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Pianos Become The Teeth, 16.10.2015 – Dynamo, Zürich
Pianos Become The Teeth, 16.10.2015 – Dynamo, Zürich
Erstellt am: 19.10.2015   Autor:
19.10.2015 – Autor: Michael Messerli

Konzerte

Pianos Become The Teeth, 16.10.2015 – Dynamo, Zürich

Drei Bands, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Leidenschaftlich waren sie alle, Pianos Become The Teeth sind es ohne Show.

Gran Noir aus Zürich geben eines ihrer raren Konzerte in diesem Jahr, spielen einen neuen Song und die besten von ihrem Debüt „Alibi“. Dass die letzten Monate nicht von vielen Konzerten geprägt waren, merkt man der Band zu Beginn etwas an. Die Songs bleiben toll, das Hawaiihemd sitzt und die Anspannung löst sich. Danach schlurfen „Milk Teeth“ auf die Bühne. Die blutjungen Briten stellen beim Aufbau eine gewisse Lustlosigkeit zur Schau, die beim Spielen einem unterhaltenden Eigensinn weicht. Gut ist das nicht unbedingt, die Mischung aus Punk, Hardcore und Shoegaze findet keinen gemeinsamen Nenner. Der tollwütige Schlagzeuger ist dann auch der einzige, der einen gewissen Anspruch an sein Instrument stellt. Bei den anderen drei Protagonisten scheint es nicht immer wichtig zu sein, ob man die richtige Stelle erwischt. Da gebührt dem Publikum ein kleines Lob: Es schenkt allen Bands eine ehrliche Aufmerksamkeit und lässt sich darauf ein.

Wie gross der Unterschied zu Pianos Become The Teeth ist, wird dann trotzdem sofort klar: Nach einem kurzen Soundcheck beginnen sie ohne grosse Ansage ihr Set, dies mit einer Urgewalt am Schlagzeug, die seinesgleichen sucht. David Haik peitscht die Songs mit Haut und Haaren von einem Part zum anderen – als Kontrast dazu die zerbrechliche Stimme von Kyle Durfey, der durchweg singt. So sind Pianos Become The Teeth nicht mehr Hardcore, sondern eben Posthardcore. Besonders live wird dies in einer Konsequenz deutlich, die alle daran erinnert, dass hier mehr Bezug zu Postrock besteht als zu Indie. Aber was sind schon Genres, wenn man die Musik hat.

Während Will Yip „Keep You“ sehr sanft aufgenommen und produziert hat, sind Pianos Become The Teeth live eine wahre Wucht. Die Leidenschaft steckt in den Songs. Wie gut der neue Ansatz von „Keep You“ der Band steht, ist unüberhörbar. Während Wut und Verzweiflung vorher mit Schreien zum Ausdruck gebracht wurden, funktioniert Durfeys Gesang viel subtiler, gibt den Songs mehr Raum für Dynamik und spricht auch ein breiteres Publikum an. Letzteres wird mit Sicherheit nie eine Überlegung der Band aus Baltimore gewesen sein. Stellvertretend für ein grossartiges Konzert mit grossartigen Songs steht „Repine“. Der sanfte Aufbau, die klagende Stimme von Durfey, die Power von Haik und dann der gefühlt einzige Refrain ihres Abends: „And I repine faster and faster now/ Your wick wont burn away“. Im Mittelteil droht Durfey zu kippen, ist dem Schreien nahe und dann ziehen sie das Tempo wieder an. Die perfekte Umsetzung einer Band mit viel Herz, die ihren Sound offensichtlich gefunden hat und deshalb wie keine andere klingt.