Exit Music
Alienated – Lonely Hearts Killers
Alienated – Lonely Hearts Killers

Alienated – Lonely Hearts Killers

8.5

Genre:
Label: Dead City Music

Erstellt am: 19.03.2009
Autor:
Erstellt am: 19.03.2009   Autor:

Neuerscheinungen

Zum Heulen beim Headbangen

Der Zufall will es, dass ich die letzte Guns n’Roses-CD und die letzte Alienated etwa zeitgleich zu hören bekam…

… und dass ich der Band um die Brüder „Paddy“ und „Latte“ Meyborg aus Oldenburg (D) jederzeit den Vorzug vor den Glamrockern um Axl Rose aus Hollywood (oder wo auch immer die herkommen) geben würde.

Warum? Für „Lonely Hearts Killers“ von Alienated hätte Axl Rose sicher mehr getan als fünfunddreissig Jahre von Drogen runterzukommen und zu grübeln. Er hätte alle 13 Songs mit Kusshand gekauft, Alienated als die neuen Guns n’Roses engagiert und ihnen alle Tantiemen überlassen. Gut möglich allerdings, dass er bei dem ein oder anderen Song an die Mitsinggitarrenläufe von Slash gedacht, „Paddy“ Meyborg rausgeworfen und Slash wieder an Bord geholt hätte. Zwei Jahre später hätte Slash aber wieder gekündigt und „Paddy“ Meyborg hätte unter anderem Namen das Vorspielen für die vakante Gitarre für sich entschieden. Axl hätte er früher oder später so oft vernichtend unter den Tisch getrunken, dass der entnervt das Handtuch geworfen und sich bei einem Job als Roadie bei Metallica umgesehen hätte, denen er mit „Lonely Hearts Killers“ musikalisch ja eben noch das Wasser abgraben wollte.
Noch wahrscheinlicher ist aber folgendes Szenario: Genauso ist es geschehen, und Alienated heissen nach dem kurzen Intermezzo mit Axl und Slash wieder Alienated und hauen jetzt „Lonely Hearts Killers“ raus, während Axl auf „Chinese Democracy“ sitzengeblieben ist.
Das Album ist ein erzkonservatives Metalungetüm, das weder vor Breitbandstakkatoriffs noch vor Pianoballaden inklusive Falsettgesang (“Road to nowhere“, der einzige überflüssige Track) zurückschreckt. Zum Heulen. Und zum Headbangen. Abwechselnd. Wenn nicht zugleich.
Zu jedem herzerfrischenden Metalgewitter gehört natürlich auch das spektakuläre HiHat-dominierte Intro, bei dem die innere Nebelmaschine sofort alle Gehirnzellen umwölkt. Manchmal schleichen sich ausserdem Folkeinflüsse ins eigentlich recht enge Metallkorsett („Alone“) und kitzeln dort bei Sänger „Lacko“ ungeahnt zartfühlende Stimmregungen hervor. Meist aber wird in der Strophe standesgemäss (mehr wie James Hetfield als Axl Rose) geshoutet und im Refrain die Tonleiter durchforstet. Kein Song kommt ohne Solo aus. Die übliche uninspirierte Tapping-Orgie findet sich aber nur auf „Heart Soul Fire“, alle anderen Soli sind Sahnestücke ihrer Disziplin. Warum fand man überhaupt je Punk gut? Weil es da keine Soli gibt? Humbug. Es musste irgendwas anderes sein. Beim Hören von „Lonely Hearts Killers“ fallen dir alle Gründe auf einmal ein. Oder nie wieder.

Seit 17. Februar 2009 im Handel.

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Diskographie:
> Heart Soul Fire (2001)
> Lonely Hearts Killers (2009)

Ähnliche Künstler:
> Metallica
> Megadeath
> Green Jelly