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Love A, 30.05.2015 – Kulturladen, Konstanz
Love A, 30.05.2015 – Kulturladen, Konstanz

Love A, 30.05.2015 – Kulturladen, Konstanz

Erstellt am: 31.05.2015
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Erstellt am: 31.05.2015   Autor:

Konzerte

Ausdruckstanz 1.0

Warum auf dem Konzertfoto die Band fehlt? Wir solidarisieren uns mit Love A und lassen das Smartphone während dem Konzert in der Tasche.

Die meisten Schweizer fahren nach Konstanz, um billiger einzukaufen. Dabei hat die schöne Stadt am Bodensee so viel mehr zu bieten. Wir fahren dahin, um Love A im Kulturladen zu sehen. Das hat schon seine Ironie, wenn man die Texte von Jörkk Mechenbier nimmt, die unter anderem scharf gegen die Konsumgeilheit angehen. So zumindest kann man das interpretieren, wenn die Leute hysterisch werden, sobald Zalando etwas liefert und Steve Jobs am neunten Tag die Liebe erschlug: „Hauptsache alle schreien ja und sind verwirrt/ Hauptsache alle schreien nein und sind verwirrt/ Hauptsache alle schreien“.

Love A sind auch nicht Popkultur, die sich über Selbstdarstellung in sozialen Medien freut. Es sind denn auch an diesem Abend ausserordentlich wenige Handys in der Luft. Facebook und YouTube sind nicht die richtige Bühne für Love A. Diese steht analog vor einem und die Band fühlt sich darauf sichtlich wohl. Besonders Jörkk Mechenbier, der seine jederzeit zitierbaren Texte mit Gesten und Mimik wunderbar lebt. Wer das gesehen hat, wird es beim Hören der drei tollen Alben nicht mehr vergessen. Dazu kommt die konsequent unverzerrte Gitarre von Stefan Weyer, die im besten Sinn tanzbaren Postpunk spielt und eine erstaunlich hohe Hitdichte hervorbringt. Love A gehören definitiv zu den Guten – musikalisch und inhaltlich: „Nein, nein, no way/ Wir tanzen nie wieder zu den falschen Liedern/ Nein, nein, no way/ Denn DJ Doppelklick hat nie die echten Hits mit“.

Überstrahlt wird dieses Feuerwerk von „Augenringe“ und besonders von „Windmühlen“: Eine Hymne gegen alles, wofür die Band nicht steht – und damit auch eine Hymne für jeden, der sich mit ihr identifizieren kann. Nach ein bisschen mehr als einer Stunde ist dann auch alles in Szene gesetzt, was gesagt werden muss. Klatschnass verlassen die vier die Bühne des Kulturladens und man fährt wieder zurück mit dem grossen Wunsch, dass Love A doch bald auch den Weg in die Schweiz finden. In Konstanz waren sie bereits – und das ist doch schon verdammt nahe dran.