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Aie Ça Gicle – Speak Easy
Aie Ça Gicle – Speak Easy

Aie Ça Gicle – Speak Easy

6.0

Genre:
Label: A Tree In A Field

Erstellt am: 10.06.2013
Autor:
Erstellt am: 10.06.2013   Autor:

Neuerscheinungen

Erfrischend harmlos

Ist „Speak Easy“ ein Zugeständnis an alle, die „S.Y.R.U.P“ zu sperrig fanden? Dann hätten Aie Ça Gicle zumindest eine Erklärung für ihre neue Harmlosigkeit. Das klingt jetzt aber schlimmer als es tatsächlich ist. 

Hach, was war das wieder ein schöner Hype plus lustiger Diskussion, die damals ein bestimmtes Musikmagazin vom Zaun gebrochen hat. Heute wird die Suppe nicht mehr so heiss gekocht, weil besagtes Magazin mittlerweile zu einem Musik-News-Blog geschrumpft ist und „S.Y.R.U.P.“ weder Matador noch Domino angelockt hat. Hype futsch, Aie Ça Gicle futsch? Keineswegs. „S.Y.R.U.P.“ war ein tolles Debüt, eine klare Reminiszenz an Sonic Youth. Das Problem mit dem Hype ist aber, dass er dir etwas andrehen will. Wer eine Abneigung dagegen hat, lässt sich allzu leicht abschrecken – und umgekehrt. Das war gerade bei „S.Y.R.U.P“ schade, weil man es sich erarbeiten musste. Diesbezüglich macht „Speak Easy“ einiges anders – und vielleicht 1-2 Fehler mehr. Es ist viel weniger sperrig und noisig. Es ist zahmer, simpler und weniger Sonic Youth. Anders formuliert: kurzweiliger und eigenständiger. Aber auch weniger aufregend. Ist es deshalb jetzt schlechter? Nein, nur weniger gut.

„Speak Easy“ klingt älter, die aufgehellte Produktion ist gerade mit Kopfhörern kein Genuss. Auf stark verzerrte Gitarren wird verzichtet. „So much complexity“, singt Oliver Falk im eingängigsten Song „What a Girl“ und meint vermutlich eher die Gefühlsebene, auf der „Speak Easy“ insgesamt funktioniert. Auf dieser läuft man nie Gefahr, in Verzweiflung und Ratlosigkeit zu verfallen. Die neu gefundene Simplizität hat denn auch ihre Stärke: Sie klingt erfrischend leichtfüssig. Und weil die Songs unter dem Strich dann doch zu gut sind, um sie vom Kopf fernzuhalten, haben die Basler „Speak Easy“ zu einem sommerlichen Indiealbum geformt, das durchaus selbstbewusste Verspieltheit an den Tag legt, von der man sich gerne anstecken lässt. Dies gilt besonders für den kleinen Sonnenschein „Hush For a Day“ oder „Relics“, dessen Schluss doch noch ein bisschen ausbricht, und natürlich „A Distant Sound“, dem Geheimfavorit, der schliesslich wohl gewinnen wird, weil er am längsten bleibt – auch dank herausgezögertem Ende. Steht nur noch die Frage offen, wie man mit dem Rest des Albums zurechtkommt, wenn der Sommer wieder vorbei ist. Wir werden sehen.

Seit 31. Mai 2013 im Handel.

Anspieltipps:
> What a Girl
> A Distant Sound
> Hush For a Day

Diskographie:
> S.Y.R.U.P. (2010) 
> Speak Easy (2013)

Ähnliche Künstler:
> Sonic Youth