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Los Lobos – Kiko
Los Lobos – Kiko

Los Lobos – Kiko

Erstellt am: 06.03.2013
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Erstellt am: 06.03.2013   Autor:

Ältere Schmuckstücke

Im Traumzustand

Sie werden zwar nicht müde, es nochmals zu versuchen, aber so gut wie 1992 waren Los Lobos nie wieder. Spielt keine Rolle, so gut war schliesslich fast niemand und “Kiko“ ist gut gealtert.

Los Lobos? Genau. Aber nicht nur, und auch nicht nur irgendeine eine weitere Rockband del este de Los Angeles. Dies bezeugten sie schon in den 70ern, in den 80ern folgte der kommerzielle Erfolg und mit “Will the Wolf Survive?“ und “The Neighbourhood“ sicherte sich die Chicano-Band das definitive Wohlwollen der Musikpresse. So weit, so gut. Dann folgte “Kiko“.

Auf “Kiko“ gingen Los Lobos mit jedem Stück ein neues Wagnis ein, ein jeder Song ein neues Experiment, und was längst ausser Kontrolle hätte geraten müssen, endet als surreales, aber stimmiges Americana-Meisterwerk.

Los Lobos spielten hier auf den Punkt. Verharren und Schwelgen in der Schönheit von Melodie und Spiel gibt es hier nicht – die Songs sind reduziert und kurz, gleichen einem Konzentrat, das noch lange nachwirkt. Die beiden Frontmänner David Hidalgo und Louie Perez sind wahre Genies, ihre Mitmusiker in jedem Song absolut meisterlich. Doch mit jeder Runde mehr, die “Kiko“ dreht, drängt sich der Verdacht auf, dass Produzent Mitchell Froom das grösste Wunder wirkte. Die surreale Wirkung, die “Kiko“ auszeichnet, dürfte auch auf ihn zurückzuführen sein. Der eindringlichen und entrückt wirkenden Perkussion ordnet sich alles unter, elektronische Tonspuren sind geschickt eingesetzt und halten zusammen, was nicht zusammengehört.

Spätestens ab dem titelgebenden „Kiko and the Lavender Moon“ reiht sich Höhepunkt an Höhepunkt. Der Titelsong ist eine verzauberte Cumbia mit einer Melodie für die Ewigkeit und Bläsersätzen, die direkt einem Film Noir entnommen sind. Beatleske Melodien und Stimmen vereinen sich im darauffolgenden “Saint Behind The Glass“ mit von Harfensaiten geprägten Jarocho-Klängen.

Gut die Hälfte der Songs ist frei von lateinamerikanischen Klangfarben. Das mild gestimmte Folk-Rock-Stück “When The Circus Comes“ hätte sich auch auf einem der ersten Alben von The Band gut gemacht, so toll ist das. “Just A Man“ ist ein epischer Blues-Kracher, der jazzige Akkordabfolgen in ein wahnsinniges Gitarrensolo übergehen lässt. Und das psychedelische “Peace“ braucht nicht viel mehr als unverwüstliche Akustik-Gitarren-Riffs und Funk-Licks, um absolut süchtig zu machen.

“Kiko“ spinnt irgendwie den Gedanken der Cosmic American Music weiter, der schon Gram Parsons oder The Band unvergängliche Alben schaffen liess. Und wie diese ist auch “Kiko“ überirdisch und sehr menschlich zugleich.

Seit dem 26. Mai 1992 im Handel erhältlich.

> Hören und Kaufen

Anspieltipps:
> Angels with Dirty Faces
> Kiko and the Lavender Moon
> When the Circus Comes
> Just A Man