Exit Music
The Twilight Sad, 10.04.2015 – Kinski Club, Zürich
The Twilight Sad, 10.04.2015 – Kinski Club, Zürich

The Twilight Sad, 10.04.2015 – Kinski Club, Zürich

Erstellt am: 11.04.2015
Autor:
Erstellt am: 11.04.2015   Autor:

Konzerte

And They Would Darken The Memory

Während draussen ein warmer Frühlingstag langsam in die Nacht übergeht, dunkeln The Twilight Sad im Zürcher Kinski Club schon früher ein: Sie machen nicht nur ihrem Namen alle Ehre, nein, sie spielen ein brilliantes Konzert, das eine Band auf ihrem kreativen Höhepunkt zeigt.

Als von den Schotten nur noch ein lautes Feedback zu hören ist, nachdem sie mit dem wunderschönen „And She Would Darken The Memory“ ein furioses Konzert abgeschlossen haben, bleibt besonders ein Eindruck zurück: Es ist alles gesagt. Eine Zugabe gibt es nicht. Es passt, weil es keine braucht. The Twilight Sad haben mittlerweile vier Alben veröffentlicht, die man in zwei Phasen einteilen kann: zu Beginn lauter und ursprünglicher Indierock, danach der ausdifferenziertere und teilweise elektronische New Wave. Was die Band an diesem Abend spielt, ist ein Best of beider Phasen, das klar aufzeigt, was für überragende Songs The Twilight Sad schreiben. Das passt nicht nur in den schummrig ausgeleuchteten Kinski Club, das passt in das Herz eines Publikums, das die Band bereits früh feiert. Dies scheint auch James Graham zu freuen, der mit unüberhörbar schottischem Akzent selten Ansagen macht – dafür aber äusserst dankbare. Er ist es, der die Bühne bewegt, während die Band tief im Shoegaze steckt. Graham steht jederzeit unter Strom, erhöht immer im richtigen Moment die Spannung. Selten lebt ein Frontmann so ehrlich und auf einzigartige Weise seine Musik.

The Twilight Sad klingen nicht wie andere Bands und es erstaunt, dass die Resonanz auf ihre Alben zurückhaltend bleibt. Besonders auf ihr aktuelles sowie hervorragendes Album “Nobody Wants to Be Here and Nobody Wants to Leave”. Zusammen mit dem Debüt „Fourteen Autumns & Fifteen Winters“ hat die Band aus der Nähe von Glasgow damit bereits zwei aussergewöhnliche Alben in der Diskographie – und ist trotzdem noch ein Geheimtipp. Die Indieromantiker wird dies nicht stören, weil sie dank diesem Umstand ein Clubkonzert erleben, bei dem sich die Energie, die von Graham ausgeht, unmittelbar überträgt. Sei es im tollen Openerduo „There’s a Girl in the Corner“ und „Last January“ oder im ewig überragenden „I Became A Prostitute“. Die neue Single „It Never Was the Same“ ist ebenso ein Glanzstück wie das live besonders gross funktionierende „I Could Give You All That You Don’t Want“. Die neue Platte steht im Zentrum und gerade dann, wenn alles perfekt passt, gehen The Twilight Sad von der Bühne und aus dem Raum: Es ist alles gesagt.