Exit Music
Mars Volta 2 – 07.03.05

Mars Volta 2 – 07.03.05

Erstellt am: 01.04.2005
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Erstellt am: 01.04.2005   Autor:

Konzerte

Unbegreifliche Genialität, Kunst und Rockmusik zusammen auf einer Bühne…

Das einzige CH-Konzert einer derart grossartigen Formation zu verpassen, käme wohl einem gut gezielten, kräftigen Fusstritt ins Allerheiligste gleich. Um dieses, doch eher unangenehme Gefühl zu vermeiden, ging ich ‚mal hin und meine (und ich glaube auch Andreas‘) Erwartungen wurden bei weitem übertroffen…
Natürlich besorgte man sich die begehrten Tickets schon Monate im Voraus und freute sich wie Gugelhöpfe auf das bevorstehende Konzert. Blöderweise verfuhren wir Landeier uns im viel zu grossen Zürich erst ‚mal kräftig, was uns die eigentlich vor dem Konzert benötigte Zeit kostete, in der man sich auf freundlich englische Weise einer Schlange anstellt, um die lästigen Winterjacken dem Garderoben-Fräulein zu übergeben. Doch The Mars Volta begannen unerwartet pünktlich wie ein Schweizer Bahnunternehmen um 20.00 Uhr mit ihrem Auftritt. Jäno, leicht verspätet, aber immer noch mit Jacken drängte man sich ins ausverkaufte Rohstofflager, schliesslich wollte man möglichst wenig verpassen, was die sieben Künstler aus ihren Instrumenten zauberten. Und tatsächlich vergass man vor lauter Faszination über das Dargebotene sogar, dass das Winterjacken-Outfit in einem Konzertsaal weder angenehm noch angebracht ist.
Das Gespielte haute einem schlicht vom Hocker. Nach einem ca. 20 Minuten dauernden „Stück“, zusammengesetzt aus brutalen, durch Mark und Bein fahrenden Schlagzeug und Gitarrenwirbeln und atmosphärischen, psychedelischen Synthesizer-Klängen wurde das Publikum kurz begrüsst und darauf hingewiesen, dass nun kommentarlos bis 22.00 gespielt werde und danach Feierabend sei. Gut, man hörte weiter zu und staunte, wie minutenlange, schwindelerregende Passagen von plötzlichen, wilden, beinahe chaotischen Metal-Teilen gefolgt und dabei von bezaubernden Gitarrensoli unterbrochen wurden. Überwältigend ist hier wohl der einzig passende Ausdruck. Man spürte förmlich, wie Wände von Schallwellen den Saal durchquerten, um entweder in beinaher Totenstille oder in noch wilderem Chaos zu enden. Nur wenige Teilstücke erkannte man (da schon einmal auf Tonträgern in ähnlicher Weise wahrgenommen), beim Grossteil des Auftritts war’s für den unvorbereiteten Zuhörer jedoch schwierig zu bestimmen, ob die Band gerade aufs Wildeste improvisiert oder dieses instrumentale Gewitter tatsächlich so geplant war. Genial, wie diese Musiker ihre Instrumente beherrschten, wie der Schlagzeuger die enorm schwierigen, überraschenden Tempo- und Rhythmuswechsel bewältigte, wie er laut donnernd die Szene bestimmte oder scheu zurückhaltend im Hintergrund blieb, wie Gitarrist Rodriguez-Lopez bezaubernde, wahnsinnige Solos aus dem Handgelenk schüttelte und wie Herr Zavala seine Stimmbänder wahrend zwei Stunden aufs Äusserste strapazierte (der singt, schreit und kräht tatsächlich wie auf CD zu hören). Ausserdem verlieh der Saxophon spielende Querflötler v.a. den improvisierten Teilen einen leichten Acid-Jazz-Touch. Ein wildes Durcheinander von Stilen, Klängen und Teilstücken, die weder tanzbar noch verständlich, geschweige denn nachvollziehbar sind und wohl nur von dieser Band auf diese Weise gespielt werden kann. Genau diese Mischung machte jedoch die faszinierende, bleibende Wirkung dieses Konzerts aus.
Für mich war’s eine bisher unübertroffene Live-Erfahrung bezüglich musikalischer Fähig- und Fertigkeiten, Abwechslungs- und Ideenreichtum in Verbindung mit harter Rockmusik, die alles bisher Gesehene in den Schatten stellt (obwohl diese Aussage anderen perfekten Live-Bands gegenüber unfair ist, da man wirklich gar nichts mit Mars Volta vergleichen kann). Jedenfalls ein bleibendes Erlebnis, das den relativ hohen Eintrittspreis mehr als rechtfertigte.

Links:

www.marsvolta.com
www.rohstofflager.ch