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The God Machine – One Last Laugh in a Place of Dying…
The God Machine – One Last Laugh in a Place of Dying…

The God Machine – One Last Laugh in a Place of Dying…

Erstellt am: 21.02.2009
Autor:
Erstellt am: 21.02.2009   Autor:

Ältere Schmuckstücke

Hören ist Glauben

Von der gespielten Note via Ohr direkt ins Herz – The God Machine haben die kürzeste aller Abkürzungen entdeckt. Ein Album voller Verzweiflung, tiefer Trauer und Hoffnung, der Versuch einer Versöhnung mit dem Leben.

Robin Proper Sheppard, heute Bandleader von Sophia muss sich auch 15 Jahre nach dem sprichwörtlichen Ableben seiner vorherigen Band über God Machine-Rufe an seinen Konzerten ärgern. Das kommt nicht von ungefähr.

Anfangs der 90er Jahre siedelten Robin Proper Sheppard (Gitarre/Gesang), Jimmy Fernandez (Bass) und Ronald Austin (Schlagzeug, Piano) von San Diego (USA) nach Europa über, wo sie schliesslich in England landeten und musikalisch wieder aktiv wurden. Nach einigen EPs folgte 1993 das Debutalbum „Scenes from the Second Storey“ mit welchem sie sich bereits einen innigen Fankreis erspielten. Vollends zum Kult wurde die Band aber durch ihren Zweitling „One Last Laugh in a Place of Dying…“. Das Album ist Jimmy Fernandes gewidmet, der kurz nach der Fertigstellung des Albums einem Hirntumor erlag, worauf sich die Band auflöste. Ronald Austin ist heute als Regisseur tätig, während Robin Proper Sheppard das Label Flower Shop Recordings gründete und nach wie vor mit exzellenter Musik (Sophia und The May Queens) von sich reden macht. Die schicksalsschweren Umstände mögen ihren Teil zur Entstehung des Albums beigetragen haben, auf jeden Fall wurde die Musik zu einem berührenden und unvergesslichen Zeitdokument.

Die bewusste Nichtgestaltung des Covers passt hervorragend zur Tristesse der Musik, die mit Bass Schlagzeug, Gitarre und der eindringlichen Stimme von Robin sehr karg instrumentiert ist und ihre wahre Grösse durch das intelligente und effektive Songwriting entfaltet. Die rauhe, nichts beschönigende Produktion unterstützt diesen Eindruck zusätzlich. Auf dem Album befinden sich zwölf Songs, sowie als Rausschmeisser ein experimentelles und, weil völlig aus dem Kontext gerissen, überflüssiges langfädiges Instrumental – natürlich ein gewollter Effekt, bloss macht es das Hören nicht angenehmer.

„The Tremolo Song“ markiert den ungestümen, lauten Anfang der Platte, gefolgt vom ebenfalls agressiven und mitreissenden Track „Mama“. Die knapp gehaltenen Texte, verfehlen ihre Wirkung nie und Zeilen wie „Daddy said faggot, fight like a man – I wish I had a gun…) nisten sich im Kopf ein, wie kein schulischer Prüfungsstoff es je vermögen wird. In „Bad Dreams“ ist eine mit brüchiger Stimme vorgetragene Ballade, wobei der schaurigschöne Schluss, mit seinem für diese Platte geradezu opulent anmutenden Streicherarrangement und dem dezenten Piano fast schon zum Losheulen ist. Trostlos dagegen der immer gleiche Schlagzeugbeat im nachfolgenden „Painless“, der die mehrstimmigen Gitarrenharmonien kontrastiert. Noch extremer ist der Beat in „The Love Song“, dessen hypnotische Rhythmik einen dazu verleiten kann, am Volume-Knopf nach rechts zu drehen. Aggressiv und psychotisch mutet der Anfang von „Evol“ an, ehe es im zweiten Teil in einen von Gitarren-Noise untermalten Basslauf mündet und ziemlich experimentell anmutet. „The Train Song“ wirkt dagegen fast schon versöhnlich, Bass und Schlagzeug treiben tatsächlich wie auf Schienen den Song stetig vorwärts, was der Gitarre viel Freiraum für Akzente und stimmungsvolle Feedbacks schafft.

Obwohl hier nicht ganz jeder Song erwähnt wird, müssen die beiden letzten Tracks noch als echte Highlights hervorgehoben werden. Während „The Flower Song“ punkto Dynamik von der minimalistischen Strophe zum druckvollen Refrain und dem exzessiven Ausklang („I wish I was a flower blowin’ in the wind“) nochmals das ganze Spektrum auslotet, stellt der letzte wirkliche Track „Boy by the Roadside“ ein ruhiges, trauriges aber wunderschönes Kleinod dar – unvergesslich, für jeden, der seiner Pracht einmal erlegen ist. Dieser Song weckt den Eindruck, dass die Auseinandersetzung mit dem Tod und der Angst vor dem Sterben bereits bei der Entstehung von „One Last Laugh in a Place of Dying …“ gewesen sein musste.

Ein atmosphärisch unglaublich dichtes Album, das ich auch heute noch jedem uneingeschränkt empfehlen möchte. Wie es scheint, ist es allerdings gar nicht mehr offiziell erhältlich und von einer Wiederveröffentlichung ist mir auch nichts bekannt.

Seit  1994 im Handel.

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label > Offizielle Webseite (Sophia) > Myspace (Sophia)

Anspieltipps:
> In Bad Dreams
> Boy by the Roadside

Diskographie:
> Purity (1991)
> Desert Song (1992)
> Ego (1992)
> Scenes from the Second Storey (1993)
> Home (1993)
> One Last Laugh in a Place of Dying…(1994)

Ähnliche Künstler:
> Sophia
> The May Queens