Exit Music
Eluveitie, 25.09.2014
Eluveitie, 25.09.2014
Erstellt am: 29.10.2014   Autor:
29.10.2014 – Autor: Chris Döbeli

Konzerte

Eluveitie, 25.09.2014 – Warehouse Live, Houston TX

Das Schweizer Exportwunder in der Metalszene, Eluveitie, auf Nordamerikatournee mit dem neuen – im August erschienen – Album Origins zu Gast im Warehouse, Houston TX. Mit von der Partie, Týr von den Färöer-Inseln und Metsatöll aus Estland. Ein Metalfest.

Wenn man schon einmal auf der anderen Seite des Teichs ist, in der gleichen Stadt wie der Tourbus von Eluveitie, kann man fast nicht weitergehen ohne das Konzert zu besuchen. Jedenfalls ich nicht. So kaufte ich noch in der Schweiz für 18 Dollar ein Ticket für die Nordamerikatournee. Die neuen Songs von Origins gefallen sehr, doch wie sind sie live zu geniessen?

Gespannt auf den Auftritt von Chrigel Glanzmann und seinen Gefährten, gönnte ich mir erst ein Bier. Wie das halt so ist an einem Konzert. Der Start machte Metsatöll, eine estnische Folk-Metal-Band, mir bis anhin unbekannt, leider. Seit 1998 sind diese langhaarigen, bärtigen Burschen unterwegs und sie spielen teuflisch gute Klänge. Mit Titeln wie „Kivine Maa“ (heisst so viel wie Land voller Steine) ballt man energisch die Faust und schreit, was auch immer. Das ist ja nicht so wichtig, aber man schreit und es animiert die Seele, sich zu reinigen und im Maultrommelgebimmel zu baden. Nach einiger Zeit fühlt man sich wie im Mittelalter. Die Texte bedienen sich an Sagen, Überlieferungen und Kriegsgeschichten aus dem 13. und 14. Jahrhundert in der estnischen Umgebung. Der tiefe Runengesang passt dazu hervorragend.

Týr machte die goldene Mitte und spielte als Nummer zwei. Anders als bei grösseren Konzerten, sind die Bands vor der letzten Vorstellung nicht als Vorgruppen zu betrachten. Eher ist es ein Konzertabend mit gleichwertigen Bands, die letzte ist meist einfach die Bekannteste. Týr ist in der gleichen Sparte einzuordnen, dem Folk-Metal oder Viking Metal. Hier scheiden sich die Geister, für Amon Amarth zum Beispiel ist Viking Metal kein richtiges Genre im Metal. Wie auch immer. Týr spielte soliden Metal, aber das, wofür ich Heri Joensen, Leader und Liederschreiber der Band, liebe, blieb mehrheitlich aus. Die kraftvollen, schweren Balladen. Von Songs wie „Styrisvourin“ oder „Ramund Hin Unge“ keine Spur. Nichtsdestotrotz klang es gut und machte Laune, auch mit der Vorfreude von Eluveitie im Kopf.

Dann war es endlich soweit. Die mehrköpfige Formation aus der kleinen Schweiz betrat die eher klein geratene Bühne des Warehouses im East Downtown Houston. Unter ihnen auch Gitarrist Rafael Salzmann, seit 2012 bei Eluveitie, mit dem ich an diesem Tag bereits das Vergnügen hatte und einen kleinen Schwatz abhielt. Frenetisch wurde die Ankunft der Folk-Götter in der texanischen Hauptstadt der Todesstrafe gefeiert. Endlich begann das, wonach sich alle in diesem Saal sehnte; bedingungslos in den Bann der Kelten gezwungen zu werden und das prachtvolle oder schüttere Haar in der verschwitzten, dicken Luft taktvoll herumzuwirbeln. Nicht einfach so haben die Schweizer den Swiss Music Award in der Sparte „Best Live Act National“ ergattert (Kontrahent war damals das Schweizer Justin Bieber-Double Luca Hänni). Eluveitie ist der lebende Beweis, dass es für eine hervorragende Show keine Millionen-Lichtanlage braucht,  um zu bestechen. Einen guten Mix zwischen älteren Songs, wie „Slanias Song“ und neuen Songs, wie „Celtos“ überzeugte die Menge. Spätestens bei „The Call Of The Mountains“, explizit von der Menge auf Schweizerdeutsch gewünscht, tobte das Volk oder der Folk? Wohl beides. Einzig, die Amerikaner wissen nicht, eine stattliche Wall of Death zu kreieren. Das sah aus und fühlte sich an, als ob ein paar läufige Wildschweine um eine Wurst buhlten. Da ist man sich anderes gewöhnt in der Schweiz. Vom Moshpit will ich gar nicht anfangen…

To sum up, ein stimmungsvoller Abend, gespickt mit Perlen der Folk-Metal-Szene, der einem eine heisere Stimme und einen starren Nacken schenkte, und dennoch ist man froh drum. Mit einem meiner Favoriten, „Inis Mona“, wurde der Abend abgerundet und ich konnte wieder zurück ins Hotel „stürchlen“. Ein Metalfest, wie es sein muss.