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Jack Frost – Jack Frost
Jack Frost – Jack Frost

Jack Frost – Jack Frost

Erstellt am: 11.06.2011
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Erstellt am: 11.06.2011   Autor:

Ältere Schmuckstücke

Australisches Traumpaar

Steve Kilbey von The Church und der 2006 leider viel zu früh verstorbene, Grant McLennan von The Go-Betweens schlossen sich Anfang der 90er zusammen, nannten ihr Projekt „Jack Frost“ und veröffentlichten zwei grossartige Alben, wobei vor allem der 1991 erschienene Erstling die besten Elemente zweier herausragender Songwriter vereint. Oder in den Worten Steve Kilbeys: „Some of our best work ever ever“

Auf Wikipedia habe ich mit dem Suchbegriff „Jack Frost“ kein einziges Wort von der Zusammenarbeit der zwei vielleicht besten australischen Songwriter gefunden. Dafür weiss ich nun, dass eine österreichische Doom Metal Band namens Jack Frost ihr Unwesen treiben und ein Horrorfilm gedreht mit dem Killerschneemann  in der Hauptrolle wurde. Für die etwas Zartbesaiteten gibt es auch noch eine gleichnamige Komödie aus dem Jahre 1998. Damit bin ich nun die unnützen Informationen gleich zu Beginn losgeworden und wende mich nun dem wohl einzig erwähnenswerten Projekt mit dem Namen Jack Frost zu.

Die Single „Every Hour God Sends“ ist ein wunderbar stampfender Einstieg, der die Tür zum Paradies weit aufstösst. Ist man erst mal über die Schwelle getreten, erschliessen sich die darauf folgenden Songs auf Anhieb als kleine, wunderbare Pop-Perlen. Auf „Jack Frost“ spielen Kilbey und McLennan fast alle Instrumente selbst und teilen sich auch den Platz am Mikro brüderlich auf. Die gemeinsam geschriebenen Songs bieten eine tolle Ergänzung zu den bereits schon überragenden Veröffentlichungen von The Church und The Go-Betweens, sowie den jeweiligen Solo-Releases. Dem gemütlichen Folk Song „Civil War Lament“ folgt „Geneva 4 A.M“, welches gar mit leichten Jazz/Easy Listening Einflüssen aufwartet.

Ein erstes Highlight unter vielen ist der kurze Spoken Word Einschub „Trapeze Boy.“, das von Grant McLennan gesprochen wird. Eine nette, etwas traurige Geschichte, die mit der Erkenntnis endet: „It’s funny how someone you’ve never met manages to stay with you.“
Das von Kilbey gesungene „Providence“ ist der vielleicht beste Song auf dem Album und Steve Kilbey scheint durchaus auch sehr stolz darauf zu sein, eröffnet er doch sein 2001 erschienenes „Acoustic & Intimate“ Album mit eben diesem Song. „Thought That I Was Over You“ ist ein wunderbar sonniger Ohrwurm, der das etwas wehmütige Zurückblicken auf eine Beziehung geschickt in eine musikalisch fröhliche Kiste steckt. „Threshold“ greift das gleiche Thema mit der oft wiederholten Zeile „How long will you keep me waiting“ nochmals auf. Ein Song, der musikalisch auch perfekt auf ein The Church Album gepasst hätte. Das folgende, atmosphärische „Number Eleven“ ist quasi die Ergänzung zu „Threshold“ mit dem Refrain „I know you can keep me warm.“

Das von Grant McLennan gesungene „Didn’t Know Where I Was“ wirkt dann wieder etwas leichtfüssiger. Ganz allgemein kann man sagen, dass die Zusammenarbeit zwischen Kilbey und McLennan auf diesem Album perfekt ineinander greift und jeder Song geradezu harmonisch rüber kommt. Ein gutes Beispiel dafür ist sicher „Even as we speak“ mit dem gemeinsam gesungenen Refrain: „Even as we speak, the headlines of the weak / They may be wrong, but I’ll be strong / And you belong with me.“

So bleibt gegen Ende des Albums nur noch die Erkenntnis, dass Steve Kilbey und Grant McLennan alles richtig gemacht haben und dieses Projekt wirklich beide Akteure gewohnt auf höchstem Niveau zeigt. „Ramble“ ist ein weiteres Highlight und der Schlusssong „Everything Takes Forever“ lässt gar noch ein paar Streichern Platz: „You can sing with your partner / You can sing by yourself / You can sing that everything takes forever.“
Leider ist dann aber Schluss und es bleibt einem nur die Repeat-Taste, denn im Vergleich zu The Church und The Go-Betweens verfügen Jack Frost nicht über einen so grossen und durchgehend beeindruckenden Back-Katalog, so dass man einfach ein anderes Album einlegen könnte. 1996 brachten Jack Frost jedoch mit „Snow Job“ noch ein zweites Album raus, welches vielleicht nicht mehr ganz an „Jack Frost“ anknüpfen konnte, was bei diesem kleinen Meisterwerk aber auch äussert schwierig war.

Seit 1991 im Handel.

Anspieltipps:
> Every Hour God Sends
> Providence
> Thought That I Was Over You
> Ramble

Diskographie:
> Jack Frost (1991)
> Snow Job (1996)

Ähnliche Künstler: 

> The Church
> The Go-Betweens
> Steve Kilbey
> Grant McLennan
> The Triffids
> The Bats
> Died Pretty