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Nick Drake – Pink Moon
Nick Drake – Pink Moon

Nick Drake – Pink Moon

Erstellt am: 20.06.2009
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Erstellt am: 20.06.2009   Autor:

Ältere Schmuckstücke

Have you never heard a way to find the sun?

Nick Drake war alles andere als ein Sonnenkind. Seine Karriere war kurz, Depressionen wurden zum ständigen Begleiter des schüchternen jungen Mannes, der in nur drei Jahren mit seinen Alben „Five Leaves Left“, „Bryter Layter“ und „Pink Moon“ etwas schuf, was den meisten Künstlern über Jahrzehnte verwährt bleibt: drei absolute Meisterwerke.

 

Im Frühling 1968 wurde Nick Drake von Fairport Convention Bassist Ashley Hutchings bei einem Festival in London entdeckt. Dessen Manager Joe Boyd war von dem talentierten jungen Mann sichtlich begeistert und produzierte später alle drei Platten von Nick Drake. Im Unterschied zu seinen ersten beiden Alben, ist auf „Pink Moon“ wirklich nur noch Nick Drake zu hören. Ganz allein und in kurzer Zeit spielte er sein letztes und vielleicht bestes Album ein.

„Pink Moon“ klingt in vielerlei Hinsicht wie ein Abschlusswerk, ein letzter Versuch seinen poetischen Texten Ausdruck zu verleihen. Es sind Songs, die zwischen Hoffnung und Resignation herum schwimmen und widerspiegeln, welche Bilder Nick Drakes Seele  auf sich trägt: „Now I’m darker than the deepest sea / Just hand me down give me a place to be“ („Place to Be“).
Zusammen mit den elf kurzen, minimalistisch instrumentierten Songs, reist man ein letztes Mal durch die Gedanken –und Seelenwelt von Nick Drake und geniesst dabei seine wunderschöne Stimme, sein einzigartiges Gitarrenspiel und das ab und zu wegweisende Piano. Einmal mehr kreiert Nick Drake eine traurig schöne Stimmung, die den Hörer still umgibt und sich mit aller Deutlichkeit tief ins Herz hinein frisst: “Know that I love you / Know I don’t care / Know that I see you / Know I’m not there“ („Know“).

„Don’t be shy you learn to fly / And see the sun when day is done / If only you see“ („Things Behind the Sun“). Jeder noch so kleine, glückliche Moment hält uns am Ende eines Tages warm, genau wie der letzte Sonnenstrahl, bevor sich die dunkle Nacht daran macht, einige besonders sensible Wesen ihre Netze zu spinnen. Trotz den schwarzen Wolken in seiner Seele, die sich wohl mit der Zeit immer mehr verdichteten, hat Nick Drake bestimmt viele schöne Momente erlebt. Gerade in seiner Schulzeit wurde er von seinen Freunden als zwar schüchterner, aber doch glücklicher Mensch wahrgenommen. Später reiste er mit ihnen durch Frankreich, lernte die Sprache, lebte zeitweise mit seiner Schwester in London, studierte an der Cambridge Universität Englisch und pflegte stets seine Leidenschaft zum Gitarrenspiel, welches er schnell perfektionierte. Doch es schien klar, dass die Sonnenseite des Lebens nicht für lange, das wohl introvertierte, grüblerische Wesen von Nick Drake in den Schatten stellen würde.

Nick Drake stand nie gerne auf der Bühne und spielte auch nur wenige Konzerte in seiner Karriere. Nach der Veröffentlichung seines zweiten Albums „Bryter Layter“ zeigten sich bei ihm verstärkte Anzeichen einer Depression, die Schattenseiten seiner Seele nahmen ihn immer mehr ein und selbst als ihm von seinem Psychiater Antidepressiva verschrieben wurden, linderte dies seinen Zustand nicht merklich. Er zog sich immer mehr zurück und es schien nur logisch, dass er infolge dessen 1972 mit „Pink Moon“ sein letztes Album veröffentlichte.

„And I was strong, strong in the sun / I thought I’d see when day is done / Now I’m weaker than the palest blue / Oh, so weak in this need for you…“(„Place to Be“). Man kann nur erahnen, wie sich Nick Drake in den letzten Wochen und Monaten vor seinem Tod gefühlt haben muss, in einer Welt, in der er sich in einigen Momenten wohl am liebsten in der Erde verbuddelt hätte. „And take a look you may see me on the ground / For I am the parasite of this town“ („Parasite“).

Am 25. November 1974 stirbt Nick Drake an einer Überdosis Antidepressiva, man geht von Selbstmord aus… Die Texte und die Musik, die Nick Drake hinterlässt, gehen ins Ohr, ans Herz und vermitteln einen starken Eindruck, wie er die Welt um sich und vor allem in sich wahrgenommen hat, wie er sie verarbeitete und wie er wohl bis zum Schluss auch einen Weg gesucht hatte die Sonne als einen stetigen Begleiter in seine Seele einzuschleusen. Doch wie so oft hat die Nacht das letzte Wort, die einem mit ihrer Melancholie verzaubern kann, die aber auch all zu dunkel erscheinen mag, wären da nicht die Sterne und der Mond. „You can say the sun is shining if you really want to / I can see the moon and it seems so clear / You can take the road that takes you to the stars now / I can take a road that’ll see me through“ („Road“).

Die Schönheit und der Zauber von „Pink Moon“ ist zwar kurz ,aber dafür lang anhaltend. „Pink Moon“ ist ein Stück Musik zum Festhalten, um sich daran zu wärmen, um die Hoffnung und die Traurigkeit zu spüren, die diese zumindest musikalisch letzten grossen Worte von Nick Drake auslösen. Eine grosse Liebe, die bestimmt nicht nur mein Herz eingenommen hat… und hoffentlich noch viele Leute berühren wird!

„I saw it written and I saw it say / Pink moon it’s on ist way / And none of you stand so tall / Pink moon gonna get you all“ („Pink Moon“)

Seit 1972 im Handel.

Anspieltipps:
> Pink Moon
> Place to Be
> Ride

Diskographie:
> Five Leaves Left (1969)
> Bryter Layter (1970)
> Pink Moon (1972)

Ähnliche Künstler:
> Leonard Cohen
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> Bert Jansch
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