Exit Music
Jem – Finally Woken
Jem – Finally Woken

Jem – Finally Woken

7.0

Genre:
Label: ATO Records

Erstellt am: 29.04.2014
Autor:
Erstellt am: 29.04.2014   Autor:

Ältere Schmuckstücke

„I wish this could be a happy song“
Ein melancholisches Debüt

Fast genau zehn Jahre ist es her seit der Veröffentlichung dieses Albums der walisischen Singer Songwriterin Jem. Diese Trip-Hop-Diamantensammlung hat bis heute nichts von ihren Karat eingebüsst.

Das ist aber eigentlich auch gar nicht möglich. Die meisterhaft arrangierten Kompositionen strahlen mit einer zeitlosen Eleganz, die nicht an Musikvorlieben einer Saison gebunden sind. Jem ist ein Debütalbum gelungen, das nicht nur durch seine musikalische Brillianz überzeugt, sonder auch mit inspirierten Texten glänzt.

Der Titeltrack ist zugleich auch die erste Singleauskopplung des Albums und ein Brillant unter Diamanten. Das gesampelte Vokalstück, seinerseits bereits eine Acapellabearbeitung eines Bach Präludiums, die Musik und der Gesang verschmelzen auf faszinierende Weise miteinander. Das Sample ist nicht einfach irgend eine Melodie, welche den Hörer einlullen und über die fehlende künstlerische Vision hinwegtäuschen soll, sondern integraler Bestandteil des Songs. Auch „24“ überzeugt mit seinem durchdachten Gesamtkonzept. Der Songtext wird direkt in der Musik umgesetzt und lässt so den Hörer die Gefühlswelt der Protagonistin akustisch miterleben: Das fortwährende Ticken einer Uhr, die repetitive Violinenmelodie, die stoisch Schläge des Schlagzeugs, die bedrückenden Basswände und die klagende Kirchenglocke stehen im faszinierenden Kontrast zum gemütlichen Gitarrengeklimper und dem sanften Gesang: Nichts geht vorwärts obwohl die Zeit immer Schneller ausläuft.

Ein besonderes Text-Schmuckstück ist „Missing You“. Geschrieben von Jem zusammen mit ihrem Bruder Justin Griffiths, ist der Song einem verstorbenen Freund gewidmet. Man spürt beim zuhören den Schmerz der in diesem Song steckt. Fast fühlt man sich, als ob man bei einem sehr intimen Moment stören würde. Dieser Eindruck kommt bei „Come Closer“ hingegen zuerst gar nicht auf. Der Gesang ist so sehr Teil der Musik das der Inhalt beinahe nebensächlich wirkt. Jem nimmt genau die richtigen Worten in den Mund, um einen sehr intimen Moment dezent zu beschreiben. Dabei bleibt der Text völlig unverklemmt ohne jedoch jemals ins obszöne abzugleiten.

Dieses grundlegende Verständnis vom richtigen Mass, dem richtigen Verhältnis von Text zu Musik oder von ausgedrücktem zu impliziertem Inhalt ist was „Finally Woken“ auszeichnet. Wer sich vom (fast) allgegenwärtigen melancholischen Unterton nicht abschrecken lässt, hat mit „Finally Woken“ ist ein solides Trip-Hop Album in der Hand, das mit seiner subtilen Schlichtheit und seinen ausgefeilten Arrangements überzeugt.

Seit 19.09.2005 im Handel erhätlich

Anspieltipps:

Come On Closer

Save Me

24

Missing You (in loving memory of PJ Matthews)

Falling For You

Stay Now