Exit Music
Olli Schulz & der Hund Marie – Brichst du mir das Herz, dann brech’ ich Dir die Beine
Olli Schulz & der Hund Marie – Brichst du mir das Herz, dann brech’ ich Dir die Beine

Olli Schulz & der Hund Marie – Brichst du mir das Herz, dann brech’ ich Dir die Beine

Erstellt am: 14.10.2010
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Erstellt am: 14.10.2010   Autor:

Ältere Schmuckstücke

Die Leichtigkeit des Seins

Der Titel des ersten Albums von Olli Schulz ist schlicht genial und der putzig dreinblickende Bär auf dem Cover rückt die natürlich nicht ernst gemeinte Drohung ins rechte Licht. Der Titel widerspiegelt aber auch die klaren und einfachen, sowie witzigen Geschichten des Hamburgers perfekt.

Deutschsprachige Musik wirkt oft etwas hölzern, unharmonisch oder einfach nur peinlich. Doch glücklicherweise muss ich nicht irgendwas über Rammstein schreiben, sonst wäre ich jetzt am Ende. Hier geht es um Oliver Marc Schulz, wie der in Berlin lebende Olli Schulz mit bürgerlichem Namen heisst. Mit seinen Texten hebt er das Schwere aus dem Herzen und bringt die Beine in Bewegung. Der erste Song „Weil die Zeit sich so beeilt“ ist ein ganz grosser, traurig schöner Einstieg in eine Platte, die es schafft, die alltäglichsten Dinge im Leben in subtile und witzige Reime zu packen. Eine Platte, welche die  verschiedensten Gefühle mit den einfachsten Weisheiten, viel Humor und Optimismus aus dem Wasser angelt und sie sicher zurück an Land bringt.

„Die Sonne geht weg und die Nacht bricht an / Der Tank ist voll und der Sommer noch lang / Wir schmecken die Luft und wir öffnen das Bier / Der Strand ist leer, nur wir sind noch hier.“ („Unten mit dem King“)

Der Song erzählt vom wilden Treiben in der Stadt und der Zurückgezogenheit mit alten Lieblingsbands wie Rocket From The Crypt. Das folgende „Spürhund“ geht sogar noch weiter und spielt augenzwinkernd mit der Möglichkeit sich ins Zeugenschutzprogramm zu schleusen. „Schickt mich auf die Insel zu Biggie Smalls und Tu’Pac / Gebt mir einen Namen und bringt mich von hier weg“. Es macht wirklich Spass, wie Olli Schulz in seinen Songs lustige und schräge Ideen mit bodenständiger Realität verbindet und der Melancholie immer wieder den nötigen Platz einräumt: „Man nimmt gern alles mit was nur irgendwie nach Spass riecht und das grosse Los verspricht / Und wenn es still wird kann man fühlen wie das Herz zerbricht“

„Der Moment“ hält die Zeit still und berichtet von der Kraft eines einzigen Augenblicks und das folgende „Küss mich schnell bevor du platzt“ stellt auf witzigste Weise den prallvollen Kühlschrank auf die eine Waagschale, und den heiss herbeigesehnten Kuss auf die andere.
Wobei der Zauber eines Kusses natürlich die feinsten Leckereien zu Nebendarsteller degradiert. „Die Nacht neigt sich dem Ende und draussen wird es hell / Sei mir nicht so böse, wenn ich den Teller jetzt mal eben kurz weg stell“.

Musikalisch bietet „Brichst du mir das Herz, dann brech’ ich Dir die Beine“ feinsten Gitarren-Pop, schöne Melodien und die ständige Suche nach der perfekten Hookline (siehe „Song ohne Grund“). Unterstützt wird Ollie grösstenteils von Max Schröder (aka „Der Hund Marie“). Aber auch Marcus Wiebusch (Kettcar) und Thees Uhlmann (Tomte) sind mit einigen Background Vocals auf dem Album vertreten und den Intro-Dialog zu „Küss mich schnell bevor du platzt“ spricht Nora Tschirner.

Wie viel Sorgfalt es braucht um einer geliebten Person ein tolles Mixtape zusammen zu stellen, und was man alles dafür tun würde um diesen einen Song zu bekommen, davon berichtet Olli Schulz in „Nimm mein Mixtape, babe“ „Ich hab alles aufgenommen, jeden Song bekommen / Massenhaft CD’s gekauft, auf manchen war nur ein Hit drauf / Nich’ so schlimm, nich’ so schlimm, das Mixtape muss stimmen“. Natürlich entpuppt sich eben jener Song selbst als der perfekte Opener für ein Mixtape.

Doch auf „Brichst du mir das Herz, dann brech’ ich Dir die Beine“ hat es gleich zwölf potentielle Mixtape Lieder drauf, zwölf potentielle Hits, die allesamt durchgehend überzeugen und  dieses Album, zumindest für mich, zu einem der wohl besten deutschsprachigen Platten machen. Diese charmanten, ehrlichen und eingängigen Songs von Olli Schulz machen einfach wahnsinnig viel Freude und sprechen wohl vielen aus dem Herzen. Das ganze Album wirkt süss und leicht wie Kinderschokolade und hat da und dort sogar etwas Märchenhaftes: „Oh, das erste mal geküsst, das erste mal vermisst / Wie gut dass niemand weiss, dass ich Rumpelstilzchen heiss“ („Spürhund“)

Da es schwer ist über dieses Album passende Schlussworte zu finden, zieh ich Olli Schulz gleich mit ins Märchenland und ernenne ihn zumindest hier und jetzt zum König, wobei er sich als lustiger Hofnarr mit Gitarre bestimmt besser eignet.
„Vom letzten Königskind und seiner Reise, die war lang / Er hat den Blues nicht neu erfunden / Aber war verdammt nah dran“ („Das letzte Königskind“)

Seit 2003 im Handel.

Anspieltipps:
> Weil die Zeit sich so beeilt
> Spürhund
> Elefanten
> Nimm mein Mixtape, babe

Diskographie:
> Brichst du mir das Herz, dann brech’ ich Dir die Beine (2003)
> Das beige Album (2005)
> Warten auf den Bumerang (2006)
> Es brennt so schön (2009)

Ähnliche Künstler:
> Kettcar
> Tomte
> Gisbert zu Knyphausen
> Niels Frevert
> ClickClickDecker
> Peter Licht
> Der Hund Marie