Exit Music
Mars Volta 1 – 07.03.05
Mars Volta 1 – 07.03.05

Mars Volta 1 – 07.03.05

Erstellt am: 01.04.2005
Autor:
Erstellt am: 01.04.2005   Autor:

Konzerte

Im Jagd-Rausch

Ihr Sound ist nicht einfach; strub nannten wir ihn, doch genaueres Hinhören lohnt sich: Mars Volta. Wer Ihre Alben nicht kennt: Sofort besorgen. Wer Ihr Konzert verpasst hat oder noch einmal erleben möchte: Bitte einsteigen.

Wir befinden uns in einem kapselähnlichen Raum, dicht gedrängt mit den anderen Verrückten. Ohne Vorwarnung setzt sich unsere Kapsel mit einem höllischen Tempo in Bewegung. Ein unerhört rasantes Schlagzeug peitscht uns vorwärts, lässt unsere Körper vibrieren. Unentwegt rasen wir vorwärts, widerstandslos, scheinbar etwas verfolgend. Die enorme Geschwindigkeit lässt unseren Puls steigen. Ein Triebwerk nach dem anderen wird gezündet, wir spüren, wie unsere Kapsel nach jeder Zündung zusätzlichen Schub erhält. Gnadenlos ziehen Bass und eine unverschämt gute Gitarre, bis unsere Maschinen auf Hochtouren laufen und ich endlich erkennen kann, dass wir einem weissen Lichtpunkt hinterherjagen. Immer schneller und lauter laufen die Motoren, gleich erwischen wir ihn. Unser Puls rast, unsere Köpfe drohen zu explodieren, doch der Lichtpunkt ist schneller als wir – er vermag zusätzlich zu beschleunigen und verschwindet irgendwo am Horizont. Unser Tempo verlangsamt sich sofort, bis nur noch feine Beats und Querflöte unsere Energiezufuhr aufrechterhalten. Wir stehen praktisch still und ich stelle fest, dass wir uns mit unserer Kapsel in einer wüstenähnlichen Umgebung befinden – nichts ausser rotem Sand. Wir drehen uns langsam um die eigene Achse und fühlen uns als Sheriff in der unendlichen Weite. Von weit her sind ungewöhnliche Klänge zu vernehmen – einige Gäste verlassen die Kapsel – wir warten gespannt auf den Lichtpunkt. Am Horizont wird aufgewirbelter Sandstaub sichtbar, ein Objekt nähert sich mit hoher Geschwindigkeit, verschwindet dann aber wieder. Die Spannung steigt, wird greifbar, und wie aus dem Nichts rast plötzlich der Lichtpunkt vor uns durch, und wir nehmen sofort die Jagd auf. Mit allen Mitteln donnern wir minutenlang ohne Verschnaufpause durch die Wüste, hinter unserem Zielobjekt her. Unsere Köpfe beginnen zu dröhnen, die Herzen rasen, ruhig stehen ist unmöglich, bis wir innerhalb von einem Sekundenbruchteil abrupt stoppen. Wir haben das Gefühl, in ein schwarzes Loch gesogen zu werden, eine Welle des Nichts durchstösst unsere Körper, unseren Geist. Der Lichtpunkt ist erneut entwischt. Wir sind erneut gezwungen, auf ihn zu warten. Die überhitzten Motoren brummen wohltuend, beruhigen unsere Körper bis zur erneuten Hetzjagd auf den Lichtpunkt. Dieses Spielchen wiederholt sich einige Male und die Jagd wird zum süchtig machenden Rausch. Die Ruhepausen an Ort sind zwar erholsam, doch die Lust auf die Jagd ist zu gross, um sich den manchmal in sich selbst verlierenden Rotationen wirklich bewusst zu werden. Die Orientierungslosigkeit in diesen Phasen führt gar soweit, dass Mikrofonständer durch die Luft fliegen, einige Teilnehmer unserer Runde zu Boden fallen oder sich übergeben müssen. Den Lichtpunkt haben wir leider nie einholen können, dazu waren wir zu langsam; obwohl schneller praktisch unmöglich ist. Dafür verlassen wir am Ende die Kapsel mit starkem Kopfdruck, erhöhter Atemfrequenz und rasendem Puls, in der Hoffnung, zu Hause die Platte einschieben zu können und Ähnliches zu erleben (- leider nicht annähernd so intensiv wie live).

Links:

www.marsvolta.com
www.rohstofflager.ch