Exit Music
Agent Fresco – Destrier
Agent Fresco – Destrier

Agent Fresco – Destrier

7.5

Genre: ,
Label: Long Branch Records

Erstellt am: 12.08.2015
Autor:
Erstellt am: 12.08.2015   Autor:

Rezensionen

Ein schmaler Grat

Agent Fresco bitten die Geister, die sie rufen, gleich mit auf die Bühne. Mit der Hand auf dem Herzen und dem Prog in den Fingern wissen sie zu berühren.

An Agent Fresco und besonders der Stimme von Arnór Dan Arnarson werden sich die Geister herrlich scheiden können. Man fühlt sich plötzlich wieder mittendrin in der Grundsatzdiskussion, ob eine Band wie Dredg von allen guten verlassen wurde – oder sich einfach nur weiterentwickelt hat. Agent Fresco laufen nahe an deren Fussstapfen. Eines haben aber beide gemeinsam: Es ist ein schmaler Grat, auf dem sie gehen. Der Prog der Isländer hat das Potential, einer Band wie Dredg das Wasser reichen zu können. Und ihr Pop kratzt am Kitsch, bricht ihn aber nicht auf. Ihr zweites Schlachtross „Destrier“ kämpft mit allen Waffen um die Gunst der Hörer. Der Grund, warum es kein gewöhnliches Album ist und sich nicht schämen muss, auch mal etwas pathetisch oder theatralisch zu klingen, ist das beeindruckende Selbstverständnis, mit dem Agent Fresco sich dem Prog verschrieben haben. „Destrier“ ist progressiv, weil es seinen dominierenden Popappeal gekonnt mit allen möglichen Genres anreichert. Aber macht es das auch zu einem guten Album? Gibt es nicht genug Songs von hervorragenden Musikern, die trotz allen technischen Finessen keine Emotionen auslösen? Man muss sich zumindest die Frage stellen, warum man das, was man Dredg in den letzten Jahren vorwirft, bei dieser Band als Stärke beschreibt. Manchmal vergleicht man aber auch Äpfel mit Birnen.

Jedenfalls gelingt der Band aus Reykjavík die Kunst, das Wesentliche stets im Fokus zu halten. Dort, wo man erkennen muss, um was es geht, stimmt die Schärfe und in der Peripherie findet genug statt, dass sich jeder weitere Blick lohnt. Es geht nicht so sehr darum, ob etwas am Kitsch oder Pathos vorbeischrammt, sondern um die Tiefe, die etwas erzeugt. In welcher Beziehung Agent Fresco mit dem Zeitgeist stehen, kann man gar nicht so klar beantworten. Sie sind ihm zumindest dahingehend voraus, dass momentan kaum eine andere Band klingt, wie sie es auf „Destrier“ tun. Und das braucht Mut. Bereits in „Dark Water“ bauen sie etwas Jazz ein. In einem vermeintlichen Hit wie dem Titeltrack unterbrechen sie frech den ersten Refrain mit einem Noisepart und zögern ihn hinaus. „Wait For Me“ ist in ihrer Definition der perfekt vertrackte Popsong mit herzerwärmendem Video – beides der Familie von Arnór Dan Arnarson gewidmet. „The Autumn Red“ wird am Schluss vom Metal überfallen. Sekunden später startet „Citadel“ tatsächlich mit Funk und dem Hardcore von „Angst“ geht die Schönheit des himmlischen „Bemoan“ voraus. Den Schlusspunkt setzen sie mit „Mono No Aware“, in dem sie das Album in Teilen wiederholen und damit zusammenfassen, was eine schöne Idee ist. „Destrier“ mag kein neues „El Cielo“ sein. Aber das würde es auch gleich wieder weniger interessant machen.

Ab 07.08.2015 im Handel erhältlich.