sie besser als ihre Eltern.

Das schwierige zweite Album. Alvin Zealot sind die Schweizer Nachwuchshoffnung in Sachen Gitarrenmusik und diesen Anspruch haben sie offensichtlich auch an sich selber. Erwartungen und Druck sind jedoch nicht des Künstlers beste Freunde. Da kann die Inspiration schnell einmal flöten gehen, die Schreibblockade schon in jungen Jahren die Karriere versauen. Aber so steinig der Weg zu „Flux“ gewesen sein mag, so stilsicher umkurven Alvin Zealot die nie hörbaren Hindernisse. Mehr noch: Die Luzerner finden sogar den Mut, den Indie ebenso bald links liegen zu lassen und sich direkt auf ihren eigenen psychedelischen Trip zu begeben. Angedeutet haben sie den bereits mit ihrer 2011er Single „The Wolf“. Das sie damit aber dermassen Ernst machen, scheint im Kontext der Entstehungsgeschichte eine reife Leistung. Beinahe entschuldigend wirken da die Bemerkungen im Promotext – fast als hätte man Angst, gescheitert zu sein. Oder mit „Flux“ zu verstören. Es wäre aber auch nicht das erste Mal, dass man auf einen geschickten PR-Trick reinfällt. Siehe Bloc Party. Aber das ist eine andere Geschichte. Diese hier erzählt von einem hervorragenden Album.

Es fängt schon mit „Mirrors“ an, da wo der Indie noch schwärmerisch den Kopf verliert. Und dieser brummt bereits in „Sick Bedroom“ gewaltig. Die Decke dreht sich. Und während die Musik immer mehr Richtung 70er eiert, taucht alles im Hall ab. „Flux“ findet mit seinem grandiosen Titeltrack endgültig eine für die Band neue Stimmung. „Like the Sun“ geht behutsam mit seinen Höhepunkten um, weil es oft einfach nicht mehr braucht. Und „Mention Dimension“ bietet nicht die einzigen Momente, die schüchtern an frühe Pink Floyd erinnern. Anstatt grosse Refrains rauszuhauen, suchen Alvin Zealot immer wieder eine andere Ebene. Und gerade als es im Kopf nicht mehr hämmert, beginnt „Circus“ wie etwas, das von „Era Vulgaris“ übrig geblieben ist. Sie lassen ihren Songs verdammt viel Freiraum, so wie im berauschenden „Wald“, das immer wieder kurz aufblüht. Bis sich in „Cold Veins“ die Wände aufeinander zu bewegen. „Rigid Wall“ will dieses Album nach der Sperrstunde sicher nach Hause bringen. Alvin Zealot wissen genau, wann es gut ist. „Paranodigma“ ist nur noch der Kommentar des üblen inneren Dämons, der den Kampf verliert. Nachwuchshoffnung? Reifeprüfung!

Anspieltipps:
> Flux
> Wald
> Cold Veins

Michael Messerli vergibt 8.0 von 10 Punkten

Zwei Jahre nach ihrem gelungenem Debütalbum „Tears of St. Lawrence“ erscheint nun ihr Zweitwerk, „Flux“. Alvin Zealot klingen erwachsener, reifer. Und dementsprechend weiser, aber auch verletzter.

Es war zu erwarten. Schon ihr Debütalbum war vielversprechend gewesen. Ihr frecher Rock wurde mit dem Mando Diaos oder anderen Kultbands verglichen. Auf ihrem Zweitling ist ihr Rock weniger frech, sondern überlegter. Immer noch halbwegs tanzbar, aber viel immersiver. Die vier Luzerner bringen mit „Flux“ ein gefühlvolles Album ans Licht, das packt und nicht so schnell wieder loslässt.

Die Melodien auf „Flux“ gehen schnell ins Ohr und nisten sich dort gemütlich ein. Repetitive Gitarrenklänge, die sich auf- und abbewegen, leise, immer wieder. Ein vielschichtiges Strömen, die Übergänge von einem Lied zum nächsten sind  fliessend, wie der Titel des Albums. Auf „Circus“ heult Benjamin auf eine zermürbende Weise, bevor eine Gitarren- und Perkussionsexplosion das Lied abschliesst. Leise wird die Musik aufgebaut, nach und nach kommen mehr Elemente dazu bis sie uns vollends umfasst und einpuppt. Zum Beispiel geht „Sick Bedroom“ auf diese Weise unter die Haut.

„Flux“ ist kein glückliches Album. Auf „Wald“ ergreifen Tiere eine hoffnungslose Flucht in ein Nowhereland. „Rigid Wall“ erzählt den tauben Alltag eines Mädchens: „She keeps watching her old TV shows / It makes her feel emotional, more than her memories“. Auch visuell hat das Album etwas Unbehagliches: Es hat Bienen – und Menschen, die sich vor ihnen beschützen. Collagen aus altmodischen Bildern, vielleicht aus Kriegszeiten. Und dieses Zitat von Autor David Levithan, alles verändere sich und man müsse es akzeptieren. Als sei dies die einzige feste Wahrheit, die einzig nicht fluktuierende. Viel Echo verleiht den Liedern eine schwebende Natur. Als käme ihre Musik aus einer etwas anderen Welt, nicht sehr fern. Als beobachte man sie durch einen Spiegel. Und dann brüllen sie sich in die Gegenwart… und man wacht auf.

Anspieltipps:
> Like the Sun
> Sick Bedroom

Sophie Müller vergibt 8.0 von 10 Punkten

Seit  21. September 2012 im Handel.

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb

Diskographie:
> Tears of St. Lawrence (2010)
> Flux (2012)

Ähnliche Künstler:
> Pink Floyd
> Tame Impala
> Sheila She Loves You