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Godspeed You! Black Emperor, 25.04.2015 – Salzhaus, Winterthur
Godspeed You! Black Emperor, 25.04.2015 – Salzhaus, Winterthur

Godspeed You! Black Emperor, 25.04.2015 – Salzhaus, Winterthur

Erstellt am: 27.04.2015
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Erstellt am: 27.04.2015   Autor:

Konzerte

Eine Reise in Zeitloope

Godspeed You! Black Emperor nehmen einen mit in ihren Klang der Dinge – und manchmal vergisst man tatsächlich, dass man unter hunderten von Menschen steht.

Die Kanadier haben mit ihrem aktuellen Album „Asunder, Sweet and Other Distress“ mehr eine Fortsetzung von „Allelujah! Don’t Bend! Ascend!“ denn eine Weiterentwicklung vollzogen. Das ist etwas überraschend und dennoch verständlich: Ewige Neuerfindung kann auch eine Ausnahmetruppe wie Godspeed You! Black Emperor nicht leisten. Es ist eine der aussergewöhnlichsten Bands der letzten 20 Jahre und es ist mit Sicherheit nicht einfach, sich diesen Status mit doch eher sperrigen Alben zu erspielen. Woher also kommt die Magie? Antworten sucht man auf der Bühne des Winterthurer Salzhauses vergebens – und findet sie in der Musik.

Denn die acht Menschen, die dieses Kollektiv bilden, bieten als Personen nichts Mythisches. Die Visualisierungen von Karl Lemieux sind wirkungsvoll und doch nicht aufdringlich. Am Anfang taucht immer wieder das Wort Hope auf. In einem späteren Moment sieht man Bauwerke, die mehr wie Häuserskelette aussehen – leere, seelenlose Hüllen. Gerippe wie Spuren von Menschen, die nicht mehr darin wohnen. Sehr apokalyptisch ist dieser Abend in einem vermutlich ausverkauften Salzhaus trotzdem nicht. Godspeed You! Black Emperor vermeiden jegliche Effekthascherei. War es denn anders zu erwarten? Das Publikum klatscht lange, als gäbe es eine Chance auf eine Zugabe. Natürlich kommen und gehen sie wortlos.

Und apropos Effekte: ein Blick auf die Bühne nach dem Konzert lässt einen staunen, mit wie vielen technischen Geräten besonders die Gitarristen und Bassisten den Sound erzeugen, den man ab Platte als beinahe selbstverständlich wahrnimmt. Egal ob es bedrohliche Drones sind oder die überrollende Wucht der Mehrfachinstrumentierung. Nicht selten fliessen die Parts wie Mantras ins Publikum, transportieren wohl nicht wenige gedanklich weg vom Salzhaus. Das ist die Kunst, welche die Band aus Montreal beherrscht. Gerade in Songs wie dem 20-minütigen „Mladic“ fällt einem auf, wie nichts dem Zufall überlassen wird. Jeder Ton sitzt, weil jeder Ton seinen Platz hat. „Asunder, Sweet and Other Distress“ spielen sie komplett, was auch logisch ist, denn es ist schliesslich ein 40-minütiges Ganzes, dessen letzter Part „Piss Crowns Are Trebled“ in ein fantastisches, extrem lautes Finale mündet. Es lässt keinen Zweifel darüber aufkommen, dass das hier mit Postrock alleine nicht zu bezeichnen ist. Es gibt nur einen Namen für diese Musik: Godspeed You! Black Emperor.