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Orquesta Buena Vista Social Club, 28.4.2015
Orquesta Buena Vista Social Club, 28.4.2015
Erstellt am: 08.05.2015   Autor:
08.05.2015 – Autor: TheNoise

Konzerte

Orquesta Buena Vista Social Club, 28.4.2015 – Seelax, Bregenz (A)

Die meisten der Mitglieder, die der Gruppe das ursprüngliche Gesicht gegeben haben, leben nicht mehr. Jetzt ist sie auf Abschiedstournee.

Der Buena Vista Social Club war eine überraschende Erfolgsgeschichte. Mehr als fünfzehn Jahre lang hat sie getragen. Doch jetzt werden die letzten Mitglieder der ursprünglichen Gruppe müde. Und auch wenn mit Manuel ‚Guajiro‘ Mirabal und Barbarito Torres noch zwei Mitglieder aus der Frühzeit des Buena Vista Social Club dabei sind, gibt es nur noch ein Zugpferd: Omara Portuondo. Ohne Hilfe schafft es die 85-jährige nicht mehr auf die Bühne, und Tanzschritte kann sie gerade noch andeuten. Aber wenn sie ihre Stimme in den mittleren Lagen erhebt, dann erlebt man auch heute noch ausdrucksstarke Momente.

Das Publikum muss einige Stücke lang auf ihr Set warten und wird während dieser Zeit gediegen unterhalten – mit Ausreissern nach oben, wenn etwa der auch schon betagte Papi Oviedo zu einem Tres-Solo ansetzt. Wie auch der junge Jazzpianist Rolando Luna zeigt der Oldie, dass die Musik der alten kubanischen Orchester stark vom Jazz beeinflusst war und mehr als einlullende Unterhaltung bot. Immer wieder erinnern digitale Bilderschauen an die verstorbenen Mitglieder, an Grössen wie Ibrahim Ferrer, Compay Segundo, Rubén González und Orlando ‚Cachaíto‘ López, an die kaum einer der Musiker heranreicht, die hier auf der Bühne stehen – oder vielleicht nicht heranreichen darf.

Omara Portuondo, die schon in den fünfziger Jahren mit Nat King Cole durch die USA tourte, wird vor allem für ihr Lebenswerk gefeiert und dafür, dass sie überhaupt noch da ist. Obwohl sie die hohen Töne ohne Anlauf nur noch schwer erreicht, bedankt sie sich für die ’standing ovations‘ mit charaktervollen Interpretationen. Und sie beweist mit zwei ruhigen Stücken, zu denen sie nur von Rolando Luna begleitet wird, dass sie dafür trotz der körperlichen Gebrechlichkeit nicht die Stütze eines Duettpartners benötigt und kein opulentes Orchester, das ihre Schwächen übertüncht.

Dass die Adios-Tour mit ihrem Abschied von der Bühne zusammenhängt, ist kein Zufall. Die alte Garde gibt es nicht mehr und auch keinen Anlass, die Musik auf die gleiche Art weiterzupflegen, die bei ihrer Entdeckung in den 90er-Jahren eine verstorbene Zeit heraufbeschwor. Es ist sicher wichtig, dass sie der Buena Vista Social Club hat wiederaufleben lassen und damit junge Musiker zur Auseinandersetzung mit dem Erbe angeregt hat. Jetzt sollen sie die Flamme auf ihre Weise in die Zukunft tragen.