Exit Music
Sigur Rós in der St. Jakobshalle in Basel, 24.02.2013
Sigur Rós in der St. Jakobshalle in Basel, 24.02.2013

Sigur Rós in der St. Jakobshalle in Basel, 24.02.2013

Erstellt am: 25.02.2013
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Erstellt am: 25.02.2013   Autor:

Konzerte

Wenn der Vorhang fällt

Die Schwere dieses Abends wirkt noch lange nach. Die Bilder, die Lieder und vielleicht auch die Jahreszeit, die an diesem Sonntag in allen
grauweissen Facetten zuschlägt. Sigur Rós sind nicht gekommen, um gute Laune zu machen. Sie gehen tiefer.

Sigur Rós beginnen ihr Konzert in Basel gewagt mit einem neuen Song und „Lagið Í Gær“ von der Hvarf/Heima-Compilation. Insgesamt sind es am Ende vier neue Stücke, welche die Band unter die Highlights ihrer Karriere mischt. Vom aktuellen Album „Valtari “ spielen sie gerade nur „Varúð“ und das Album „Með Suð Í Eyrum Við Spilum Endalaust“ lassen sie ganz weg. Das hat alles seinen guten Grund: Düster und geheimnisvoll ist die Stimmung an diesem Abend, die Songs entsprechend gewählt. Die Bühnenshow mit Lichtern wie Glühwürmchen ist wunderschön, die Band live schlicht fantastisch. Der glasklare Gesang von Jónsi und die enorme Wucht, welche einem entgegenschlägt. Eine ganze Fussballmannschaft steht auf der Bühne und einige Protagonisten wechseln gewohnt fleissig die Instrumente. Wer Sigur Rós mit dem Album „( )“ entdeckt hat, der wird heute noch ein bisschen glücklicher sein als alle anderen. Alleine schon nur wegen „Popplagið“, dem wahrscheinlich besten Schlusssong aller Zeiten. Dass eine Band, die vorwiegend wegen ihrem musikalischen Schöngeist bekannt ist, die Halle dermassen zerlegen kann, beweist ihren Anspruch, der weit mehr ist als nur Ambient. Sigur Rós bleiben einzigartig.

Und auch wenn sie auf „Valtari“ den Zauberstab kurz verlegt haben, ist dieser immer noch da und die Isländer scheinen ihn schnell wiederzufinden: Die neuen Songs gehen wieder in eine ganz andere Richtung. Ein bisschen Elektronik, mehr Tempo und verfremdete Elemente. Besonders die Zugabe „Hrafntinna“ besticht durch eine aussergewöhnlich tolle Perkussion, die in ihrer Kernidee an „Sæglópur“ erinnert – übrigens genauso ein Klassiker, der gespielt wurde, wie „Svefn-g-englar“, „Olsen Olsen“ und „Glósóli“. Gefeiert wurde die Band am Schluss noch lange und wer mit den Nachbildern ihrer visuellen Eigenwelt in die kalte Basler Nacht eintauchte, fragte sich bestimmt noch lange, wie man das denn am nächsten Tag treffend beschreiben soll. Natürlich ist eine solche Band in einem anderen Kontext, in einer nicht so grossen Konzerthalle noch wirkungsvoller. Aber daraus ist niemandem einen Vorwurf zu machen – das ist nun mal so, wenn sich eine Band zu einer Grösse entwickelt, die sie auch verdient. Und es ist schön zu sehen, dass Sigur Rós weiter wissen, sich nach dem schwierigen Prozess, der zu „Valtari“ führte, wieder einen Befreiungsschlag zutrauen. Sei es auf einem kommenden Album oder als Liveband. Sigur Rós müssen auch damit umgehen, dass nicht mehr alles überrascht, was sie tun. Ihr Vorhang beispielsweise, der für grandiose Bildeffekte aufgezogen wird und gerne auch ein bisschen länger bleiben dürfte, bis er dann in „E-Bow“ fällt und die Band aus dem Zwielicht erscheint. Mag sein, dass man das alles kennt. Und trotzdem ist es ein perfekter Moment.Sigur Ros