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Myrto – Myrto
Myrto – Myrto

Myrto – Myrto

Erstellt am: 28.03.2015
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Erstellt am: 28.03.2015   Autor:

Rezensionen

„immerno überzügt de vo was’d’uselahsch das heg niveau“

Myrto ist wohl vor allem als Sängerin der Zürcher Hip-Hop-Combo Subzonic ein Begriff. Ihre beiden Soloalben aus den Nullerjahren sind den Meisten wohl (noch) unbekannt. Dieser Missstand muss korrigiert werden.

Das einzige was über die Trennung von Subzonic weg trösten konnte, war das es voraussichtlich weiterhin Platten der Sängerin Myrto geben würde. Doch die Freude hielt nur kurz. Denn nach dem zweiten Album (Die Mit O) herrscht zwar nicht Funkstille, denn Myrto moderiert bei Radio 24, aber doch gähnende Leere in den Plattenläden. Es sind auch keine neuen Platten geplant, deshalb müssen wir uns mit denen begnügen die wir haben. Diese haben es aber in sich.

Besonders auf den ersten beiden Tracks der Soloplatte, die veröffentlicht wurde noch bevor Subzonic sich offiziell getrennt hatte, hört man noch gut wo Myrto die Jahre zuvor in musikalischer Hinsicht verbracht hatte. Das mag wohl zum einen daran liegen, dass ein Grossteil des Personals aus den damaligen Bandkollegen bestand. Zum anderen knüpft sie so an vergangene Erfolge an und stellt ihr neues Schaffen in einen kausalen Zusammenhang mit dem was zuvor war. „Myrto“ ist demnach keine Abkehr von der Vergangenheit, sondern eine Hinwendung zur Zukunft. Es wird eine für den Hörer verständliche Erneuerung und wohlwollende Weiterentwicklung des bekannten Sounds vorgenommen, ohne das bisherige zu entwerten.

Die Platte startet peppig und hoffnungsvoll mit „Ich glaub a mich“, einem Song bei dem Myrto gleich richtig zur Geltung kommt. Ein gelungener Track der die Stärken der Sängerin in den Vordergrund stellt: Ihre unverkennbare Stimme. Der bewährten, Ends-90er-Jahre Produktionsstil, der für den eingängigen Sound von Subzonic gesorgt hat, wurde noch weitgehend beibehalten. „Red mit mir“ zeigt aber schon einen starke Wandel zu einem eigenständigen Sound: Souleinflüsse in der Instrumentalisierung und eine jazzartigen Stimmführung bringen eine andere Seite von Myrto zur Geltung. Seltsamerweise tönt diese andere Seite manchmal etwas stark nach Liftmusik. „De perfekti Maa“ ist eigentlich prädestiniert für einen funkigen Song à la Prince, der mit einem Augenzwinkern über die Probleme der modernen Frau referiert. Doch die Produzenten haben eine andere Richtung eingeschlagen. Diese ist zwar nachvollzierbar, wenn man sich den Text genauer anschaut; aber trotzdem eine vertane Chance.

„Ich han scho vill usprobiert

s’häd no nie richtig funktioniert

will wenn mal eine so isch wie-n-en gär hett

wird’s eifach nur fad und nett“

Wenn denn die Musik mal den Text perfekt reflektiert, tönt’s beim flüchtigen Hinhören einfach nur noch fad und unspektakulär. Und auch mit flauschigen Balladen ganz im Stil einer anderen schweizer Band aus Interlaken kann das Album dienen. „Ich liebe“ ist eigentlich ein vertonter Liebesbrief der die positiven Punkte dieser Person aufzählt.

Die beiden Herzstücke des Albums sind aber zwei andere Songs. „F-R-E-I“, die Singleauskoppelung, und „Niemer häd di gern“. Der Erste ist ein Song um die Batterien wieder aufzuladen und der Andere ein Song um in Schwung zu kommen.

„F-R-E-I“ war ganz zu Recht die Singleauskoppelung. Ein eingängiger Refrain, der man schon bei der zweiten Wiederholung voller Inbrunst mitsingen kann und nicht nur mitmurmeln; ein Text so unspezifisch, dass sich jedermann angesprochen fühlen kann abgerundet mit einer perfekte Instrumentalisierung. Mehr kann man sich nicht wünschen. „Niemer häd di gern“ hingegen ist der Song der so gar nicht ins Albumkonzept passen will: Eine Swingperle versteckt zwischen vielen Popsongs. Schon dieser Fund alleine macht den Tauchgang lohnenswert.

Seit April 2004 im Handel erhältlich

Anspieltipps:
Niemer häd di gern
F-R-E-I
Ich glaub a mich