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John Hartford – Aereo-Plain
John Hartford – Aereo-Plain

John Hartford – Aereo-Plain

Erstellt am: 07.01.2013
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Erstellt am: 07.01.2013   Autor:

Rezensionen

In seinem Element

Sie sind oft zu lesen, vielleicht nicht hier, aber bestimmt irgendwo: Worte über Alben, die  an andere Orte und in andere Zeiten entführen.

Mit jeder Runde, die „Aereo-Plain“ dreht, drängen sich diese überstrapazierten Worte wieder auf. Wir sparens uns diesmal … John Hartford hat Anfang der 70er-Jahre eine Handvoll bereits damals legendärer Picker (darunter Randy Scruggs und Norman Blake) um sich geschart, um in einem Take ein Album einzuspielen, das Eindruck hinterlassen sollte.Besonders anders oder neuartig klang es nicht, im Gegenteil. Es gab auch keinerlei Anlass zur stilistischen Abgrenzung. Die Gospel-Klänge zu Beginn, der Bluegrass, der folgt, sie klingen wie eh und je, nur halt besonders gut. Aber sie ebneten den Weg für eine ganze Bewegung, die den Bluegrass am Leben hielt.Auf „Aereo-Plain“ treffen Welten aufeinander. „Bluegrass music is a thing of the past“ singt  Hartford im „Steamboat Whistle Blues“, und so ist es auch, es ist die Musik vergangener Tage, die hier auf das erweiterte Bewusstsein eines sentimentalen Hippies trifft. So erklingt nur einige Minuten vor dem tief bewegenden Gitarrenspiel in „Presbyterian Guitar“ ein Ausbruch von Emotionen anderer Art, ein Zeugnis unverfälschter Begierde („Boogie“). Nicht immer wird Hartfords Freude und Unbeschwertheit derart deutlich, doch in so manchem Song haben sich verdrehte Zeilen eingefunden, die noch lange nachhallen.Stück für Stück treiben Banjo, Dobro, Fiedel und Bass voran, wie der Mississippi an ruhigen Tagen. „Aereo-Plain“ entfaltet seine Wirkung erst, wenn es in seiner Gänze gespielt wird. Einige Songs stechen trotzdem besonders hervor: „First Girl I Loved“ etwa ist ein weiteres Beispiel von Hartfords wunderschöner Südstaaten-Poesie, eingebettet in zeitloser Melodie, „With A Vamp In The Middle“ ist mit „Presbyterian Guitar“ das schönste Stück des Albums.Heute gilt „Aereo-Plain“ als ein Meisterwerk der Americana. Die Gebrüder Warner sahen das damals noch etwas anders. Nachdem Warner keinen Finger krümmte, um den 72er-Nachfolger „Morning Bugle“ zu vermarkten, entschied sich Hartford dazu, das Musikerdasein hinter sich zu lassen und sich fortan dem zu widmen, worüber er bislang nur gesungen hat: Er manövrierte Dampfschiffe den Mississippi hoch und runter.“Aereo-Plain“ und „Morning Bugle“ wurden Ende letzten Jahres von Real Gone Music nochmals neu aufgelegt… das 2-CD-Set ist in den USA bereits erschienen, anderswo ab Mitte Januar erhältlich.Seit 1971 im Handel erhältlich.

Anspieltipps: > Steamboat Whistle Blues > Presbyterian Guitar > Tear Down the Grand Ole Opry

Diskographie:

> Looks at Life (1967) > Earthwords & Music (1967) > The Love Album (1967) > Housing Project    > Gentle On My Mind & Other Originals (1968) > John Hartford (1969) > Iron Mountain Depot (1970) > Aereo-Plain (1971) > Morning Bugle (1972) > Nobody Knows What You Do (1976) > Mark Twang (1976) > All in the Name of Love (1977) > Headin‘ Down Into the Mystery Below (1978) > Slumberin‘ on the Cumberland (1979) > You and Me at Home (1981) > Catalogue (1981) > Gum Tree Canoe (1984) > Annual Waltz (1986) > Down on the River (1989) > Cadillac Rag (1991) > Goin‘ Back to Dixie (1992) > The Walls We Bounce Off Of (1994) >No End of Love (1996) > Wild Hog in the Red Brush (1996) >The Speed of the Old Long Bow  (1998) > Steam Powered Aereo-Takes (2002)