Exit Music
Radiohead – OK Computer
Radiohead – OK Computer

Radiohead – OK Computer

Erstellt am: 01.05.2005
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Erstellt am: 01.05.2005   Autor:

Ältere Schmuckstücke

Exit Music

„OK Computer“ – jenes mit dem Grammy ausgezeichnete und wohl beste Album Radioheads, das das britische Quintett zu einer der wichtigsten Bands der Rockgeschichte machte und ihnen fast schon Legendenstatus verlieh. Zu Recht.

OK. Höchste Zeit, einige Zeilen Radioheads grossartigem „OK Computer“ zu widmen. Schliesslich ist der Name unseres netten Onlinemagazins ebendiesem unvergleichlichen Album entliehen, war sozusagen die Inspiration. Keine Worte werden dieses musikalische Meisterwerk je umfassend erklären, geschweige denn auch nur ansatzweise vorstellen können. Ein scheuer Versuch sei trotzdem gewagt.

„OK Computer“. Bereits der Titel lässt erahnen, mit welcher Thematik sich die 12 darauf gebannten Schmuckstücke befassen, in welchen Gefilden sich die Musik bewegt. Wie kein anderes Album ist das dritte Album Radioheads ein bitterer Abgesang auf die alles verdrängenden Maschinen, auf die Mechanisierung der Menschheit, das Verdrängen der Emotionen, der Reglosigkeit, Sinnlosigkeit des post-modernen Lebens, der steifen, gekünstelten Professionalität, der sich Radiohead nicht unterwerfen wollten. Jeder der 12 Songs ist ein scharfes Statement zur heutigen Welt – sei es, wenn Thom Yorke in „Airbag“ zynisch über einen möglichen, mechanischen Lebensretter herzieht („I’m amazed that I survived, an airbag saved my life“), in „Subterranean Homesick Alien“ die kargen Lebensumstände kommentiert („I live in a town where you can’t smell a thing“) oder in „No Surprises“ die Unmöglichkeit, glücklich zu sein, erläutert („A heart that’s full up like a landfill, a job that slowly kills you, bruises that won’t heal“). Alles schreit nach Verzweiflung, nach Aussichtslosigkeit, nach hoffnungsloser Ausgeliefertheit. Auch musikalisch wird das Mechanische bestens umgesetzt: Motorgeräusche, elektronische Blips, raue, verzerrte Gitarrenduelle, stets nach vorne treibende, roboterhafte Drums, schräge Synkopen und seltsame Harmonien sowie Thom Yorkes wehleidiger, verstörter Gesang werden zu einem paranoiden, düsteren Meisterwerk gesponnen. Obwohl die Rockmusik trotz allen Verzerrungen durchaus noch zu erkennen ist und sich nebst den überaus komplexen Gebilden wie „Paranoid Android“ auch einfachere (aber nicht minder deprimierende…) Stücke wie „Exit Music (For A Film)“ finden lassen, lassen Songs wie „Fitter Happier“ keine Zweifel an Radioheads Botschaft und der Einzigartigkeit der Band: Eine Computerstimme aus einem Sprachtextprogramm von Apple erzählt dem Hörer in zynischer Manier, was zu tun und zu lassen ist: „(…) Not drinking too much, regular exercise at the gym (…) Eating well, no more microwave dinners and saturated fats (…) Sleeping well, no bad dreams, no paranoia.“ Keine Aussage kann die heutigen Umstände wohl besser zusammenfassen, kein Statement ist so schonungslos akkurat. Radiohead treffen mit „OK Computer“ mehr als jede andere Band den Nerv der Zeit und offenbaren sich als intelligente, innovative Musiker mit scharfer Beobachtungsgabe. Und genau deshalb haben sie den Titel „Meilenstein“ mehr als verdient. Grossartig.

Seit 16. Juni 1997 im Handel.

Anspieltipps: Exit Music (For A Film), Karma Police, Climbing Up The Walls, Lucky
similar artists: keine

Bio:

Thom Yorke (Vocals, Gitarre), Ed O’Brien (Gitarre, Vocals), Jonny Greenwood (Gitarre), Colin Greenwood (Bass), and Phil Selway (Drums) gründeten Radiohead als Studenten der Oxford Universität im Jahre 1988. Ursprünglich mit dem Namen On A Friday, begannen sie ihre musikalische Karriere in den frühen 90er Jahren, als sie 1992 die Drill EP veröffentlichten. Kurz danach unterzeichneten Radiohead einen Plattenvertrag mit EMI/Capitol und brachten die erste Single „Creep“ auf den Markt, die zu einem Smashhit avancierte. 1993 folgte das Debütalbum Pablo Honey, begleitet von extensiven Touren. 1995 wurde der Nachfolger „The Bends“ veröffentlicht, der von Kritikern mit Lob förmlich überhäuft wurde. 1997 schliesslich erschien das bisher erfolgreichste Album „OK Computer“, das Radiohead zu Rockgiganten machte und grossen Druck auf die nächste Veröffentlichung mit sich brachte. Trennungsgerüchte und Krisen zum Trotz nahmen Radiohead bisher drei weitere Alben („Kid A“, 2000; „Amnesiac“, 2001 und „Hail To The Thief“, 2003) auf und gaben zudem ein Live-Album mit dem Titel „I Might Be Wrong – Live Recordings“ (2001) heraus. Momentan sind Radiohead wieder im Studio, um das neue Album aufzunehmen, dass in Bälde folgen soll.

Diskographie:
> Drill EP (1992)
> Pablo Honey (1993)
> The Bends (1995)
> OK Computer (1997)
> Kid A (2000)
> Amnesiac (2001)
> I Might Be Wrong – Live Recordings (2001)
> Hail To The Thief (2003)