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Agoria – Impermanence
Agoria – Impermanence

Agoria – Impermanence

8.5

Genre: , ,
Label: Infiné

Erstellt am: 02.03.2011
Autor:
Erstellt am: 02.03.2011   Autor:

Neuerscheinungen

Meister der Hypnose

Gleich vorweg: eines der schönsten, bewegendsten elektronischen Alben der letzten Monate, ist der neueste Output von Sébastien Devaud aka Agoria, seines Zeichens DJ und Produzent, Labelboss und Festivalgründer.

von David Huser

Bereits das Intro ist wunderbar, mit einer Stimme vom Himmel, begleitet von eindringlicher Pianobegleitung. Die amerikanische Sängerin Kid A bewegt sich zwischen Björk und Emiliana Torrini. Das nächste Featuring schon im zweiten Track: Spoken Word in Gesang mutierende, vom pure-sexyness-DJ Seth Troxler gesungene „Souless Dreams“, die Bassdrum schleicht sich langsam an und gibt bereits Vorbote auf kommendes: „Panta Rei“.

Das ganze Album bezieht sich auf diese griechische Formel: „alles fliesst“. Alles fliesst, treibt voran, glückselig von Liebe und wiederum melodisch aufgebaut auf minimalen Klavierakkorden. „Agoria“ baut neben seinen Featurings auch langsame Interludes ein, es klickt und knarzt hinter bassloser Harmonie.

Dann kommt der nächste Hammer: „Speechless“. Die Detroit Techno Legende Carl Craig, man will es eigentlich gar nicht wissen, erzählt von seinen sexuellen Fantasien, doch halt: wahrscheinlich hatte er selbst noch seine Finger an den Reglern, denn diese grandiose Steigerung ohne Breaks à la Detroit kriegt auch nur einer wie er auf die Reihe: purer Sex in Sound. Dazu passt selbstverständlich ein anrüchiger 80er-Kunstporno (Link weiter unten), der grad wieder von Youtube gesperrt worden war.

Weiter in der Hypnose: „Heart Beating“ mit Kid A und Cello, Grande Torino und Libellules knüpfen an, wo Speechless aufgehört hat, ohne Gesang, dafür mit mehr Klavier und Streicher – ohne je kitschig zu werden, und diese Gratwanderung schafft Agoria mit Meisterhand. Einzig „Little Shaman“, der zweitletzte Track, kann nicht überzeugen: zu stampfend und klirrend, als dass es zu allen anderen passen würde.

Agoria kann aber nicht nur produzieren, er ist ebenso ein phänomenaler DJ mit einem grossen Musikspektrum: wer seinen „At the Controls“-Mix oder den der Balance-Serien kennt, weiss warum und kann sich freuen: Fabric 57 mixed by Agoria.

Seit 8. Februar 2011 im Handel.

Anspieltipps:
> Panta Rei
> Grande Torino

Diskographie:
> Blossom (2003)
> The Green Armchair (2006)
> Go Fast (2008)
> Impermanence (2011)

Ähnliche Künstler:
> James Holden
> Rone
> Ripperton