Exit Music
Jethro Tull’s Ian Anderson, 18.11.2014
Jethro Tull’s Ian Anderson, 18.11.2014
Erstellt am: 19.11.2014   Autor:
19.11.2014 – Autor: Chris Döbeli

Konzerte

Jethro Tull’s Ian Anderson, 18.11.2014 – Kongresshaus, Zürich

Dienstagabend, Kongresshaus Zürich. Junggebliebene mit ihren Jungen stehen Schlange, um ganz kultiviert ihre Lederjacken und Wintermäntel in der Garderobe zu deponieren. Denn er ist wieder einmal hier. Der (fast) einbeinige Querflötenvirtuose Ian Anderson (67). 

Es ist gestuhlt und auf dem Ticket steht Beginn 20.00 Uhr und das ist keine Richtlinie, 20.00 Uhr ist Beginn. Punkt. Ian Anderson hat es clever gemacht, den Konzertabend seinen alternden Fans anzupassen. Mögen doch die meisten keinen ganzen Abend mehr auf dem Parkett stehen und Pünktlichkeit wird geschätzt. Einen nicht all zu langen Abend ebenfalls. Um 22.00 Uhr verlässt man den Saal, Supplement ist da natürlich schon eingerechnet. Mit solch einem Konzept holt er gekonnt auch die Frauen, denen es heute meist zu laut ist an einem Konzert, zurück in die Siebziger.

Zuerst gibts Leckerbissen aus dem neuen Album, Homo Erraticus. Das nun bereits siebte Soloalbum seinerseits. Dieses Konzeptalbum besteht aus drei Teilen: Chroniken, Prophezeiungen und Offenbarung. Thematisiert wird die britische Geschichte. Aber mal ehrlich, wegen Homo Erraticus ist niemand in Zürich. Schön und gut, denkt man sich und klatscht höflich.

Die treibende Kraft, welche die meisten Menschen nach Zürich trieb, ist Nostalgie. Noch einmal die Songs zu hören, zu denen man damals Drogen konsumierte. Noch einmal Jung sein, zumindest für Songs wie „Aqualung“ oder „Living in the Past“, wie ironisch. Noch einmal einem (mittlerweilen kahlen) Ian Anderson zuzuschauen, wie er seinen ikonischen Einbeinstand vollbringt und seinen Kopf in die Höhe streckt beim Singen. Sieht man ihn so seiner Passion nachgehen, verzeiht man auch das Verpassen der hohen Töne.

Die visuelle Präsentation zu den jeweiligen Songs kommt da genau richtig und hilft zum Erinnern der Vergangenheit. Bilder schiessen, strikt untersagt. Besteht man darauf, kriegt man Besuch eines Schlipsträgers, der aus dem Hinterhalt die Zuschauer beobachtet. Der Meister will wohl nicht durch Blitzlichtgewitter gestört werden. Zum Glück des Publikums spielte er Stücke wie, „Locomotive Breath“ oder „Songs From The Wood“ immer noch mit einer Bühnenpräsenz wie ein aufgeschrecktes Reh. Fantastisch war auch die Leistung seiner Band. Technisch einwandfrei und stets mit dem Wissen, dass Ian der Star des ganzen Abends ist, aber ohne sie ginge es eben doch nicht.

Wie angekündigt, kurz vor 22.00 Uhr endete das Nostalgiespektakel und wurde mit einer Standing Ovation gewürdigt. Beifall für Ian Anderson, dessen Band Jethro Tull es offiziell nicht mehr gibt seit diesem Jahr.