Exit Music
Mando Diao – 28.02.05

Mando Diao – 28.02.05

Erstellt am: 01.04.2005
Autor:
Erstellt am: 01.04.2005   Autor:

Konzerte

Heisser Schwedenrock im bitterkalten Fribourg


Wer mag es nicht, das durch Mark und Bein fahrende „Yeah
yeah“-Geschreie zu energiegeladenem Rock’n’Roll auf den beiden
ordentlich gelungenen Mando Diao-CDs? Um das Ganze (noch ein)mal am
eigenen Leib zu erfahren, ging’s ab nach Fribourg und hier geb‘ ich nun
meine Eindrücke davon zum Besten (oder meinen Senf dazu).

Als
Anhänger des feinen schwedischen Retro-Rocks sah ich mich also
verpflichtet, Mando Diao nochmals live zu erleben, da mir ihr kurzer
Auftritt am Gurtenfestival ’05 einen bleibenden Eindruck hinterliess.
Also begab ich mich auf die kalte Reise im glücklicherweise geheizten
Zug über die Sprachgrenze, um ‚mal zu schauen, wie sich die Band seit
ihrem neuen, doch einiges ruhigeren, poppigeren Album „Hurricane Bar“
auf der Bühne so gemacht hat.

Zu meiner freudigen Überraschung spielten Sugarplum Fairy, die Truppe
des jüngeren Bruders von Gustav Noren (dem Sänger, Gitarristen und
Stimmungsmacher von Mando Diao) als Vorband. Unwissende könnten die
Band wohl problemlos mit Mando Diao verwechseln, da neben den Frisuren,
dem Stil und der Performance auch die Musik äusserst ähnlich daherkommt
wie diejenige des Hauptacts – was mich nicht weiter störte, da
Sugarplum Fairy genauso eingängige Melodien und gute Musik spielten wie
ihre „grossen Brüder“ wenig später. Der gelungene Auftritt sollte
jedenfalls sämtliche Mando-Fans dazu motiviert haben, ‚mal ein Ohr in
ihr Album zu werfen (wie man so schön sagt…).
Schön, das gut besuchte Fri-Son war also langsam aufgewärmt und
gespannt, was die Burschen aus Borlänge gleich bieten werden.
Erwartungsgemäss pompös begann um ca. 22 Uhr das concerto grande bzw.
die grosse Sause und relativ bald stellte ich fest, dass sich seit
ihrem Gurten-Auftritt musikalisch etwas getan hatte. Perlen aus „Bring
‚Em In“ wie „Paralized“ und „Motown Blood“ wurden nicht nur gespielt,
sondern mit gelungenen Intros, feinen Zwischenteilen und tollen
Ergänzungen vorgetragen, was die Audienz doch zu mehr als ein paar
lahmen Hüftschwüngen animierte. Die selbst ernannte Popband (G. Noren)
rockte doch ordentlich hart, zwar nicht immer fehlerlos, doch wer sich
daran zu stören vermag, sollte schwungvolle Konzerte in Zukunft meiden.
Kreuz und quer wurde durch beide Alben gerockt, so dass sich wohl jeder
im Saal an seinen persönlich favorisierten Stücken erfreuen durfte.
Natürlich kam auch die typisch Mando Diao’sche Arroganz nicht zu kurz;
man sah der Band förmlich an, dass sie wissen, wie gut ihre Musik ist
und beim Publikum auch ankommt, entsprechende Gestik ihrerseits gab
dies unmissverständlich zu verstehen. Doch ein wenig Selbstvertrauen
hat noch niemandem geschadet und ausserdem haben die Knaben ihren
Applaus dank einer soliden Bühnenshow auch verdient.

Erwähnenswert war die 15 Minuten dauernde Zugabe: Gustav spielte
„Ringing Bells“ zusammen mit einer akustischen Gitarre, um dem Publikum
kurz Zeit zu geben, etwas des immer knapper werdenden Sauerstoffs zu
erhaschen, um ihm kurz darauf mit „Down in the Past“ den Rest zu geben.
Nach dem Konzert mit angenehm durchnässten T-Shirt die kälteste Nacht
des Jahres zu betreten, war wahrscheinlich nicht die allerschlauste
Idee, jedoch nötig.

Zusammenfassend erlebte man ein energiegeladenes, interessantes
Rockkonzert mit starker Vorgruppe, das ausserdem durch einen
vernünftigen Eintrittspreis überzeugte. Gute Sache.

Einen persönlichen Kritikpunkt gibt’s doch noch (- die Band betrifft’s
jedoch nur teilweise): Da sie zwischenzeitlich relativ bekannt sind,
bekam ihr Auftritt einen leichten „Yeah, yeah, wir sind dicke Rockstars
und zeigen’s jeder Halle bzw. jedem Publikum“-Charakter. Gut, war zu
erwarten doch nicht weiter tragisch. Es muss jedoch gesagt sein, dass
es seit Blackmail vor einem Jahr im ISC keine Band geschafft hat, mich
wirklich komplett vom Hocker zu hauen, doch dazu ein andermal…

 

Links:

www.mando-diao.com

www.fri-son.ch